Aktuelles Mathematik für das Leben: Doktorand der Hochschule Koblenz für Angewandte Mathematik ausgezeichnet

REMAGEN/ONTARIO. In nahezu allen Bereichen von Wissenschaft, Wirtschaft und Technik spielen mathematische Modelle und Computersimulationen eine immer wichtigere Rolle. Um die zahllosen Datenströme der digitalen Welt für medizinische, wirtschaftliche und andere wissenschaftliche Fragestellungen nützlich zu machen, müssen geeignete mathematische Algorithmen entwickelt werden. Allerdings sind diese immer komplexer werdenden Modelle auch mit immer stärkeren Unsicherheiten behaftet. Für seinen studentischen Beitrag im SEEDS-Projekt zur Schätzung struktureller Fehler in dynamischen Systemmodellen hat Dominik Kahl, Doktorand der Biomathematik an der Hochschule Koblenz, nun den ersten Preis bei einer internationalen Konferenz für Angewandte Mathematik, Modellierung und Computerwissenschaften (AMMCS) in Ontario, Kanada gewonnen.

  • (von links) Dominik Kahl und Prof. Dr. Maik Kschischo

In Zeiten von „Big Data“ sind Mathematikerinnen und Mathematiker gefragte Experten. Ein Forschungsteam rund um Professor Dr. Maik Kschischo vom RheinAhrCampus der Hochschule Koblenz hatte bereits im Jahr 2017 in Kooperation mit der Universität Bonn eine neue mathematische Methode entwickelt, die es ermöglicht, mit mathematischen Unsicherheiten in komplexen Systemen umzugehen. Die mathematische Methode, das Dynamic Elastic-Net, wurde in der Zeitschrift Nature Scientific Reports veröffentlicht und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit knapp 300.000 Euro bis zum Jahr 2020 gefördert. Um das Ganze theoretisch zu untermauern und computergestützte Methoden zu entwerfen, die das Modell fachrichtungsübergreifend nutzbar macht, wurde damals die Promotionsstelle am Fachbereich Mathematik und Technik ausgeschrieben.

„Besonders in der Medizin unterliegen Daten komplexen Zusammenhängen und Unwägbarkeiten“, erläutert Kschischo die Intention der Forscher, einen Algorithmus zu entwickeln, der trotz Unsicherheiten Vorhersagen möglich macht. Kschischo ist Professor für Biomathematik am Fachbereich Mathematik und Technik der Hochschule Koblenz und Leiter der Studie. Doch der Algorithmus sei keineswegs nur für Biomediziner interessant, sondern für alle, die mathematische Modelle zur Auswertung großer Datenmengen nutzen. So simulieren Ingenieure das dynamische Verhalten von Autos, Meteorologen sagen das Wetter auf der Basis immer ausgefeilterer Modelle hervor, Wirtschaftswissenschaftler nutzen Datenmodelle für die Risiko- und Trendforschung sowie die Produktionssteuerung und die Biomedizin sucht mit mathematischen Modellen nach neuen Wegen, die dynamischen Stoffwechselprozesse in menschlichen Zellen therapeutisch auszunutzen. Wie relevant die Arbeiten der Hochschule Koblenz auch im internationalen Kontext sind, zeigen die Einladungen zu Konferenzen weltweit. So ist Kahl in diesem Jahr noch in Singapur und Washington, um dort die aktuellsten Forschungsergebnisse zu präsentieren.

Am RheinAhrCampus in Remagen werden insgesamt drei anwendungsbezogene mathematische Studiengänge angeboten: Biomathematik, Wirtschaftsmathematik und Technomathematik. Studierende erhalten hier eine solide Mathematik-, Statistik- und Informatikausbildung. Die Studiengänge richten sich an alle Studieninteressierten, die Mathematik nicht nur in der Theorie, sondern auf reale Probleme anwenden und nach Abschluss des Studiums beste Arbeitsplatzaussichten haben möchten.

Welche Rolle besonders die Biomathematik spielt, wurde auch im Rahmen der "Kleine Fächer-Wochen" erkannt. Denn das kleine, zukunftsorientierte Fach - an der Schnittstelle von Mathematik, Medizin und Biowissenschaften - wurde als eines von bundesweit 17 Projekten von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Deutschland gefördert. Unter dem Motto "Biomathematik: Mathematik für das Leben" wird es im Wintersemester eine Ringvorlesung am RheinAhrCampus geben, in der Biomathematikerinnen und Biomathematiker aus ihrem spannenden Arbeitsalltag berichten. Den Auftakt machte am 10. Oktober der Vortrag "Die Rolle der Statistik in der Arzneimittelzulassung " von PD Dr. Norbert Benda vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Informationen zur Biomathematik und der Ringvorlesung finden sich unter www.hs-koblenz.de/biomathe.