Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) ist ein Förderprogramm der Europäischen Union. In Rheinland-Pfalz werden Fördermittel aus dem Programm für Strukturfondsinvestitionen eingesetzt. Aktuell werden an der Hochschule Koblenz die folgenden Projekte gefördert:
Aufbau eines Kompetenzzentrums zur Additiven Fertigung anorganisch-nichtmetallischer Werkstoffe
Das Verbundvorhaben soll zunächst zur Entwicklung einer Infrastruktur zur additiven Fertigung von anorganisch-nichtmetallischen Werkstoffen dienen, welches zum ersten Kompetenzzentrum für die additive Fertigung der genannten Werkstoffgruppe in RLP führen wird. Über drei Jahre bündeln die drei Projektpartner – die Forschungsinstitut für Anorganische Werkstoffe -Glas/Keramik- GmbH, die Hochschule Koblenz sowie die Universität Koblenz-Landau – ihre ausgewiesene Expertise im Umgang mit nichtmetallisch-anorganischen und insbesondere keramischen Werkstoffen, um bestehende Druckverfahren besser an die Vielzahl von Werkstofftypen anpassen zu können. Das Ziel ist die Identifikation ökonomischer Verfahren, die in Summe hier die Hemmnisse des Standes der Technik überwinden. Die individuell auf den Werkstoff anzuwendenden Herstellungsverfahren müssen hier grundsätzlich ganzheitlich betrachtet werden, was die Rohstoffe, die Bindergruppen und das Sintern gleichermaßen berücksichtigt wie die Druckverfahren. Nur so gelingt es der Wirtschaft eine Technologie zur Verfügung zu stellen, die wirtschaftlich und damit zukunftsweisend ist. Das Vorhaben wird im Rahmen des Auf- und Ausbaus von technologieorientierten Kompetenzfeldern (P1-SZ2-3) von der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und dem Land Rheinland-Pfalz gefördert.
3DKI – Nachhaltige Additive Fertigung von Keramik
Mit dem EFRE-geförderten Projekt 3DKI – Nachhaltige Additive Fertigung von Keramik wird das Kompetenzzentrum 3DKeramik konsequent weiterentwickelt. Im Mittelpunkt stehen die Integration Künstlicher Intelligenz (KI) und die Steigerung der Nachhaltigkeit entlang der gesamten Prozesskette der Additiven Fertigung keramischer Werkstoffe.
Das 2019 gegründete Kompetenzzentrum 3DKeramik ist das erste Zentrum für die Additive Fertigung anorganisch-nichtmetallischer Werkstoffe in Rheinland-Pfalz. In der ersten Förderphase bis 2022 bauten das Forschungsinstitut für Glas – Keramik (FGK), die Hochschule Koblenz und die Universität Koblenz eine leistungsfähige Infrastruktur auf und entwickelten umfassendes Know-how im keramischen 3D-Druck. Auf dieser Grundlage setzt 3DKI nun neue Schwerpunkte.
Das im November 2025 gestartete Projekt 3DKI hat eine Laufzeit von drei Jahren. Der bestehende Projektverbund wird dabei um den Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier und die Forschungsgruppe Software Engineering der Universität Koblenz erweitert. Gemeinsam werden KI-gestützte Methoden für Datenmanagement, Prozessoptimierung und Prüfverfahren entwickelt. Ziel ist es, Fertigungsprozesse datenbasiert effizienter zu gestalten und dabei Material-, Energie-, Zeit- und Personalaufwand zu reduzieren. Gleichzeitig werden bestehende Druckverfahren weiterentwickelt und zusätzliche Technologien erschlossen, um die Bandbreite verarbeitbarer Materialien und die Qualität additiv gefertigter Bauteile zu erhöhen.
Mit seiner gebündelten Expertise in Materialentwicklung, Prozessentwicklung, 3D-Druck und Prüfung positioniert sich 3DKeramik als kompetenter Ansprechpartner für Unternehmen und beschleunigt den Transfer innovativer Technologien in die industrielle Anwendung. Der zentrale Standort im CeraTechCenter in Höhr-Grenzhausen bietet dafür ein einzigartiges Umfeld aus Keramikindustrie, Forschung und technologischer Entwicklung.
Aufbau eines Technologiedemonstrators für hybride spektrale Bildgebung – Rotifcam
Das Vorhaben Rotifcam (Rotary Interference Filter Camera) soll zur Weiterentwicklung eines neuartigen, hybriden Kamerasystems dienen, welches erstmals die spektrale Präzision klassischer Punktspektrometer mit dem räumlichen Auflösungsvermögen von Multispektralkameras vereint und damit eine neue Produktkategorie im Markt spektraler Bildgebungssysteme begründen soll. Über zwölf Monate bündelt das Anwendungszentrum für Maschinelles Lernen und Sensortechnologie (AMLS) am Campus Remagen der Hochschule Koblenz unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Bongartz seine langjährige Expertise in der Fernerkundung und der Entwicklung hochspezialisierter Kamerasysteme, um den bestehenden Laborprototyp zu einem validierten Technologiedemonstrator und zukünftigen Produkt weiterzuentwickeln. Das Ziel ist die Auflösung des bislang ungelösten Zielkonflikts zwischen räumlicher und spektraler Auflösung, der den breiten Einsatz bildgebender Verfahren zur Messung der sonneninduzierten Chlorophyllfluoreszenz (SIF) – einem Schlüsselparameter für die frühzeitige Erkennung von Pflanzenstress – bislang verhindert hat. Welche Bedeutung diesem Signal inzwischen beigemessen wird, zeigt sich auch auf europäischer Ebene: Am 15. September 2026 startet mit FLEX (Fluorescence Explorer) die erste ESA-Satellitenmission, die SIF global aus dem All erfassen soll, um den Zusammenhang zwischen Photosynthese und dem weltweiten Kohlenstoff- und Wasserkreislauf besser zu verstehen.
Die Weiterentwicklung des Messsystems bezieht mehrere Ebenen gleichzeitig ein: die Hardwarearchitektur, die Kalibrierungs- und Bildverarbeitungssoftware sowie die Validierung unter realen Feldbedingungen. Auch die perspektivische Integration auf UAV-Plattformen wird dabei mitgedacht. Nur so gelingt es, der Land- und Agrarwirtschaft in Rheinland-Pfalz ein Messsystem zur Verfügung zu stellen, das kostengünstig und damit für den breiten praktischen Einsatz geeignet ist.