Hochschule Koblenz erhält Förderung für KI-Forschung zur Überprüfung digitaler Prozesse
18.06.2026
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Ziel des Projekts ist die Entwicklung neuer KI-basierter Methoden zur automatisierten Konformitätsprüfung von Prozessen. Die Hochschule Koblenz erhält für zwei Jahre eine Förderung in Höhe von 240.000 Euro. Das Projekt startet am 1. Juli 2026 für zwei Jahre.
KI-gestützte Analyse von Prozessabweichungen
Untersucht wird, wie sich Abweichungen von vorgegebenen Soll-Prozessen erkennen lassen und wie kritisch diese für den Gesamtprozess sind. Einsatzbereiche reichen von öffentlicher Verwaltung und Gesundheitswesen bis hin zum Finanzsektor und der IT-Sicherheit. Im Zentrum des Forschungsvorhabens steht ein neuartiger, kontextabhängiger Ansatz zur Bewertung von Prozessabweichungen. Während bestehende Verfahren Abweichungen meist nur lokal betrachten, soll im Projekt „KIP“ erstmals der gesamte Prozesszusammenhang berücksichtigt werden. Dadurch lassen sich kritische Fehler realistischer bewerten.
Process Mining als Forschungsgrundlage
Das Projekt bewegt sich im Forschungsfeld „Process Mining“. Dabei werden digitale Prozessdaten analysiert, um nachvollziehen zu können, wie Prozesse in der Praxis tatsächlich ablaufen und an welchen Stellen sie von vorgegebenen Abläufen abweichen. Ein Beispiel aus dem Finanzsektor macht die Problemstellung deutlich: Ein Kreditantrag wird genehmigt, obwohl notwendige Prüfschritte noch ausstehen. Besonders kritisch ist eine solche Entscheidung, wenn diese Prüfungen später negativ ausfallen. Genau solche Zusammenhänge können bestehende Verfahren bislang nur unzureichend berücksichtigen.
„Mit dem Projekt möchten wir einen Beitrag dazu leisten, KI-gestützte Prozesse transparenter, sicherer und verlässlicher zu machen“, erklärt Prof. Dr. Wied Pakusa von der Hochschule Koblenz. „Gerade in stark regulierten Bereichen wird die automatisierte Überprüfung von Prozessen zunehmend unverzichtbar.“
Technisch kombiniert das Projekt Methoden der Künstlichen Intelligenz und des Maschinellen Lernens mit mathematischen Optimierungsverfahren. Die entwickelten Verfahren sollen anschließend in die etablierte Open-Source-Bibliothek „pm4py“ integriert werden, die im Bereich Process Mining international genutzt wird.
Relevanz für Forschung, Praxis und Lehre
Die Lehre profitiert unmittelbar von den Forschungsergebnissen: Studierende der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge Künstliche Intelligenz an der Hochschule Koblenz können die entwickelten Methoden künftig in Praktika, Abschlussarbeiten und Projekten anwenden. Der KI-Rechencluster des Fachbereichs bietet hierfür eine leistungsfähige technische Infrastruktur. Thematisch ist das Vorhaben an den neuen Promotionscluster „Angewandte Informatik“ des Landes Rheinland-Pfalz angebunden.
Perspektivisch werden die Forschungsergebnisse insbesondere für Anwendungen im Gesundheitswesen, im Finanzsektor, in der öffentlichen Verwaltung, der Industrie sowie im Bereich der IT-Sicherheit relevant sein – überall dort, wo Prozesse regelkonform, nachvollziehbar und sicher ablaufen müssen.
Assoziierte Partner aus Wissenschaft und Praxis
In die Forschungsarbeiten eingebunden sind zudem assoziierte wissenschaftliche und praxisnahe Partner: die RWTH Aachen University mit dem Lehrstuhl Process and Data Science von Prof. Dr. Wil van der Aalst, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie die Process Intelligence Solutions GmbH, ein Fraunhofer-Spin-off und Hauptentwickler der Open-Source-Bibliothek pm4py. Die Partner unterstützen das Projekt fachlich und durch den Austausch von Anwendungs- und Forschungswissen.
Mit dem Förderprogramm „CZS Forschungsstart“ unterstützt die Carl-Zeiss-Stiftung Hochschulen beim Aufbau neuer Forschungsfelder und bei der Profilbildung in zukunftsrelevanten Wissenschaftsbereichen.
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