Larissa Verkhovska at the Saxion University of Applied Sciences, Netherlands.

Experience report about my semester abroad at the Saxion University of
Applied Sciences in Enschede, Netherlands.

Im Rahmen meines Studienganges Logistik und E-Business habe ich die Wahl das
Praxissemester in Form eines Auslandssemesters oder Praktikums zu absolvieren. Nach
einigen Überlegungen entschied ich mich für das Semester im Ausland. In meinen Augen
bietet ein Auslandssemester viele Vorteile: Ich erhoffte mir dadurch mein Horizont zu erweitern
und neue, internationale Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln. Während der Zeit im
Ausland wollte ich neue Kulturen kennen lernen, neue Freundschaften aus aller Welt knüpfen
und lernen, besser mit ungewohnten Situationen umzugehen. Zusätzlich wollte ich meine
Sprach- und interkulturellen Kompetenzen ausbauen und insbesondere mein Englisch
verbessern.


Ich entschloss mich also ein Semester im Ausland über das Erasmus Programm
durchzuführen. Ich schaute mir die auf der Internetseite meiner Heimathochschule die große
Auswahl an Partnerhochschulen an. Das Erasmus Programm bietet den Vorteil, dass die
Studiengebühren an Partneruniversitäten erlassen werden, die man normalerweise zahlen
müsste. Nach langen Überlegungen und das Abwägen von Vor- und Nachteilen entschied ich
mich das Auslandssemester im benachbarten Land, Niederlande, an der Saxion University of
Applied Sciences in Enschede zu absolvieren.


Besonders ansprechend an der Partnerhochschule Saxion fand ich die Möglichkeit eines
Smart Solution Semesters. Das ist ein Forschungs- und Entwicklungssemster, bei dem
Innovation, Kreativität und Zusammenarbeit im Mittelpunkt stehen. Während dieses
Semesters arbeiten Studierende verschiedener Studiengänge gemeinsam in Projektteams an
einer Forschungsaufgabe. Mir hat gefallen, dass es sich um kleine Gruppen handelt, mit ca.
sechs bis acht Studierenden und das Projekt einen hohen praktischen Anteil besitzt. Ich habe
es als Chance gesehen, mein theoretisches Wissen direkt in Praxis umzuwandeln. Das
sogenannte problembasierte Lernen gibt mir die Möglichkeit, meine Soft Skills zu entwickeln
und bereitet mich einen Schritt weiter auf mein zukünftiges Arbeitsleben vor.


Nachdem ich die Entscheidung über das Zielland getroffen habe, widmete ich mich den
organisatorischen Angelegenheiten. Im ersten Schritt habe ich bei meiner Heimatuniversität
um einen Erasmusplatz beworben. Ich musste dafür ein Motivationsschreiben, sowie
Lebenslauf einreichen und meine Erstwahl der Wunschuniversität angeben. Schnell habe ich
eine Zusage erhalten und wurde bei der Partneruniversität gemeldet. Die Beauftragte der
Partneruniversität hat mir daraufhin eine E-Mail geschickt, mit Informationen wann und wo ich
mich anmelden muss und welche Unterlagen noch von mir benötigt werden. Außerdem habe
ich kurze Zeit Später auch eine Liste mit verfügbaren Projekten bekommen, auf die ich mich
bewerben kann (es gibt ebenfalls die Option Kurse in Form von Vorlesungen zu belegen, aber
ich habe mich sofort entschlossen das Smart Solution Semester zu belegen). Die Auswahl an
Projekten war umfangreich, und für jeden was dabei. Ich konnte meine drei Wunschprojekte
angeben und bekam letztendlich das Projekt namens „Innovative Retail and Concepts“. Kurz
und knapp gesagt war unsere Aufgabe die niederländische Stadt Zutphen in Bezug auf
technologische Innovationen zu verbessern und gastfreundlicher zu gestalten. Während des
Projektes war die zentrale Frage ob Zutphens Identität durch die Entwicklung technologisch
innovativer Einzelhandelskonzepte und die Reaktion auf, die sich ändernden Bedürfnisse
verschiedener Kundengruppen gestärkt werden kann. Zudem wurde die Frage gestellt wie die
Qualitäten der sogenannten „Staationsstraat“ (Hauptstraße, die als Verbindung zwischen
Bahnhof und Innenstadt dient) gestärkt werden können, dass die Attraktivität der Innenstadt
für ihre Gäste steigt.


Vor der Abreise muss man sich unbedingt um einen Wohnheimplatz oder ein WG-Zimmer
kümmern. Von der Universität aus gibt es ein Studentenwohnheim, welches im Zentrum der
Stadt, nur 2 Minuten weit entfernt vom Campus liegt. Dort hat jeder sein eigenes Zimmer und
man teilt sich mit ca. 5 anderen Studenten eine Küche und Badezimmer (das Zimmer kostet
450 Euro). Das Studentenwohnheim hat den Vorteil, dass man ständig anderen Studenten
über den Weg läuft, so lernt man immer neue Leute kennen und ist nie allein. Abends
versammeln sich meistens alle in den Küchen zum Plaudern und Kennenlernen.


