Presse Studierende diskutierten mit Ranga Yogeshwar und Tilman Wolff

Wie verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt? Soll künstliche Intelligenz über Leben und Tod entscheiden dürfen? Diese und andere Fragen, die sich aus der rasanten technischen Entwicklung der letzten beiden Jahrzehnte ergeben, diskutiert Peter-Erwin Jansen mit den Studierenden in seinem Ethikseminar. Der Lehrkraft für besondere Aufgaben am Fachbereich Sozialwissenschaften der Hochschule Koblenz ist nun gelungen, sich dazu passend zwei sehr prominente Mitstreiter an den RheinMoselCampus zu holen: Wissenschaftsjournalist und WDR-Moderator Ranga Yogeshwar sowie Autor und Regisseur Tilman Wolff haben sich zwei Stunden lang im AudiMax im Rahmen des Hochschulforums mit über 150 Studierenden zu aktuellen Fragestellungen ausgetauscht.

„Der große Umbruch - Wie Künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft verändert“ lautet der Titel ihres zweiten gemeinsamen Filmprojektes zur Künstlichen Intelligenz, mit dem das Duo Yogeshwar und Wolff in diesem Jahr Furore gemacht hat. Im Rahmen ihrer Gastvorlesung präsentierten die beiden zu bestimmten Themenkomplexen jeweils Ausschnitte aus ihrem Film, gaben dazu ergänzende Erläuterungen und stellten sich den kritischen Fragen der Studierenden. Diese zeigten keinerlei Scheu und genossen es sichtlich, mit den bekannten Wissenschaftlern auf Augenhöhe zu diskutieren.

Ein weiteres interaktives Element stellten die Abstimmungen dar, bei denen die Studierenden per Smartphone-App in Echtzeit ihre Meinung äußern konnten. Dazu gehörte die Fragestellung, ob ein autonom fahrendes Auto bei einem unvermeidbaren Zusammenstoß eher den Erwachsenen oder das in dem Szenario ebenfalls anwesenden Kind totfahren sollte. In diesem Zusammenhang ging Yogeshwar anhand einer Weltkarte auf die geographisch-kulturellen Unterschiede ethischer Wertvorstellungen ein: Während in manchen Ländern deutlich das Kind bevorzugt werde, werde in anderen dem Leben des Erwachsenen mehr Wert zugemessen.

Der erste Themenkomplex drehte sich um die Verbreitung von falschen Nachrichten in sozialen Netzwerken. Die beiden Gastdozenten erläuterten, wie Nachrichten im Zeitalter der Netzwerke entstehen. Justin Jarnoschke, Student im 6. Semester des Studiengangs Soziale Arbeit, stellte die Frage, ob von Algorithmen zusammengestellte Nachrichten nicht emotionsloser und neutraler sein könnten als solche, die reale Reporter für die Empfänger auswählten. In diesem Zusammenhang diskutierten die Anwesenden die Rolle der Medien für die Demokratie. „Aus Massenmedien werden die Medien der Massen“, so Yogeshwar, „durch die sozialen Netzwerke und die damit verbundenen Algorithmen, die uns durch Filterblasen manipulieren, droht sich die Demokratie abzuschaffen. Wir entmündigen uns.“

Im zweiten Themenkomplex zeigten Yogeshwar und Wolff Ausschnitte ihres Films, in denen ein Supermarkt ohne Personal auskommt und Gäste eines Restaurants von Robotern bedient werden. Oleg Emilianov, Student im 7. Semester des Studiengangs Soziale Arbeit, stellte die Frage, welche gesellschaftlichen Folgen es haben könnte, wenn sich der Lebensmittelpunkt „Arbeit“ durch die Digitalisierung verschiebt. Auch eine Neuausrichtung oder gar Neudefinition von Bildung im Zeitalter der Digitalisierung stellte er zur Diskussion. Ranga Yogeshwar betonte die Notwendigkeit eines neuen Gesellschaftsvertrages, um dem sich verschärfenden Verteilungsproblem zu begegnen: „Die Digitalisierung verstärkt die Ungleichheit, sie hilft vor allem der kleinen reichen Minderheit.“

Tobias Sohny, Doktorand im Fachbereich Ingenieurwesen und Mitarbeiter im Digitalen Produktionslabor der Hochschule Koblenz, hob mit seinen Fragen ebenfalls auf den Wandel in der Arbeitswelt ab: Wie können Roboter schwere Arbeit erleichtern? Wie arbeiten Menschen und Roboter gemeinsam? Wie beeinflusst die „Smart Factory“ die Gesellschaft und welche Wettbewerbsvorteile ergeben sich dadurch auf dem globalisierten Markt?

Im abschließenden Themenkomplex Gesundheit kam Tina Vaalsen zu Wort, Studentin der Sozialen Arbeit im 7. Semester. Sie sprach über die Möglichkeit, Routineverfahren in der Diagnose von Krankheiten durch Künstliche Intelligenz effizient abzudecken. Ihr war es wichtig, den Nutzen für die Soziale Arbeit den dabei entstehenden Risiken gegenüberzustellen.

Sowohl die beiden Gastdozenten als auch die Studierenden und vor allem Initiator Peter-Erwin Jansen zogen ein sehr positives Fazit dieser Veranstaltung. „Die beiden Experten haben uns neue Perspektiven vermittelt, die wir in den kommenden Veranstaltungen des Ethikseminars sicher weiter diskutieren werden“, so Jansen.