Flexibilisierung der Lehre

Flexible Lehr- und Prüfungsformate

Am Fachbereich Wirtschaft und Sozialwissenschaften wurden Lehrende iterativ zu ihren Erfahrungen und Einschätzungen in Bezug auf flexible Lehr- und Prüfungsformate sowie Zeitmodelle befragt. Ziel der Studie war es, aktuelle Lehr- und Prüfungsformate sowie Zeit-modelle im Fachbereich zu erfassen und alternative Gestaltungsoptionen zu identifizieren. Die Ergebnisse sollen als empirische Grundlage für die Entwicklung flexibler Lehr- und Lernangebote sowohl für bestehende als auch für geplante duale und klassische Studien-gänge dienen. Insgesamt nahm 80% der Professor*innen und Lehrenden des Fachbereichs an semi-strukturierten Interviews teil. Die Rücklaufquote der Modulverantwortlichen der dualen Studiengänge erreichte 100%. Die Auswertung basierte auf über 1000 codierten Segmenten in MAXQDA und umfasste qualitative Daten von 20 Teilnehmenden und 103 Veranstaltungen. Sie hat damit einen fundierten Einblick in die gegenwärtige Lehrlandschaft des Fachbereichs geboten.
Die Befragung zeigte: Die Lehrenden stehen Veränderungen grundsätzlich offen gegenüber, wünschen sich aber zugleich Kontinuität und Stabilität. Die häufig zitierte Leitidee „Alles muss sich ändern, damit alles bleibt, wie es ist“ bringt diese Haltung prägnant zum Ausdruck. Viele Lehrende sehen sich mit einem Spannungsfeld zwischen innovativen Lehrmethoden und institutionellen Rahmenbedingungen konfrontiert, welches sie aktiv, aber mit Augenmaß gestalten möchten.

Als zentrale Herausforderungen wurden insbesondere drei Dimensionen identifiziert: erstens der zeitliche und organisatorische Aufwand, der mit der Einführung und Pflege neuer Formate einhergeht; zweitens die Heterogenität der Studierenden in Bezug auf Vorwissen, Motivation und digitale Kompetenzen; und drittens die eingeschränkte infrastrukturelle und personelle Unterstützung bei der Implementierung hybrider oder digital gestützter Lehrmodelle.

Hinzu kommen Unsicherheiten im Hinblick auf Prüfungsrecht, Qualitätssicherung und Workload-Verteilung. Die Wünsche der Befragten konzentrieren sich vor allem auf eine verbesserte institutionelle Unterstützung, auf planbare und transparente Rahmenbedingungen sowie auf mehr Autonomie bei der Wahl der Lehr- und Prüfungsformate. Besonders häufig genannt wurden der Bedarf an didaktischer und technischer Beratung, eine stärkere Ver-zahnung von Präsenz- und Online-Lehre sowie eine Entlastung bei administrativen Aufgaben. Zudem äußerten viele Lehrende den Wunsch nach mehr Austauschformaten, um erfolgreiche Lehrkonzepte im Kollegium sichtbar und übertragbar zu machen.

In Bezug auf Umsetzungsideen wurden vielfältige Vorschläge eingebracht. Diese reichen von der Einführung flexibler Zeitmodelle über die Weiterentwicklung kompetenzorientierter Prüfungsformen bis hin zur Etablierung fächerübergreifender Lehrlabore. Besonders her-vorgehoben wurde die Notwendigkeit, studentische Perspektiven systematisch in die Weiterentwicklung der Lehre einzubeziehen.

Insgesamt zeigte die Befragung, dass die Lehrenden des Fachbereichs eine hohe Bereitschaft zur Reflexion und Weiterentwicklung ihrer Lehre aufweisen, zugleich aber klare strukturelle Voraussetzungen für nachhaltige Veränderungen benötigen. Die Erkenntnisse bilden eine wertvolle Grundlage für die zukünftige strategische Entwicklung von Lehr- und Prüfungsformaten und verdeutlichen: Die Lehrenden möchten Veränderung aktiv mitgestalten, im Sinne einer gemeinsamen Verantwortung für eine zukunftsfähige Hochschullehre.

Für eine stärkere Orientierung an den vielfältigen Bedürfnissen der heterogenen Studierendenschaft wurden analoge, hybride und digitale  Lehr- und Lernangebote mit dem Ziel, die Flexibilität und Attraktivität des Studiums zu erhöhen, pilotiert. Vor allem bieten digitale Übungsformate Studierenden vielfältige Möglichkeiten, Aufgaben individuell zu vertiefen  und zu wiederholen, diese zeitlich flexible und ortsunabhängige zu bearbeiten. Entsprechend unterstützen und fördern sie individuelle Lernwege und Lernstile.
Digitale Übungsformate müssen didaktisch gut durchdacht sein. Daher wurden die Lehrenden der Pilotfachbereiche in enger Zusammenarbeit mit dem Teilprojekt „Digitale Lehrkompetenz“ bei der Neukonzeption und Umsetzung innovativer, digitaler Lehrkonzepte beraten und unterstützt. Durch diese unterstützende Beratung wurden OpenOLAT-Kurse konzipiert und weiterentwickelt und digitale Aufgaben über iMathsAS und H5P umgesetzt, welche automatisiertes Feedback und adaptive Übungsformate bieten. 