Als Student aus Deutschland hat man außerdem hohe Chancen ein WG-Zimmer zu finden. Es
ist empfehlenswert mit der Suche früh genug zu beginnen. Dafür eignen sich besonders gut
Facebook Gruppen. Ein WG-Zimmer ist meistens um einiges preiswerter als das Zimmer im
Studentenwohnheim. Ich habe ein süßes Zimmer in einer Studenten-WG, mit zwei anderen
Mädels gefunden (10 Quadratmeter für 310 Euro).

  • Studentenzimmer in Enschede

Die Anreise mit dem Auto dauerte aus Köln nur 2 Stunden, so war der Umzug problemlos und
stressfrei. Das Parken im Zentrum von Enschede ist sehr teuer (1 Stunde = ca. 3 Euro). Fährt
man nur einige Meter weiter, gibt es kostenlose Parkplätze. In den Niederlanden sind die
kostenpflichtigen Parkplätze als Zonen markiert, das kann etwas für Verwirrung sorgen,
deswegen sollte man da vorsichtig sein. Trotzdem ist ein Fahrrad in Enschede absolute Pflicht.
Mit dem Fahrrad kommt man in der Stadt wirklich sehr gut überall hin. Die Stadt ist sehr
fahrradfreundlich, mit einer gut ausgebauten Infrastruktur und jeder Menge abgegrenzter
Fahrradwege. Als Fahrradfahrer hat man in den Niederlanden sogar eigene Ampeln und
Vorfahrt im Kreisverkehr, nicht um sonst fahren Holländer so viel Fahrrad, denn so macht es
erst richtig Spaß. Die Busse sind, wie der gesamte öffentliche Verkehr eher teuer. Je nach
dem, wo man wohnt oder wohin man möchte kann man einige Strecken auch zu Fuß gut
erreichen, muss dafür aber natürlich mehr Zeit einplanen.


Es gibt zahlreiche Fahrradläden, bei denen man sich sehr leicht ein second-hand Fahrrad
kaufen kann, allerdings haben diese für mein Gefühl eher ein schlechtes Preis-
Leistungsverhältnis. Wenn etwas kaputt geht ist es meistens günstiger ein neues Fahrrad zu
kaufen, als es reparieren zu lassen, und bei den Fahrrädern, die dort angeboten werden, geht
in der Regel was kaputt.

Viel mehr kann ich die App Swapfiets empfehlen, bei der man sich sein Fahrrad leihen kann.
Als Student bekommt man bereits ab 13,50 Euro pro Monat (und eine einmalige Gebühr von
15 Euro) ein komfortables Fahrrad. Der Verleih ist flexibel monatlich kündbar, wenn das
Fahrrad kaputt geht wird es kostenfrei repariert oder gegen ein neues ausgetauscht. Sollte es
gestohlen werden, wird eine Gebühr in Höhe von 60 Euro erhoben und man bekommt ein
neues Fahrrad. Mir hat das Konzept sehr gut gefallen. Auf den Ersten Blick erscheint es
vielleicht teurer als sich ein eigenes Fahrrad zu kaufen, aber man muss bedenken, wenn das
Fahrrad kaputt geht und man sich immer wieder ein neues Kaufen muss wird es auf Dauer
teurer sein.


Mit ihren insgesamt über 26000 Studierenden, verteilt auf drei Standorte (Enschede,
Apeldoorn und Deventer), ist die Saxion University of Applied Sciences eine der größten
Einrichtungen in den Niederlanden. Der Campus in Enschede liegt sehr zentral nur zwei
Minuten vom Bahnhof und 5 Minuten von der Innenstadt fußläufig entfernt. Dieser sieht sehr
modern und ansprechend aus, und hat sogar eine Rolltreppe. Neben einer Mensa gibt es im
Gebäude auch einen Albert Heijn To Go (ähnlich wie Rewe To Go), in dem man Snacks und
Getränke für zwischendurch kaufen kann. Außerdem gibt es zahlreiche Kaffeautomaten, mit
diversen Arten an Kaffee und Kakao zu unschlagbar günstigen Preisen (ca. 20 Cent/Tasse),
die dazu auch noch sehr lecker sind. Der Campus verfügt über sehr viele freie Arbeitsplätze
oder Räume, die sich hervorragend zum selbstständigen Lernen oder Arbeiten in Gruppen
eignen. Besonders bei meinem Projekt haben wir immer einen Raum gebraucht, da wir uns
mit der Gruppe mehrmals die Woche getroffen haben. Für Studierende des Smart Solution
Semesters gibt es zusätzliche Arbeitsplätze, was ich sehr durchdacht finde. Als Gruppe
konnten wir selbst entscheiden, wann und wie oft wir uns treffen. Die einzig vorgegebenen
Termine waren mit dem Tutor oder mit dem Auftraggeber. Wir haben uns darauf geeignet uns
drei Mal die Woche an festen Tagen zu treffen, um an dem Projekt zu arbeiten, das hat auch
super funktioniert.
 

