Zwischen Hilfe und Wächteramt: Studierende der Sozialen Arbeit erhalten Einblick ins Jugendamt

04.11.2026

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Holger Wytzes von der Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück-Kreis zu Gast im Erkundungspraktikum der Hochschule Koblenz

  • Vom Antrag bis zum Abschlussgespräch: Holger Wytzes von der Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück-Kreis erläutert den Studierenden der Sozialen Arbeit an einem Fallbeispiel, wie der Allgemeine Soziale Dienst eine Hilfe zur Erziehung plant und begleitet.

    Vom Antrag bis zum Abschlussgespräch: Holger Wytzes von der Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück-Kreis erläutert den Studierenden der Sozialen Arbeit an einem Fallbeispiel, wie der Allgemeine Soziale Dienst eine Hilfe zur Erziehung plant und begleitet. Quelle: HS Koblenz/Roos

Wie ist ein örtliches Jugendamt aufgebaut, und wie sieht die tägliche Arbeit im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) aus? Einen tiefen Einblick in beides hat Holger Wytzes, Leiter der Stabsstelle Planung und Controlling im Dezernat III der Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück-Kreis, zu dem auch das Jugendamt gehört, am Montag, 2. November, rund 30 Studierenden im zweiten Semester des Studiengangs Soziale Arbeit der Hochschule Koblenz gegeben. Der Vortrag war Teil des Erkundungspraktikums im Modul 8.

So ist das Jugendamt im Rhein-Hunsrück-Kreis organisiert

Zum Einstieg zeigte Holger Wytzes, wie das Jugendamt in die Kreisverwaltung eingebunden ist. Anders als andere Ämter ist es nach § 70 SGB VIII zweigliedrig aufgebaut: Neben der Verwaltung steht der Jugendhilfeausschuss, der in Angelegenheiten der Jugendhilfe mitentscheidet. „Das Jugendamt ist etwas Besonderes“, betonte Wytzes. Im Rhein-Hunsrück-Kreis gliedert sich das Jugendamt in zwei Fachbereiche. Zum Fachbereich Soziale Dienste und wirtschaftliche Jugendhilfe gehören unter anderem der ASD, Familien- und Jugendgerichtshilfe, Pflegekinderdienst, Adoption und Eingliederungshilfe; der Fachbereich Familien, Kinder, Jugend und Sport verantwortet unter anderem die Kindertagesstätten. Hinzu kommt die Stabsstelle Planung und Controlling mit Jugendhilfeplanung, Kreisjugendförderung und Jugendhilfe in Schule.

Berufspraxis im Allgemeinen Sozialen Dienst

Im Mittelpunkt stand die Arbeit des ASD. Das Achte Sozialgesetzbuch sei vor allem ein Leistungsgesetz, erläuterte Wytzes: Hilfen beruhen grundsätzlich auf Freiwilligkeit, nur bei einer Kindeswohlgefährdung greift das staatliche Wächteramt. Fachkräfte im ASD bewegen sich damit täglich zwischen Beratung, Hilfe und Kinderschutz.

An einem Fallbeispiel zeichnete Wytzes nach, wie eine Hilfe zur Erziehung entsteht. Auf Anregung der Kita wendet sich eine junge Familie an den ASD, es folgt ein Hausbesuch. Über Antrag, Fachkonferenz, Anfrage beim Träger und Hilfeplangespräch wird eine sozialpädagogische Familienhilfe eingeleitet, regelmäßig überprüft und schließlich fortgeschrieben oder abgeschlossen. Die Fachkraft führt die Gespräche, moderiert die Hilfeplanung und dokumentiert jeden Schritt in der Fallakte.

Deutlich wurde auch, wie eng der ASD vernetzt ist: mit Kitas und Schulen, Familienbildung und Frühen Hilfen ebenso wie mit Gesundheitsamt, Jobcenter und anderen Diensten der Kreisverwaltung. „Am Fallbeispiel konnte ich mir zum ersten Mal richtig vorstellen, wie die Arbeit im ASD konkret aussieht – vom ersten Gespräch bis zum Hilfeplan“, so ein:e Studierende:r im zweiten Semester.

Was das Erkundungspraktikum besonders macht

Das Erkundungspraktikum ist das erste Modul der Theorie-Praxis-Einheiten auf dem Weg zur staatlichen Anerkennung als Sozialarbeiter*in. Ein Semester lang lernen die Studierenden zahlreiche Arbeitsfelder kennen – von der Wohnungslosenhilfe bis zur Straffälligenhilfe, bei öffentlichen wie bei freien Trägern, im Wechsel aus Vorträgen an der Hochschule und Exkursionen in die Praxis. Dabei sind sie nicht nur Zuhörende: Sie moderieren die Termine selbst, führen in Kleingruppen eigene Interviews mit Fachkräften und reflektieren ihre Eindrücke in einem Portfolio.

Nach der Wohnungslosenhilfe, der Suchtkrankenhilfe, der Schulsozialarbeit an der Goethe-Schule Lahnstein und der Beratung im Jobcenter Mayen-Koblenz stand mit dem Jugendamt nun ein öffentlicher Träger der Kinder- und Jugendhilfe im Mittelpunkt. „Im Jugendamt laufen Hilfe, Kinderschutz und Planung zusammen. Hier sehen die Studierenden, wie viel Verantwortung Soziale Arbeit in der Kommune trägt“, sagt Daniel Roos, Lecturer im Fachbereich Sozialwissenschaften. Die Hochschule Koblenz dankt Holger Wytzes und der Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück-Kreis herzlich für den tiefen Einblick in die Berufspraxis des ASD und die Organisation des örtlichen Jugendamtes.

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