Presse 20 Jahre RheinAhrCampus – Jubiläumsveranstaltung feiert Erfolgsgeschichte des Bonn-Berlin-Ausgleichs

REMAGEN/BONN/KOBLENZ. Als der Deutsche Bundestag am 20. Juni 1991 beschloss, den Regierungssitz von Bonn nach Berlin zu verlegen, legte er damit das Fundament für die Gründung des RheinAhrCampus. Der neue Remagener Campus als dritter Standort der Hochschule Koblenz war als größtes Ausgleichs-Förderprojekt das Herzstück für den Strukturwandel im Ahrkreis. Ausgelegt für ursprünglich 1.000 Studierende, studieren heute 2.900 Studierende am Hochschulstandort Remagen. Seit seiner Gründung vor 20 Jahren haben sich knapp 15.000 Studierende dort eingeschrieben. Mit einem Festakt und einem Tag der offenen Tür feierte der Campus nun sein 20jähriges Jubiläum.

Anlässlich des Jubiläums wurde ein ganztägiges Veranstaltungsprogramm auf die Beine gestellt, bei dem Besucherinnen und Besucher die Vielfalt des Campus erleben konnten. In einem Festakt blickten derzeitige und ehemalige Professorinnen, Professoren, Mitarbeitende, Studierende und Vertreter der Stadt zurück zu den Anfängen, als es galt, quasi aus dem Nichts eine ganz neue Hochschule aufzubauen – und wagten einen Ausblick in die Zukunft. Nachmittags lud die Hochschule alle Interessierten zum Tag der offenen Tür mit einem bunten Campusprogramm und Livemusik ein. Verschiedene wissenschaftliche Vorträge, offene Labore und Infostände boten einen Blick hinter die Forschungskulissen. Für den Spaßfaktor sorgte ein buntes Kinderprogramm mit Hüpfburg sowie verschiedene Ausstellungen, ein Bücherflohmarkt und spannende Mitmachangebote für Jung und Alt.

185 Mio. DM stellte die Regierung damals als Ausgleich für die Verluste der Region für den Bau eines völlig neuen Hochschulcampus zur Verfügung. Entstehen sollte ein Standort mit einzigartigem Profil und innovativen Studiengängen, die den Gesundheits- und Fitnessbezug der Region aufgreifen. Ein Aufbauausschuss und eine provisorische Geschäftsstelle im Hochzeitszimmer der Stadt Remagen – zu Beginn mit vier Personen besetzt – lenkte die Geschicke in der Aufbauphase. „Hier wurde Pionierarbeit geleistet“, betont Gisela Niedzwetzki, die den RheinAhrCampus schon seit Gründertagen als Mitarbeiterin begleitet. Das Studienangebot wurde konzipiert, die ersten Professoren für Betriebswirtschaftslehre und Mathematik wurden berufen und Studienberatungen durchgeführt. Aber auch die gesamte Ausstattung und das Marketing mussten organisiert und Kontakte zu den Unternehmen der Region geknüpft werden. In einem städtebaulichen Ideenwettbewerb reichten 107 Architekten ihre Vorschläge für den Bau ein und stellten diese in der Rhein-Halle Remagen der Öffentlichkeit vor. Der schlichteste Entwurf – ein Modell aus verschiedenen Bauklötzen – machte das Rennen.

Trotz eines holperigen Startes, Verzögerungen am Bau und zu spät fertiggestellten Lehrräumen konnte der Lehrbetrieb wie geplant aufgenommen werden: Im Wintersemester 98/99 gingen 119 Studierende in den Studiengängen Gesundheits- und Sozialwirtschaft, Sportmanagement und Physikalische Technik an den Start. Die Studierenden der ersten Stunde brachten viel Abenteuergeist und Aufbruchsstimmung mit und wurden belohnt: im November 2002 erfolgte die Vergabe der ersten Diplome an 42 Absolventinnen und Absolventen.

Das anfängliche Studienangebot wurde mit den Jahren immer mehr erweitert und an die Anforderungen des Arbeitsmarktes angepasst. Inzwischen können Studieninteressierte zwischen zwölf Bachelor- und sechs Masterstudiengängen in zwei Fachbereichen wählen: Mathematik und Technik sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. „Die interdisziplinären Studiengänge vermitteln nicht nur wirtschaftliche, mathematische oder technische Grundlagen, sondern ermöglichen gerade durch ihre innovative Spezialisierung ein breit gefächertes Berufsspektrum“, betont der Vizepräsident der Hochschule Koblenz, Prof. Dr. Dietrich Holz. „Der RheinAhrCampus hat sich mit seinen zukunftsweisenden Studiengängen sowie mit seiner Praxisnähe und Forschungsstärke zu einer modernen von Studierenden, aber auch von der Wirtschaft geschätzten Bildungs- und Wissenschaftseinrichtung entwickelt, die in der Region fest verankert ist.“

Am RheinAhrCampus findet eine angewandte zukunftsorientierte Forschung in zwei großen Forschungsschwerpunkten statt. „2000 qm sogenannter Innovationsflächen bieten Raum für Forschungsprojekte mit regionalen und überregionalen Unternehmen bis hin zu internationalen Kooperationen und öffentlich geförderter High-Tech-Forschung“, so Dr. Anke Hülster, Leiterin der Abteilung Forschung und Transfer der Hochschule Koblenz. Auch in jüngster Vergangenheit konnten Forschende des RheinAhrCampus wieder von sich reden machen: mit der Entwicklung neuer mathematischer Methoden im Bereich „Big Data“, mit einem neuen System zur Analytischen Röntgenbildgebung, mit neuen Laserverfahren zur schnellen, berührungslosen Materialanalyse oder mit der Entwicklung einer luftgestützten Sensorplattform. Neben dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung, dem Institut für Sportmanagement und Sportmedizin und dem Institut für Röntgenoptik wurde im vergangenen Jahr mit dem Anwendungszentrum Machine Learning und Sensortechnik ein viertes Forschungsinstitut gegründet. Häufig nachgefragte Interviewpartner in Funk und Fernsehen sind insbesondere die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, deren Forschungsarbeiten sich beispielsweise um Themen aus der Sozialpolitik, Bevölkerungsstatistik und Demografie oder der Sport- und Verbandsentwicklung drehen.

Auch international ist der gute Ruf der Hochschule bekannt. Die Studierenden kommen aus aller Welt, um in Remagen zu studieren. Der Bereich Sprachen/Internationales ermöglicht auch den heimischen Studierenden eine internationale Ausrichtung ihres Studiums – durch Partnerschaften mit ausländischen Hochschulen weltweit.

Die Studierenden am RheinAhrCampus werden aktuell von 49 Professorinnen und Professoren und zahlreichen Lehrbeauftragten betreut. Unterstützt werden die Lehrenden von wissenschaftlichen Beschäftigten und weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den zentralen Bereichen wie der Verwaltung, der Bibliothek und dem Rechenzentrum. Insgesamt arbeiten am RheinAhrCampus heute 176 Menschen.

„Auf seinen Erfolgen ruht sich der Campus nicht aus, sondern er bereitet sich auf die Zukunft vor. Studienangebote werden an die sich wandelnden Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und der Gesellschaft angepasst und neue Lernformate entwickelt“, bekräftigt Prof. Dr. Kristian Bosselmann-Cyran, Präsident der Hochschule Koblenz. Auch baulich tut sich wieder einiges: Im Rahmen eines Neubauprojektes entstehen derzeit ein neues Wohnheim für Studierende sowie ein Weiterbildungszentrum in Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerk Koblenz.