Die Stadt Enschede, mit ihren zwei Universitäten ist eine süße und lebhafte Studentenstadt,
an der Grenze zu Deutschland. Auch wenn die gefühlt nur 100 Meter von der deutschen
Grenze entfernt ist, hat die Stadt ein ganz anderes Flair als deutsche Städte. Man spürt direkt
die niederländische Atmosphäre, die sich als sehr offen und locker beschreiben lässt. Die
kleinen holländischen Häuschen aus roten Backsteinen verleihen einen ganz besonderen
Charme. Die Altstadt von Enschede und besonders der Oude Markt laden zu einem
gemütlichen Abend, in der ein oder anderen Bar oder einem Pub ein. Vor allem im Sommer,
wenn alle Stühle und Tische nach draußen gestellt werden, sieht der Oude Markt noch
lebendiger und einladender aus. Sehr häufig wird man an den Bars das Schild der Biersorte
Grolsch finden, das liegt vermutlich daran, dass der Sitz der Brauerei in Enschede liegt. Man
kann sogar eine Tour durch die Brauerei buchen. Wenn man es lieber außergewöhnlicher
mag, kann man sich durch diverse andere Biersorten durchprobieren, da wird für jeden
Geschmack was dabei sein. Tagsüber kann man die Innenstadt zum Bummeln nutzen. Vor
allem montags ist es angenehm leer und es gibt einige Geschäfte, die wir in Deutschland nicht
haben. Jeden Dienstag und Samstag von 8:00 bis 17:00 Uhr findet auf dem Van Heekplein
ein großer Wochenmarkt statt, den man unbedingt besuchen sollte. Hier findet man viele
Obstverkäufer, Blumenstände, Stände mit holländischen Leckereien aber auch
Haushaltsartikeln.
 

Bahnfahren ist in Holland leider etwas teurer als in Deutschland. Wenn man also die
Möglichkeit hat sein Auto aus Deutschland mitzunehmen oder jemanden mit einem Auto kennt,
ist das für Städtetrips sehr empfehlenswert. Ich hatte das Glück, dass ein Kommilitone von mir
und ich beide ein Auto dort hatten und so die wunderschönen Städte Niederlandes problemlos
bereisen konnten. Da das Parken in den Niederlanden bekanntlich sehr teuer sein kann, ist zu
empfehlen sich im Vorfeld über kostenlose oder günstige Parkplätze zu informieren. Dazu
eignen sich oft sehr gut Stadion Parkplätze, Ikea Parkplätze (Groningen) oder P+R Parkplätze,
mit direkter Anbindung zum Bus.


Die Strecken in den Niederlanden sind allgemein sehr kurz und eignen sich somit
hervorragend für Tagesausflüge in die niederländischen Metropolen wie Amsterdam, Den
Haag, Utrecht oder Rotterdam. Aber auch kleinere Städte wie Groningen, Maastricht,
Eindhoven oder Arnhem darf man nicht unterschätzen. Ein absoluter Tipp von mir ist die Stadt
Groningen! Auch hat man in den Niederlanden das Glück, dass das Meer nicht weit entfernt
ist. Wenn dann auch noch das Wetter mitspielt, ist ein Sonnenuntergang am Strand ein
unvergesslicher Anblick. Aber auch Antwerpen oder Brüssel sind sehr gut zu erreichen und
einen Besuch wert.
 

Leider wurde mein Aufenthalt in Enschede durch Corona eingeschränkt. Insgesamt war ich
nur sechs Wochen dort, bevor es zu den Einschränkungen kam. Ab da fanden die
Gruppentreffen und Meetings mit dem Tutor und Auftraggeber in Form regelmäßiger Online
Meetings über Teams statt. Ich finde es schade, dass meine Zeit in Enschede nur sehr kurz
war, trotzdem habe ich auch während der Online Meetings Kontakt zu meinen Kommilitonen
und anderen Erasmus Studenten gehalten. Insgesamt war das Projekt, trotz der
außergewöhnlichen Situation, sehr interessant und lehrreich und wir haben als Gruppe dem
Auftraggeber ein zufriedenstellendes Ergebnis präsentiert.

Fazit
Trotz veränderter Umstände habe ich während meines Auslandssemesters viele neue
Eindrücke in einer extrem kurzen Zeit gewonnen. Ich habe viele neue Leute, aus
unterschiedlichen Ländern, kennengelernt und Freundschaften geschlossen. Durch das Smart
Solution Semester hatte ich die Möglichkeit, meine fachlichen Kompetenzen zu erweitern, und
ein Projekt abzuschließen, was ich so in Deutschland nicht hätte belegen können. Außerdem
war ich in den Niederlanden erstmal auf mich allein gestellt, was mich ein Stück selbständiger
gemacht hat. Die dort angewendeten Lernmethoden haben mir noch besser gezeigt, wie
wichtig es ist mit ungewohnten Situationen umgehen zu können. Ich fühle mich seit dem
Auslandssemester viel sicherer in meinem Englischgebrauch, was eines meiner wichtigsten
Ziele zu Beginn war.


Ich bin dankbar, dass ich ein Auslandsaufenthalt gemacht habe und kann jedem, der
internationale Erfahrungen sammeln möchte, nur wärmstens an Herz legen diese Chance zu
nutzen.