Experience Reports Martin Leupold at St. Edward´s University, Austin, USA

St. Edward's University Austin/Texas

Ein Semester im Ausland und dann auch noch in den USA an der St. Edward's University in Austin/Texas. Ein Traum und doch so einfach zu verwirklichen. Damit es nicht am Geld scheitert, sollte man sich allerdings schon eine Weile vorher anfangen Gedanken zu machen, wie man das Ganze finanzieren will. Ob Stipendium oder Auslands-BaföG - es ist immer noch eine Menge Geld, das man selbst investieren muss. Wieviel? Das liegt an jedem selbst, aber einige Dinge muss man auf jeden Fall einplanen. Um einen kleinen Anhaltspunkt zu geben, habe ich in diesem Bericht mal versucht, die wichtigsten Kostenfaktoren zu beleuchten. Aber schon mal vorweg genommen: Der Aufenthalt in Amerika war jeden einzelnen Cent wert und ich würde es jederzeit wieder tun.

Die Frage

„Wie viel hast Du denn so ausgegeben insgesamt für das Semester in Amerika?“ Diese Frage taucht garantiert in jedem Gespräch auf, in dem es um den Auslandsaufenthalt an der St. Edward's University in Texas geht. Und genau so garantiert ist jedes Mal wieder das lange Gesicht, wenn eine Summe genannt wird. Dabei ist das gar nicht so schlimm, wenn man sich mal vor Augen führt, in welchem Zeitraum und vor allem wofür man so viel Geld ausgegeben hat. Vier Monate Spaß, Erfahrungen, neue Freunde, eine fremde Kultur und Erinnerungen fürs ganze Leben. Es ist jeden Cent wert gewesen du jeder der nach mir geht, kann sich meines Neides sicher sein.

Das Mindeste

Es gibt ein paar Kosten, um die man auf keinen Fall herumkommt. Wohnen, Verpflegung und Bücher und da kann man auch nicht wirklich viel beeinflussen.

Studien- und Einschreibegebühren

Hier gibt es gleich schon mal ne gute Nachricht: Es fallen keinerlei Gebühren für Studium, Einschreibung oder Orientation Week an. Lasst Euch nix anderes erzählen, weil die Leute im Finanzial Office wissen manchmal selbst nicht so genau, was sie berechnen dürfen und was nicht. Manchmal fallen zusätzlich Kosten für diverse Kurse (Tauchen zum Beispiel) an, aber auch diese werden im Regelfall von dem Austauschprogramm abgedeckt. Alles in allem werden einem so an die 8000 US-Dollar an Studiengebühren erlassen.

Die Unterkunft

Eigentlich kommen Erstsemester (Freshmen) und Austauschstudenten (Internationals) fast immer nach Premont Hall bzw. Doyle Hall. Diese beiden Wohnheime (Dorms) stehen direkt beieinander und sind nach dem Main Building so ziemlich das Älteste, was der Campus an Gebäuden zu bieten hat. Nicht gerade luxuriös oder gar schön, so kann man es doch darin aushalten (ehrlich gesagt, hatte ich mich nach zwei Tagen dran gewöhnt und hätte es auch noch viel länger ausgehalten als vier Monate) und es sind die preiswertesten Unterkünfte an der St. Eds. Bezieht man ein Zimmer mit einem Mitbewohner (Roommate), so kostet es aktuell 1400 US Dollar pro Semester. Das hört sich erst mal viel an, ist aber inkl. Strom, Putzfrau und Internet mit 350 US - Dollar pro Monat gar nicht so teuer. Ein WG Zimmer in Remagen kostet warm das gleiche und von Bonn oder Koblenz ganz zu schweigen.

Die genauen Kosten für Unterkünfte an der St. Eds findet ihr auf der Homepage.

