Aktuelles Wissenschaft unterstützt den Wiederaufbau – Hochschulen und Forschungseinrichtungen bauen Kompetenznetzwerk auf

Um die wissenschaftliche Expertise im Land zu Krisenfolgenbewältigung und Wiederaufbau der von der Flutkatastrophe im Juli dieses Jahres betroffenen Gebiete zu bündeln, werden Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen des Landes ein „Kompetenznetzwerk Wissenschaft für den Wiederaufbau“ gründen. Das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit unterstützt die Initiative und lud gemeinsam mit der Hochschule Koblenz zu einem Auftaktworkshop ein. An dem virtuellen Workshop nahmen mehr als 70 Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Landesbehörden und dem Landkreis Ahrweiler teil.

  • Altenahr nach der Flutkatastrophe (Foto: Prof. Dr. Lothar Kirschbauer)

Das Kompetenznetzwerk wird Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Land vernetzen, die mit ihrer Fachexpertise den Wiederaufbau begleiten wollen. Die Forscherinnen und Forscher beabsichtigen damit auch einen Beitrag dazu leisten, dass sich das Ahrtal und die weiteren vom Hochwasser betroffenen Gebiete zu zukunftsfähigen Modellregionen weiterentwickeln. Das Kompetenznetzwerk wird die Zusammenarbeit der Wissenschaft mit den betroffenen Kommunen und Landkreisen sowie mit den Behörden des Landes unterstützen.

„Dass sich ein repräsentativer Teil der Wissenschaftslandschaft unseres Landes zusammengefunden hat, zeigt, wie groß das Engagement unserer Hochschulen und Forschungseinrichtungen für den Wiederaufbau ist“, sagte Wissenschaftsminister Clemens Hoch. Mit dieser Expertise könnten sie einen Beitrag dazu leisten, die großen Zukunftsfragen, die mit dem Wiederaufbau verbunden sind, zu untersuchen, und den Verantwortlichen vor Ort konkrete Unterstützung anbieten. „Wir brauchen die Vorschläge der Wissenschaft, um eine zukunftsfähige Entwicklung der Region zu fördern. Ich unterstütze das Kompetenznetzwerk ausdrücklich“, so der Minister. Prof. Dr. Kristian Bosselmann-Cyran, Präsident der Hochschule Koblenz, begrüßte dieses Engagement: „Wissenschaft kann Antworten finden, wie sich solche grauenhaften Ereignisse in Zukunft zumindest abmildern lassen. Darauf vertrauen nicht nur die betroffenen Menschen. Daher freue ich mich, dass die Politik Kompetenzverbünde wie den unserigen unterstützt.“

Der Workshop bildet den Auftakt eines mehrstufigen Prozesses, in dessen Zuge weitere Veranstaltungen mit und in den betroffenen Landkreisen und Kommunen stattfinden werden. „Die Flutkatastrophe im Juli hat gezeigt, dass wir in Deutschland nicht ausreichend auf die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise vorbereitet sind“, erklärte Wilhelm Schulz, Koordinator wissenschaftlicher Projekte im Aufbaustab der Kreisverwaltung Ahrweiler, „das Kompetenznetzwerk ‚Wissenschaft für den Wiederaufbau‘ kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, kritische Infrastrukturen sicherer wiederaufzubauen und dabei helfen, Industrie, Wirtschaft und private Haushalte krisenfest zu machen."

Von den Ergebnissen des Kompetenznetzwerks können auch andere Regionen profitieren, wie Prof. Dr. Karina Pallagst von der Technischen Universität Kaiserslautern betonte: „Der Wiederaufbau im Ahrtal erfordert koordiniertes Handeln. Von Seiten der Wissenschaft haben wir die Chance, die Aktivitäten mit unserer Expertise zu begleiten. Neben den kurzfristigen Bedarfen sollten wir die mittel- bis langfristigen Gestaltungsaufgaben nicht vergessen: Dabei soll bewusst auch Spielraum für zukunftsorientierte Forschungsthemen eingeräumt werden, die langfristig einen Mehrwert für die Stadt- und Regionalentwicklung des Landes Rheinland-Pfalz erzielen können. Meine Vision für das Ahrtal ist klar: eine Modellregion für resiliente und nachhaltige Kommunal- und Regionalentwicklung.“

Der von den Teilnehmenden als sehr gelungen empfundene Auftaktworkshop machte für alle Beteiligten den Bedarf für und die Mehrwerte eines Kompetenznetzwerkes deutlich, wie Prof. Dr. Lothar Kirschbauer von der Hochschule Koblenz zusammenfasste: „Der Workshop hat gezeigt, wie wichtig der Austausch und die Vernetzung der Wissenschaft untereinander zum Nutzen für das Ahreinzugsgebiet ist.“ Herzstück des Workshops waren vier Breakout Sessions, in denen sich die Teilnehmenden zu bestimmten thematischen Schwerpunkten und Handlungsfeldern austauschten, um gemeinsam eine wissenschaftliche Agenda zur Begleitung des Wiederaufbaus zu erarbeiten. Dabei wurden bereits erste Kooperationen identifiziert und weitere Schritte angedacht. „Für den vorab definierten Bereich ‚Technische Infrastruktur‘ beispielsweise wurden Überlegungen für einen ersten Folgeworkshop konkretisiert, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Hochschulen sich im Zusammenhang mit einem zukunftsfähigen und nachhaltigen Energiekonzept für die Modellregion Ahr vertieft austauschen werden“, berichtete Kirschbauer.