Tim Ernst at Aspira University College, Spring Semester 2020

Erfahrungsbericht Tim Ernst/ Kroatien

Ich studiere im Bachelor E-Business und Logistics an der Hochschule Remagen und war mit dem ERASMUS+ Programm für ein Semester in Kroatien. Aufmerksam auf das Austauschprogramm wurde ich durch eine Rundmail. Zunächst informierte ich mich über die anstehenden Formalitäten und den Ablauf des Semesters. Anschließend war mein Interesse so groß, das ich mich bewarb und schließlich auch angenommen wurde.
 

Motivation

Zunächst einmal schien es mir für meine persönliche und berufliche Entwicklung sehr wichtig generell ein Auslandssemester zu machen. Ein konkretes Zielland hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgewählt. Oft hatte ich mich schon mit dem Gedanken getragen, aber es bislang noch nicht umsetzen können. Man fragt sich ja oft, wie das Leben, die Kultur und der Alltag in anderen Ländern aussieht und wie dort das Studentenleben ist. Ein weiterer wichtiger Faktor ist natürlich auch sich allein in einem völlig fremden Land zurechtzufinden und seine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern.

Ich hatte zunächst einige Länder zur Auswahl und habe mich über jedes dieser Länder ausgiebig informiert. Meine Wahl fiel auf Kroatien, da hier aus wirtschaftlicher Sicht vor allem der Tourismus dominiert und ich bisher in meinem Studium aufgrund der speziellen Ausrichtung (Logistik und E-Business) noch nicht viel darüber gelernt habe. Des weiteren sprach mich die Mentalität der Kroaten an und natürlich auch das Land mit seinen scheinbar unendlich vielen tollen Gegenden, die man unbedingt erkunden sollte. So versprach ich mir von Kroatien einen schönen Mix aus neuen Eindrücken innerhalb meiner Fachrichtung, das Knüpfen neuer Kontakte und einem ausgeglichenen und interessanten Lifestyle.


Vor der Abreise
 

Vor der Abreise erhielt ich von der Partnerhochschule eine Email mit eine Auflistung aller wichtiger Dokumente, die vor der Mobilität per Email einzureichen waren. Insgesamt gab es hierbei keine Probleme. Fragen zu den Dokumenten wurden zeitnah und zuverlässig beantwortet. Der Versand der Dokumente erfolgte unkompliziert per Mail.

Die zu klärenden Formalitäten mit der Partnerhochschule und der Heimathochschule bedurften einiger Zeit, aber es gab auch hier keine größeren Probleme. Gerne wurde mir von beiden Hochschulen bei allen wichtigen Fragen zeitnah und kompetent weitergeholfen und somit konnte ich mir sicher sein, das ich keine Unterlagen vergesse oder sich formale Fehler einschleichen, die dann später zu Problemen führen könnten. 

Bevor man sich für ein Land bzw. für eine Gasthochschule entscheidet, sollte man sich auf jeden Fall schon im Vorhinein das Kursangebot anschauen. In meinem Fall waren nicht alle Kurse die ich auf der Internetseite der Gasthochschule fand und auswählte in meinem Semester auch verfügbar. Wichtig war es mir dann zu klären welche Kurse mich sonst noch interessieren und persönlich weiterbringen. Ich habe dann im Austausch mit der Gasthochschule die entsprechenden Kurse geändert.

Obwohl ich erst Ende Februar nach Kroatien geflogen bin, habe ich mich schon früh um eine Wohnung gekümmert. Eine geeignete Wohnung in Split zu finden kann sich über die herkömmlichen Online Plattformen schwierig gestalten. Hier findet man vor allem teure Touristenwohnungen und eher wenige erschwingliche Wohnungen, die für Studenten geeignet sind. Vor allem aber erhält man oft keine Antwort oder wird als Student abgelehnt. Ich habe dann sowohl in der Whatsappgruppe als auch in einigen Facebook Gruppen nach freien Wohnungen gefragt. Diese lassen sich einfach in der Facebooksuche finden. Innerhalb eines Tages erhielt ich einige Angebote und konnte mir dann eine günstige Wohnung direkt im Zentrum sichern. Mit der Erasmus+ Förderung konnte ich meine Miete decken und zudem noch einen Teil meines Lebensunterhaltes finanzieren.

Eine Auslandskrankenversicherung musste ich in meinem Fall nicht abschließen, da in meinem Vertrag auch das europäische Ausland bereits abgedeckt war.

 

 

Das Studium an der Aspira Split

Das Aspira College ist eine kleine, private Hochschule. Nach meiner Ankunft mussten vor allem noch viele formale Dinge geklärt werden, wie zum Beispiel die Kurswahl. Diese konnte relativ frei und unkompliziert geändert werden. Sollte man also in seinem Learning Agreement nach der Ankunft in Split noch Änderungen vornehmen wollen, so stellt dies kein Problem dar. Besonders positv fand ich hierbei, das man sich bei einzelnen Kursen erst einmal einen Eindruck verschaffen konnte, bis man diese verbindlich belegt.

