Presse Demokratie in der Kita - Fachforum für Kita-Fachkräfte im Hambacher Schloss

In der historischen Kulisse des für die deutsche Demokratiegeschichte bedeutsamen Hambacher Schlosses in Neustadt/Weinstraße diskutierten über 100 pädagogische Fachkräfte aus dem südlichen Rheinland-Pfalz zur Demokratiepädagogik und damit Partizipation, Kinderrechten und Beteiligung. Eingeladen zu dem Fachforum hatten das Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit | Rheinland-Pfalz (IBEB) der Hochschule Koblenz und das Bildungsministerium Rheinland-Pfalz.

  • Foto: IBEB

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Der Landrat des Landkreises Bad Dürkheim, Hans-Ulrich Ihlenfeld, wies als einer der Hausherren des Schlosses auf die wechselhafte Bedeutung des Gebäudes hin, in dem 1832 das von 30.000 Personen besuchte Hambacher Fest auf Bürgerrechte, Freiheit, Bildung und europäische Kooperation aufmerksam gemacht hatte. Für das rheinland-pfälzische Bildungsministerium brachte Sissi Westrich, Referatsleiterin im Mainzer Ministerium, die Bedeutung der Demokratie in der Kita auf den Punkt: „Wichtig für eine demokratische Kita ist auch eine Kultur des partizipativen Miteinanders, die den Alltag durchdringt. Eine Kultur, die an den Bedürfnissen der Kinder ebenso orientiert ist wie an den aktuellen Fragen, die die Kinder beschäftigen“.

In ihrer Hinführung zum Thema zeigte Carmen Jacobi-Kirst vom IBEB auf, wie Kinder an Alltagsprozessen beteiligt werden können: „Demokratisch orientiertes Denken und Handeln muss erlernt werden“, es gehe um eine „Erziehung zur Mündigkeit“.

Prof. Dr. Jörg Maywald von der Deutschen Liga für das Kind stellte die Kinderrechte in den Mittelpunkt seines Vortrages. Den notwendigen speziellen Menschenrechten für Kinder als Basis für eine Erziehung zur Demokratie stünde die Verantwortung der Erwachsenen für die kindliche Unversehrtheit gegenüber. Die Macht der Erwachsenen müsse sich stets an dem Wohl des Kindes orientieren. Maywald machte an den Beispielen „Schlafen und Essen in der Kita“ deutlich, dass es hier unterschiedliche Interessen und Bedarfe von Kindern, Familien und Fachkräften gibt. Beim Essen sei es wichtig, dass es klare Grundsätze zur Selbstbestimmung der Kinder geben müsse. Beim Schlafen komme es darauf an, dass sich Fachkräfte und Eltern verständigten, denn gestresste Eltern würden einem Kind auch nicht helfen können.

Praxisbeispiele für das Projekt Religion – Werte – Bildung und gelebte Demokratie in der Kita stellten Rudolf Ehrmanntraut und Sandra Wehrle vom Diakonischen Werk Pfalz und Sandra Reemen von der Kindertagesstätte Sonnenschein aus Kirn vor. Im Projekt des Diakonischen Werkes gehe es um die Verbindung von Freiheit und Verbindlichkeit und die Erfahrung der Würde des Menschen als unbedingten Wert, betonte Ehrmanntraut. Sandra Reemen zeigte an Beispielen aus der Kindertagesstätte auf, was es heißt, als Erwachsene Macht abzugeben und gleichzeitig die Verantwortung zu behalten.

Der Tag in der historischen Kulisse des Hambacher Schlosses endete mit vertiefenden Workshops zu den einzelnen Themen rund um Partizipation und Demokratie für und vor allem mit den Kleinsten. Eine ausführliche Dokumentation der Tagungsreihe Fachforen Demokratiepädagogik in Kindertagesstätten ist ab Ende des Jahres im IBEB (www.ibeb-rlp.de) erhältlich. Dort ist auch der Link zu einem Interview mit Prof. Dr. Armin Schneider (Direktor des IBEB) im Deutschlandfunk Kulturradio vorhanden.