Hochschule Koblenz stärkt Vereinsforschung: Sportentwicklungsbericht 4.0 schafft neue Perspektiven
16.09.2026
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KOBLENZ/ REMAGEN. Wie entwickeln sich Sportvereine in Deutschland? Welche Faktoren beeinflussen ihren Erfolg? Und wie können wissenschaftliche Erkenntnisse Vereine und Verbände unmittelbar bei ihrer Arbeit unterstützen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Verbundforschungsprojekt „Sportentwicklungsbericht: Fakten und Analysen zum organisierten Sport – SEB 4.0“. Die Hochschule Koblenz hat für das Verbundprojekt, das von Prof. Dr. Lutz Thieme, Professor am Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften am Campus Remagen, geleitet wird, Forschungsmittel in Höhe von 1,3 Millionen Euro eingeworben. Das vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) und allen Landessportbünden geförderte Forschungsprojekt wird gemeinsam mit der Technischen Universität Chemnitz, der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und der IST-Hochschule für Management Düsseldorf durchgeführt.
Bessere Daten für bessere Entscheidungen
Der Sportentwicklungsbericht liefert seit mehr als zwei Jahrzehnten wichtige Daten über den organisierten Sport in Deutschland. Mit dem SEB 4.0 soll dieses Wissen erweitert und besser nutzbar gemacht werden. Vereine und Verbände sollen deutlicher erkennen können, wo sie stehen, welche Entwicklungen sich abzeichnen und wo Handlungsbedarf besteht.
Dafür werden unterschiedliche Datenquellen miteinander verknüpft, um Zusammenhänge zwischen den Erfahrungen von Menschen, den Strukturen von Vereinen und gesellschaftlichen Entwicklungen genauer zu untersuchen. Auch regionale Unterschiede und die gesellschaftlichen Wirkungen des Sports sollen stärker in den Blick genommen werden. „Wir möchten besser verstehen, warum sich Sportvereine positiv oder negativ entwickeln. Das neue Berichtssystem soll insgesamt flexibler auf gesellschaftliche Entwicklungen und neue Fragestellungen reagieren können und Entscheidungsträgern Handlungswissen bereitstellen“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Lutz Thieme.
Von Rheinland-Pfalz nach Deutschland
Eine wichtige Grundlage bilden Erfahrungen aus der langjährigen Zusammenarbeit der Hochschule Koblenz mit dem Sportbund Rheinland. Gemeinsam entwickelte Konzepte, die wissenschaftliche Erkenntnisse direkt für die Vereinsarbeit nutzbar machen, wurden vom Rheinland bereits auf ganz Rheinland-Pfalz übertragen. Diese Ansätze sollen nun im SEB 4.0 für Deutschland weiterentwickelt werden. „Wir haben zum Beispiel gemeinsam das Vereinsdashboard für unsere Mitgliedsvereine entwickelt und darin Daten aus dem Sport und aus Vereinsbefragungen mit Daten der allgemeinen Statistik verknüpft“, sagt Barbara Berg, Leiterin der Management-Akademie des Sportbunds Rheinland.
Die aufbereiteten Informationen ermöglichen es, Beratungsangebote gezielter auf einzelne Vereine abzustimmen und Entwicklungen im Vergleich zu anderen Vereinen besser zu erkennen. Die Idee wird inzwischen auch außerhalb von Rheinland-Pfalz eingesetzt und unter anderem gemeinsam mit dem Landessportbund Niedersachsen erprobt.
SEB-Warehouse als zentrale Datenbasis
Ein wichtiger Baustein beim SEB 4.0 ist der Aufbau eines SEB-Warehouse. Dort werden unterschiedliche Daten systematisch gespeichert, dokumentiert und für wissenschaftliche Analysen aufbereitet. Grundlage bilden unter anderem drei Erhebungswellen von Vereins- und Mitgliederbefragungen. Zugleich soll das Warehouse für weitere Datenquellen offen sein – etwa zu Sportstätten oder individuellen Bewegungsdaten. Durch eine sorgfältige Dokumentation können perspektivisch auch andere Forschungsgruppen mit den erhobenen Daten arbeiten.
Neue Möglichkeiten für Analyse und Praxis
Die Ergebnisse sollen über ein SEB-Dashboard zugänglich werden. Während das SEB-Dashboard zentrale Entwicklungen im organisierten Sport sichtbar macht, erhalten Vereine Informationen, die auf ihre konkrete Situation zugeschnitten sind. Moderne statistische Verfahren ermöglichen es, Entwicklungen über mehrere Jahre zu verfolgen und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ebenen zu untersuchen. „Wir wollen einen interaktiven Forschungsprozess schaffen“, beschreibt Prof. Thieme den Ansatz.
Für die Sportvereinsforschung entsteht eine moderne und flexible Grundlage, die wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Praxis bringt und Vereine, Verbände und Sportpolitik bei fundierten Entscheidungen unterstützt.
Über den Sportentwicklungsbericht
Der Sportentwicklungsbericht (SEB) untersucht seit mehr als zwei Jahrzehnten die Situation und Entwicklung des organisierten Sports in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Sportvereine und ihre Rahmenbedingungen. Der SEB 4.0 entwickelt dieses Berichtssystem methodisch und technisch weiter und verbindet unterschiedliche Datenquellen, moderne Analysemethoden und praxisorientierte Instrumente.