Entdecken Sie erprobte Lehr- & Lernkonzepte

Seit 2021 wurden in den Pilotfachbereichen innovative Lehr- und Lernkonzepte erprobt, die digitale, hybride und analoge Formate gezielt miteinander verknüpfen. Beispiele wie digitale Selbstlerneinheiten, Flipped-Classroom-Modelle und interaktive Prüfungsformate haben gezeigt, wie Studierende aktiver, individueller und ortsunabhängiger lernen können, während Lehrende ihre Didaktik weiterentwickelten. 

Beispielkurs für digitale Selbstlerneinheiten (OpenOLAT)

Was und wofür: 

Der Beispielkurs in OpenOLAT dient als Inspirationsquelle für Lehrende, die eigene Inhalte und Kurse auf Basis des Flipped-Classroom-Ansatzes erstellen möchten. 
Sie können die Konzepte, Übungen und Materialien des Beispielkurses flexibel übernehmen und an die Bedürfnisse ihrer Studierenden anpassen. Dabei stehen praxisnahe Lehrszenarien im Fokus, die eine aktive Auseinandersetzung mit den Lerninhalten fördern. 
Um die Nutzung des Beispielkurses weiter zu erleichtern, werden regelmäßige Austauschformate angeboten, in denen Lehrende ihre Erfahrungen teilen und sich über bewährte interaktive Aufgaben austauschen können. 
Durch dieses kontinuierliche Feedback wird der Kurs fortlaufend optimiert und weiterentwickelt, sodass er langfristig als Sammlung für eine innovative und flexible Hochschullehre dienen kann.

Bauverfahrenstechnik, Baugeräteliste, Leistungsberechnung, Modul: BBET-2

Dozent: Prof. Dr. Michael Engler

Was: Hybrides Modul zum Thema Bauverfahrenstechnik, Baugeräteliste, Leistungsberechnung

Wie: Das Lehrkonzept integriert Elemente des Flipped-Classroom-Modells im Baubetrieb, um den Lernprozess für Studierende interaktiver und praxisnaher zu gestalten. Dabei kommen Online-Selbstlerneinheiten sowie ein Chatbot zum Einsatz. Lehrvideos vermitteln die theoretischen Grundlagen, die in den Präsenzveranstaltungen anhand von Praxis-beispielen angewendet und diskutiert werden. Dies fördert nicht nur die aktive Reflexion und den inhaltlichen Austausch, sondern trägt auch zu einer nachhaltigen Wissenssicherung bei. Zusätzlich wurde ein Planspiel im Bereich Bauwirtschaft als OpenOLAT-Kurs entwickelt.

Wofür: Die Studierenden können sich flexibel mit den Lehrinhalten auseinandersetzen und diese sowohl zur Vorbereitung auf die Präsenzveranstaltung als auch zur anschließenden Vertiefung nutzen. In der Simulation des Planspiels gründen die Studierenden ein Bauunternehmen und lernen, sich auf dem Bauleistungsmarkt zu behaupten.

Bauentwurf, Konfliktmanagement, Modul: BENT

Dozent: Prof. Dr. Dirk Klöpper

Was: Das Modul „Bauentwurf und Konfliktmanagement“ (BENT) verfolgt das Ziel, nicht nur die fachlichen Kompetenzen zur Erstellung von Bauentwürfen und Bauanträgen zu vermitteln, sondern auch den Umgang mit Konflikten in Teamprozessen zu fördern. 

Wie: Ein zentrales Element bildet dabei die Online-Selbstlerneinheit „Konfliktmanagement“, die es den Studierenden ermöglicht, die theoretischen Grundlagen zeit- und ortsunabhängig zu erarbeiten. Um die Selbstlernphase optimal in das Gesamtkonzept des Moduls zu integrieren, wurde das Flipped Classroom Modell angewendet: Die theoretischen Grundlagen werden in der Online-Selbstlerneinheit erarbeitet und bilden die Basis für eine praxisorientierte Gruppenarbeit in Präsenz.  Die Verzahnung von digitalem Selbststudium und gemeinsamer Arbeit vor Ort fördert eine effizientere Nutzung der Präsenz- und Selbstlernzeiten und ermöglicht eine aktivere Beteiligung der Studierenden. 