Verpflegung

Da Internationals wie Freshmen eingestuft werden, müssen auch sie am Anfang des Semesters einen so genannten Meal Plan kaufen. Der Meal Plan kann für die Mensa (Dining Hall) sowie das Coffeehouse verwendet werden. Dining Hall und Coffeehouse sind von Montag bis Sonntag geöffnet. Ein Meal Plan ist eine Art Vorauszahlung für die Verpflegung. Der Studentenausweis (eine Plastikkarte) wird als Zahlungsmittel verwendet und am Semesteranfang mit 1250 USD aufgeladen. Diese 1250 USD isst und trinkt man dann über das Semester nach und nach runter. Keine Angst, dass das Geld nicht alle wird. Wenn man sieben Tage die Woche zwei-, drei- oder viermal dm Tag da essen oder trinken geht, schwindet das Geld schneller, als einem lieb ist. Mein Meal Plan war nach drei Monaten leer...

Reisekosten

Dazu kann ich nur eines raten: So frühzeitig wie möglich kümmern. Je zeitiger, desto billiger die Flüge. Im Schnitt ist mit 800 bis 1000 Euro zu rechnen. Ich hatte das Glück, dass sich die Mitarbeiter in meinem Reisebüro buchstäblich überschlagen haben, um mir den günstigsten Flugpreis rauszusuchen. Also nicht locker lassen und lieber bei mehreren Anbietern Angebote einholen, denn das kann durchaus einen Unterschied von 100 bis 200 Euro machen.

Bücher

Also, wenn man eines nicht vergleichen kann, so sind es die Preise für Bücher. Für jede Vorlesung ist normalerweise auf jeden Fall ein bestimmtes gefordert und ist meistens auch nicht billig. Zwischen 70 und 120 USD pro Buch ist leider Realität. Wer frühzeitig zum Bookstore am Campus geht hat normalerweise Glück und kann gebrauchte Exemplare erstehen, die dann um 25% billiger sind. Also schnell sein... Auf jeden Fall sollte man so 300 USD für Bücher einplanen und noch mal 20 USD für Blöcke und Hefter, es sei denn man hat die Sachen aus Deutschland mitgeschleppt (nicht zu empfehlen).

Telefon und Co

Telefonieren ist in den USA so eine Sache, da es keinen großen Anbieter gibt, wie in Deutschland, sondern viele kleine. Jedes Zimmer an der St. Eds ist mit einem Telefonanschluß ausgestattet, allerdings muss ein Telefon selbst besorgt werden. Meistens haben die amerikanischen Roommates eins dabei, das man auch mitbenutzen kann und ansonsten gibt es bei Walmart oder in jedem Supermarkt Telefone ab 10 US-Dollar.

Das Telefonieren selbst erfolgt über eine Art PrePaid-System, mittels Telefonkarten, die man überall kaufen kann. Es gibt Karten von 5 bis 20 oder mehr Dollar mit verschiedenen Tarifen für In- und Auslandsgespräche. Einfach das Verkaufspersonal nerven, was das günstigste für ein Telefonat nach Deutschland ist. Mit einer $10 Karte kann man ca. 2- 3 Stunden Telefonieren, je nach Tageszeit und Anbieter.

Aber zum Glück gibt es ja auch noch E-Mail und da die PC-Benutzung an der SEU kostenfrei ist, können natürlich auch jede Menge E-Mails verschickt werden. Chatten über ICQ oder AOL ist auch möglich und spart ne Menge Geld. Internetanschluss liegt übrigens auf jedem Zimmer und ist natürlich auch kostenfrei nutzbar. Wer also einen Laptop besitzt, tut gut daran, diesen mit auf die Reise zu nehmen.

Der Rest

Der Rest ist ziemlich einfach. Naja, vielleicht doch nicht… Prinzipiell bestimmt ja jeder selbst, wie viel er/sie noch an Geld ausgibt, aber wenn man was erleben will, hat man wohl keine Wahl.

