Aktuelles Vom Hörsaal in den Chefsessel – einmal anders: Hochschule Koblenz startet Projekt zur Unternehmensnachfolge

KOBLENZ. Mit einem besonderen Weiterbildungsangebot wird die Hochschule Koblenz ab 2022 das nötige Rüstzeug für leichtere Unternehmensübergaben in Familienunternehmen bereitstellen: In einem wettbewerblichen Verfahren hat die Hochschule den Zuschlag des Bundeswirtschaftsministeriums für das Projekt „SUCCESSOR Qualifizieren – Vernetzen – Nachfolge sichern“ erhalten. Gemeinsam mit regionalen Partnern wird die Hochschule im nächsten Jahr ab dem Sommersemester ein Programm zur Qualifizierung und Vernetzung von akademisch qualifizierten Nachfolgerinnen und Nachfolgern umsetzen. Die Umsetzung des Projekts wird durch die Partner Wirtschaftsförderung am Mittelrhein, Wirtschaftsförderung Westerwald, Sparkasse Koblenz und durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz sowie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt.

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Mit dem neuen Zertifizierungsprogramm „SUCCESSOR Qualifizieren – Vernetzen – Nachfolge sichern“ entwickelt die Hochschule Koblenz aktuell ein einzigartiges und innovatives Unterstützungsangebot, um Studierende für die Unternehmensnachfolge in Familienbetrieben zu sensibilisieren, zu qualifizieren und zu vernetzen. Damit ist die Hochschule Teil der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Initiative „Unternehmensnachfolge – aus der Praxis für die Praxis“, die bundesweit 30 Projekte einschließt. Die Förderung richtet sich an Modellprojekte, die innovative Unterstützungsangebote bei regionalen Unternehmensnachfolgen erproben und damit neue kreative Impulse zur Thematik der Unternehmensnachfolge setzen. „Gerade vor dem Hintergrund, dass 1,5 Millionen Inhaberinnen und Inhaber von Unternehmen 55 Jahre oder älter sind, rückt der Diskurs um die geeignete Nachfolge immer mehr in die Öffentlichkeit. Unternehmen werden vor dem Hintergrund des demografischen Wandels immer öfter vor der Herausforderung stehen, frühzeitig zu planen, um eine geeignete Nachfolge zu sichern“, erklärt Prof. Dr. Holger Reinemann aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Koblenz. Dabei müssen sich Unternehmer unter anderem mit den Fragen beschäftigen, ob sie das Unternehmen intern oder extern weitergeben möchten, wie ein geeigneter Nachfolger gefunden werden kann oder wann der geeignete Zeitpunkt zur Übergabe ist. Durch den zeitintensiven Prozess ist die Regelung der Nachfolge essenziell für eine weitere strategische Planung.

Mit Ihrem Ansatz, ein Qualifizierungsprogramm für Nachfolger und Nachfolgerinnen anzubieten, schließt die Hochschule Koblenz einen Bedarf, dem bisher nur wenig Beachtung geschenkt wurde. „Während zur Qualifizierung von Startup-Gründern an Hochschulen eine Vielzahl von Angeboten zur Verfügung stehen, werden potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger aus Hochschulen eher vernachlässigt“, so Muad Khemiri, der das Projekt SUCCESSOR leitet. Nach ersten Schätzungen liege das Potenzial von Nachfolgerinnen und Nachfolgern an Hochschulen derzeit bei etwa 630.000 Studierenden, die über einen unternehmerischen Familienhintergrund verfügen. In den kommenden fünf Jahren werden mindestens 17.000 Akademikerinnen und Akademiker im Nachfolgeprozess die Unternehmensleitung übernehmen. „Für die Hochschule Koblenz zeigen Befragungsergebnisse, dass ungefähr zehn Prozent der Studierenden in ihrem Berufsleben die Leitung eines Familienbetriebs übernehmen werden“, berichtet Khemiri weiter.

„Ohne die Unterstützung unserer Kooperationspartner wäre das Projekt nicht umsetzbar, sie alle bringen Expertise und Kompetenzen in das Projekt ein, die für die Studierenden enorm wichtig sind“, betont Reinemann. Der Fokus des im April 2021 gestarteten Projekts liegt auf einem interdisziplinären Angebot, das die Kompetenzen potenzieller Übernehmer an der Hochschule fördert und insbesondere Studierende der technischen Fächer an Hochschulen einbezieht. Mit der Qualifizierung in der SUCCESSOR-Academy wird ein Zertifikatsprogramm für potenzieller Nachfolgerinnen und Nachfolger entwickelt und soll ab dem kommenden Jahr umgesetzt werden. Besonders vorteilhaft ist, dass Studierende die Module auch in existierende Studiengänge integrieren können. Das Programm zielt auf die Vermittlung von breiten, anwendungsorientierten Kompetenzen, die im Nachfolgeprozess konkret eingesetzt werden können. Neben der Einbettung eines Lehrplans, der den Bedarf der Studierenden trifft, ist ein weiteres Ziel, die Nachfolgerinnen und Nachfolger aus der Hochschule zu vernetzen. Dies soll über den SUCCESSOR-Club erfolgen, in dem ein Netzwerk von Studierenden mit Alumnis etabliert werden soll, die eine Nachfolge bereits angetreten haben.

Kontakt:

Herr Muad Khemiri
Herr Prof. Dr. Holger Reinemann
E-Mail:
successor
Tel.: 0261/9528 1757