Von der Bachelorarbeit zur IEEE-Publikation
22.10.2026
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KOBLENZ/ANDERNACH. Aus einer praxisnahen Bachelorarbeit ist ein internationaler wissenschaftlicher Beitrag entstanden: Simon Neckenig entwickelte bei thyssenkrupp Rasselstein in Andernach ein Konzept für die strukturierte Bereitstellung industrieller Daten in einem sogenannten Unified Namespace (UNS). Betreut wurde seine Bachelorarbeit von Prof. Dr. Wolfgang Kiess und Hendrik Solscheid von der Hochschule Koblenz. Simon Neckenig führte die Ergebnisse seiner Bachelorarbeit anschließend weiter. Gemeinsam mit seinen damaligen Betreuern überführte er sie in die wissenschaftliche Veröffentlichung „A Systematic Naming Convention for a Unified Namespace in a Real-World Production System“. Die Autoren stellten den Beitrag am 19. Oktober auf der IECON 2026 vor. Die IECON ist die jährliche internationale Leitkonferenz der IEEE Industrial Electronics Society und befasst sich mit aktuellen Entwicklungen der industriellen Elektronik, Automatisierung und Informatik. Die 52. Ausgabe fand vom 18. bis 21. Oktober 2026 in Doha statt. Aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage nahmen die Autoren online teil.
Einheitliche Struktur für Daten in der Produktion
Moderne Produktionsanlagen erzeugen Daten in zahlreichen Systemen – von Sensoren und Maschinensteuerungen bis hin zu Produktions- und Unternehmenssoftware. Bauen Unternehmen für neue Anwendungen jeweils individuelle Schnittstellen auf, entstehen schnell komplexe und schwer wartbare Strukturen. Ein Unified Namespace verfolgt einen anderen Ansatz: Daten werden in einem gemeinsamen Informationsraum bereitgestellt und nach einer einheitlichen Logik beschrieben.
Die von Neckenig erarbeitete Naming Convention orientiert sich an der etablierten ISA-95-Struktur und erweitert diese für den Einsatz in modernen, heterogenen Produktionsumgebungen. Sie ordnet Daten über mehrere Ebenen, vom Unternehmen und Funktionsbereich bis hin zu einzelnen Geräten und Variablen. So bleiben Herkunft und Kontext nachvollziehbar. Technische Grundlage ist das in industriellen IoT-Anwendungen verbreitete MQTT-Protokoll.
Im realen Produktionsumfeld erprobt
Der besondere Wert der Arbeit liegt in ihrem unmittelbaren Praxisbezug. Das Konzept wurde für die Produktionsumgebung von thyssenkrupp Rasselstein entwickelt und dort produktiv umgesetzt. Der im Paper beschriebene Unified Namespace ist schon seit Juli 2025 am Standort in Andernach im realen Einsatz und umfasste zum Zeitpunkt der Auswertung mehr als 100 Clients in über 35 Anwendungsfällen. In Belastungstests zeigte die Infrastruktur erst bei mehr als einer Million Nachrichten pro Minute eine deutliche Annäherung an ihre Leistungsgrenze. Die zusätzliche Kontextualisierung der Daten hatte dabei nur geringe Auswirkungen auf die Netzwerkleistung.
Nach Abschluss seines Bachelorstudiums blieb Simon Neckenig im Unternehmen und entwickelt die Ergebnisse seiner Arbeit dort weiter. Die Publikation macht diese industrielle Entwicklungsarbeit nun auch für die internationale Fachöffentlichkeit sichtbar.
Wissenschaftliche Begleitung und Transfer
„Das Besondere an dieser Arbeit ist, dass Simon Neckenig eine konkrete technische Herausforderung im Unternehmen aufgegriffen und daraus eine Lösung entwickelt hat, die direkt im realen Produktionsumfeld eingesetzt wird. Für uns als Hochschule ist es sehr erfreulich, eine solche Entwicklung wissenschaftlich begleiten zu können und die gewonnenen Erkenntnisse gemeinsam in die internationale Fachcommunity zu tragen. Gleichzeitig sollen die Ansätze auch in der Lehre aufgegriffen und damit für die nächste Generation von Studierenden verfügbar gemacht werden“, so Prof. Dr. Wolfgang Kiess, Professor am Fachbereich Ingenieurwesen der Hochschule Koblenz.
Die Veröffentlichung fügt sich in die langjährige Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Koblenz und thyssenkrupp Rasselstein ein. Über das Projekt DigiMit² – Kompetenzzentrum digitale Technologien Mittelstand besteht ein regelmäßiger Austausch zu digital getriebenen Innovationen: Der DigiTruck war in den vergangenen Jahren bei internen Digitaltagen des Unternehmens vertreten, Hendrik Solscheid hospitierte 2026 beim internen Hackathon, und Kai Flöck von thyssenkrupp Rasselstein stellte in der Veranstaltungsreihe „KI am Feierabend“ die Digitalisierungs- und KI-Strategie des Unternehmens vor. Diese Zusammenarbeit und die Publikation zeigen beispielhaft, wie anwendungsnahe Forschung praxisnahe Innovationen hervorbringt, die zugleich international publiziert werden.
Publikation: Simon Neckenig, Hendrik Solscheid, Wolfgang Kiess: „A Systematic Naming Convention for a Unified Namespace in a Real-World Production System“, IECON 2026.