Nachtleben

Eintrittpreise in Clubs liegen in der Regel bei 5 bis 10 US-Dollar. In einige Clubs kommt man in der Woche auch umsonst rein. An verschiedenen Tagen gibt es Drinks für $ 1,00 oder Happy Hours. Normale Preise für (geschmackstechnisch zweifelhaftes) amerikanisches Bier in der 0,33 Liter Flasche liegen bei $ 2,00 bis $ 2,50. Longdrinks und Cocktails sind für $ 4,00 bis $ 6,00 zu haben. Im Großen und Ganzen unterscheiden sich die Preise für Ausgehen nur geringfügig von denen in Deutschland.

Allerdings gibt es auch viel zu Erleben und zu sehen. Speziell in Austin, das sehr liberal und offen ist, trifft man eine Menge verrückter Leute und kann sehr viel Spaß haben. Getrübt wird das Nachtleben lediglich von den regelmäßigen Prügeleien, aus denen man sich besser heraushält. Die Polizei ist nicht zimperlich mit Streithähnen und lässt diese schnell mal eine Nacht in der Zelle verbringen.

Leider ist in Texas ab 1:00 Uhr morgens Schließstunde und die Bars verkaufen ab dann keinen Alkohol mehr. Viele Clubs haben länger offen, aber dann ist auch nicht mehr wirklich viel los. Die meisten Bars leeren sich nach der Schließstunde sehr schnell und das Nachtleben geht auf Privatparties weiter.

Essen gehen

Essen ist leider sehr teuer, es sei denn, man hat nichts gegen Fast-Food. Mc Donalds, Burger King, Danny’s, Wendy’s, Karls Junior, Jack in the Box und wie sie alle heißen, sind typische Burger-Restaurants und überall zu finden. Dazu kommen noch diverse Pizza-Schnellrestaurants und amerikanische Diners, wie Fridays oder XXX. Wer jedoch richtig schick (fancy) Essen gehen will, muss mit gesalzenen Preisen rechnen. Zwischen 10 und 20 US-Dollar für ein normales Gericht sind normal. Allerdings ist das nicht wirklich notwendig, denn Fast-Food ist nun mal typisch amerikanisches Essen und man gewöhnt sich schnell daran.

Zu empfehlen sind die in Texas weit verbreiteten mexikanischen Restaurants. Meist preiswert und fast immer sehr lecker.

Shopping

Achtung! Shoppingsüchtige und Fashion-Victims sollten nicht nach USA fliegen, es sei denn, sie haben entsprechende Kontostände. Klamotten, Schuhe und Accessoires sind in den Outlet-Centern und selbst in den normalen Einkaufszentren (Malls) so billig, dass man gar nicht mehr aufhören will, einzukaufen. Vor allem die großen amerikanischen Marken, wie Tommy Hilfiger, Ralph Lauren und so weiter, sind wesentlich preiswerter zu haben als in Deutschland.

Bookstore

Der campuseigene Bookstore ist zwar keine sehr große Einkaufsmöglichkeit, aber eine verführerische. Hier gibt es alles was das Herz begehrt mit dem Logo von St. Eds. Blöcke, Stifte, Ledermappen, Hosen, Shirts, Hemden, Jacken, Babysachen, Mützen, Ringe, Uhren und was nicht alles. Das Problem an der Sache ist nur, dass man sehr leicht von der amerikanischen Corporate Identity Denkweise angesteckt wird und sich dann doch das eine oder andere kauft. So ziemlich jeder Student hat T-Shirts und andere Sachen von St. Edwards.

Ich habe an Texas nur sehr positive Erinnerungen. Nette Leute, nettes Land, verrückte Erlebnisse und was ich an Geld ausgegeben habe, will ich ehrlich gesagt gar nicht genau wissen. Vieles hätte nicht sein müssen, aber warum drauf verzichten?

Also kann ich nur eines sagen: Nix wie hin und viel Spaß!
Martin Leupold