360-Grad-Produktion im CAP-Markt Hillscheid

25.02.2026

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Schülerin gestaltet immersive Erfahrung zur Wahrnehmung bei Schizophrenie

Im CAP-Markt Hillscheid fanden die Dreharbeiten für ein ungewöhnliches Medienprojekt statt: Eine Schülerin der Julius-Wegeler-Schule Koblenz aus dem Ausbildungsgang „Gestalterinnen für immersive Medien" produziert im Rahmen ihrer Abschlussarbeit eine 360-Grad-Produktion, die Einblicke in die subjektive Wahrnehmungswelt einer an Schizophrenie erkrankten Person ermöglicht. Die Dreharbeiten sind abgeschlossen; die Produktion befindet sich derzeit in der Nachbearbeitung.

Das Herzstück des Projekts ist ein gezielt inszenierter Supermarkteinkauf, aufgenommen mit 360-Grad-Videotechnik. Betrachtende erleben dabei alltägliche Situationen aus der Ich-Perspektive und können nachvollziehen, wie sich Wahrnehmungsveränderungen, Irritationen und Überlagerungen anfühlen können. Der CAP-Markt Hillscheid wurde als Drehort nicht zufällig gewählt: Marktleiter Herr Zils und sein Team ermöglichten die Dreharbeiten in einem realen und zugleich sensiblen Umfeld. Als inklusiver Arbeitsplatz der Stiftung Scheuern, an dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam arbeiten, verleiht der CAP-Markt dem Projekt besondere Authentizität.

Das Vorhaben ist eingebettet in eine Zusammenarbeit mehrerer Partner. Die Hochschule Koblenz brachte im Rahmen des Projekts „Weitblick in der Sozialen Arbeit (WeSA)" fachliche Perspektiven aus der Sozialen Arbeit ein. Joke Volkmer, Gründerin von SHITzo und selbst seit 2012 mit der Diagnose Schizophrenie lebend, unterstützte das Projekt inhaltlich. Mit SHITzo setzt sie sich dafür ein, Menschen mit Schizophrenie sichtbar zu machen und Aufklärung in die Gesellschaft zu tragen. Die Julius-Wegeler-Schule begleitete die medientechnische Umsetzung durch ihren Ausbildungsgang „Gestalterinnen für immersive Medien".

Die entstehenden 360-Grad-Inhalte werden Teil der Wanderausstellung „SHITzo to go", in der Besucherinnen und Besucher mithilfe von Virtual-Reality-Brillen in subjektive Wahrnehmungswelten eintauchen können. Darüber hinaus soll das Material in Schulen, der beruflichen Ausbildung und der Hochschullehre eingesetzt werden – mit dem Ziel, Gespräche über psychische Gesundheit anzuregen, Vorurteile abzubauen und einen sensibleren Umgang mit Betroffenen zu fördern.

Für die angehende Mediengestalterin stellte das Projekt eine intensive Auseinandersetzung auf mehreren Ebenen dar. Die 360-Grad-Technik erfordert eine besondere Herangehensweise an Raum, Ton und Perspektive, da klassische filmische Mittel nur eingeschränkt nutzbar sind. Gleichzeitig verlangte die sensible Thematik sorgfältige Recherche, enge Abstimmung mit den Kooperationspartnern und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein in der Darstellung. Das Projekt zeigt eindrücklich, wie kreative Medienarbeit, sozialwissenschaftliche Expertise und zivilgesellschaftliches Engagement zusammenwirken können, um komplexe Themen auf neue, zugängliche Weise erfahrbar zu machen.