Wofür: Erhöhung der Flexibilität bei gleichzeitiger Förderung fachübergreifender Schlüsselqualifikationen 

Wissenschaftliches Arbeiten – Zitierregeln

Dozentinnen: Christina Nill & Leona Pütz

Was: Die Selbstlerneinheit zur Vorbereitung auf Hausarbeiten legt den Fokus auf die korrekte wissenschaftliche Zitation. 

Wie: Studierende lesen vor jeder Sitzung Fachtexte und absolvieren anschließend interaktive Quizze, die in Zusammenarbeit mit der Dozentin entwickelt wurden. Diese Übungen ermöglichen eine praxisnahe Anwendung der Zitierregeln und fördern das Verständnis für wissenschaftliches Arbeiten. 

Wofür: Durch die Integration in die Selbstlernzeit wird eine gezielte Vorbereitung auf die Präsenzphasen sichergestellt, in denen offene Fragen geklärt und vertiefende Diskussionen geführt werden können.

Future Skills for Digital Health

Dozentin: Prof. Dr. Magdalena Stülb

Was: Das Selbstlernmodul „Future Skills for Digital Health“ verfolgt das Ziel, digitale Kompetenzen im Bereich Gesundheits- und Sozialmanagement gezielt und praxisnah zu fördern. Studierende erhalten damit nicht nur Einblicke in die digitalen Entwicklungen im Gesundheitswesen, sondern auch die Möglichkeit, sich gezielt auf die Anforderungen der zukünftigen Berufspraxis vorzubereiten.  

Wie: digitaler Selbstlernkurs zur Identifizierung eigener Kompetenzlücken und gezieltem Kompetenzaufbau in diesen Bereichen. Verknüpfung mit Präsenzlehre zur Reflektion und Vertiefung des Erlernten. 

Wofür: Das Format unterstützt das flexible und individuelle Lernen der Studierenden. 

https://video.hs-koblenz.de/Panopto/Pages/Viewer.aspx?id=ae12a938-a06e-4d6a-beb7-aff60089bb29&query=kudiko 

(vgl. Stülb u. a. 2023).

AL11 - Grundlagen des E-Business

Dozentin: Jennifer Piontek

Was: Für Erstsemesterstudierende des Bachelorstudiengangs Logistik und E-Business wurde ein Flipped-Classroom-Modul als Ergänzung zum Seminar entwickelt, das an bestehende E-Learning-Module anknüpft.

Wie: Der Kurs basiert auf einer Kombination aus Videoinhalten und interaktiven Aufgaben, um das selbstständige Lernen vor der Präsenzphase zu fördern. 
Die Videos vermitteln zentrale Konzepte und werden durch integrierte Abfragen ergänzt, darunter Multiple-Choice-Fragen, Zuordnungsaufgaben und Freitextfragen. Diese interaktiven Elemente ermöglichen eine direkte Wissensüberprüfung und fördern eine aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten.

Wofür: Durch diese Struktur werden die Präsenzzeiten effizienter genutzt, da Studierende gezielt Fragen stellen und ihr Wissen in praxisnahen Diskussionen vertiefen können.

Externe Rechnungslegung und Steuern

Dozent: Prof. Dr. Torsten Wengel

Was: Selbstlerneinheit zur Vertiefung und Prüfungsvorbereitung mit 91 Aufgaben mit automatisierter Rückmeldung (die Umsetzung erfolgte in H5P). 

Wie: Selbstlerneinheit: Die Aufgaben bestehen jeweils aus aufbauenden Multiple-Choice- und Freitextaufgaben mit bis zu über 20 Verschachtelungen, sodass komplexe juristische Text- und Rechenaufgaben kombiniert werden können. 

Wofür: Dieses adaptive System ermöglichte eine strukturierte Wissensvertiefung und unterstützt Studierende gezielt bei der selbstständigen und individuellen Prüfungsvorbereitung. 

TOOLBOX

Dozent: Prof. Dr. Marc Immel

Was: Die TOOLBOX vereint vielfältige digitale Lern- und Wissensinhalte aus unterschiedlichen Fach- und Themengebieten an einem zentralen Ort und verknüpft diese miteinander.

Wie: Die Plattform ist in vier Bereiche unterteilt: Info-Zentrale, Lernumgebung, Mediathek und Ausstattung. 
Die Inhalte werden von Professor*innen, wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen sowie Studierenden erstellt und können von den jeweiligen Autor*innen eigenständig gepflegt und weiterentwickelt werden.

Wofür: Die digitale Plattform richtet sich an Studierende und Lehrende regt zur aktiven Beteiligung sowie zum gegenseitigen Lernen an. Sie umfasst ein breites Spektrum an Inhalten, welche von Lernenden im Rahmen des Selbststudiums als auch von Lehrenden zur Weiterentwicklung didaktischer Ansätze genutzt werden können.