Die Kurse werden bis auf wenige Ausnahmen alle auf Englisch gehalten. Dennoch fand ich es sinnvoll Englischkurse zu belegen. So konnte ich meine Englischkenntnisse zusätzlich vertiefen. Zudem erhielt ich die Möglichkeit einen Kroatisch-Kurs zu absolvieren. Dies hat mir in alltäglichen Situationen die Kommunikation mit den Einheimischen erleichtert.

Mit den Professoren und Professorinnen habe ich durchweg positive Erfahrungen gemacht. Der Umgang ist nicht so förmlich wie in Deutschland. Zum Beispiel spricht man die Professoren mit dem Vornamen an und nicht wie bei uns üblich mit dem Nachnamen. Da die Hochschule sehr klein ist, findet das Studium auch in kleineren Gruppen statt. Somit lassen sich Lerninhalte besser vertiefen und man kann einfacher offene Fragen klären.

Durch die aktuelle Situation habe ich nur wenige Vorlesungen in der Hochschule gehabt. Der überwiegende Teil fand online statt. Es war teilweise schwierig den Vorlesungen zu folgen, da es oft Verbindungsprobleme gab oder die Akustik zu schlecht war. Dennoch haben sich die Dozenten sehr bemüht, das jeder mitkommt und alles versteht. Zudem wurden auch einzelne Gespräche angeboten für den Fall das man mal etwas nicht verstanden hat oder einzelne Lerninhalte noch einmal vertiefen wollte.

Wichtig ist vor allem auch sich mit der Prüfungsordnung vertraut zu machen. Diese empfand ich oftmals als sehr unklar und für deutsche Verhältnisse unvertsändlich konzipiert. Weiterhin unterscheiden sich die Regularien teilweise von Kurs zu Kurs. In meinem Fall ergab sich die Note aus Anwesenheit, Mitarbeit, einigen Hausaufgaben (meist Zusammenfassungen oder Fragebögen zu behandelten Themen), und zwei Klausuren. Positiv finde ich hierbei, das der Lernstoff auf zwei Klausuren aufgeteilt wird und nicht auf einmal alles zu lernen ist. Insbesonders regt einen das zum kontinuierlichen Lernen an und ist gleichzeitig auch deutlich angenehmer als Bullemie-lernen.

Während meiner Zeit in Split konnte ich trotz der Corona Situation einige andere Studenten kennenlernen. Natürlich ist aufgrund der geringen Vorlesungsgröße das Kontingent anderer Studenten, die man kennenlernen kann, sehr begrenzt.

Insgesamt empfand ich meine Zeit in der Hochschule als sehr angenehm und lehrreich.
 

 

Life in Croatia / Split

Overall, I had mostly positive experiences during my stay. The Croatian mentality is very different from ours. In general, you hardly ever see anyone walking around town without sweatpants. This style of clothing is also representative of the Croatian mentality. Here “Pomalo” is hip, which means as much as always with calm. This attitude to life can be found in almost every area of ​​life. So you often have to queue for a long time in the supermarket because you can count mountains of change in peace or pack the purchases directly for the customer. Authorities also work much more slowly and you often have to ask several times before you get what you need. After a short period of getting used to it, I experienced this as a refreshment from everyday German life.

Split is a very beautiful city with something to discover on every corner. There are countless restaurants, bars, clubs, snack bars, sports facilities, countless opportunities for excursions, etc. But above all, you should keep in mind that Split is a historic port city and there are still some historic buildings in the city that you can visit should have. For example, the Diocletian's Palace, which is located right in the center and is largely still very well preserved. Right in the Diocletian's Palace is the Cathedral of St. Domnius, which dates from the 4th century. The white, smooth stones with which the old town is still largely paved, also shows traces of the past.

The infrastructure in Split is pretty good. You can take the bus or rent bikes. There are stations for this all over the city. The city also has a well-developed bus network. The city is divided into different areas for which you can buy monthly tickets. These get cheaper from month to month, a loyalty discount so to speak. For me, however, buying another card was not worth it, as most places can be reached on foot or by bike. You can also use Uber. Here you can drive across town for around € 4. Often times, this method has proven to be the most practical for me.

Generell ist es in Split in den Wintermonaten natürlich deutlich günstiger, da viele Restaurants im Sommer die Preise teilweise erheblich für den Tourismus anheben. Dennoch ist das Essen auch dann noch in den meisten Restaurants günstiger als in Deutschland. Lebensmittel im Supermarkt sind vergleichsweise genauso teuer und teilweise sogar teurer.

Aus diesem Grund habe ich meist eine der Mensen aufgesucht, die für Studenten nutzbar sind. Jede Universität oder Hochschule gibt sogenannte X-Cards aus, die dann zum Essen in der Mensa genutzt werden können. Das Essen hier ist sehr abwechslungsreich, lecker und kostet nur umgerechnet 1-2€.

Split liegt geografisch sehr praktisch, so kann man mit der Fähre schnell und günstig auf eine der umliegenden Inseln fahren und dort seine Freizeit genießen.
 

Tips

Wie überall, wo es Touristen hinzieht, muss man natürlich auch in Split ein wenig Vorsicht walten lassen, was Schiffstouren angeht oder auch einfache Taxifahrten. Gerne erhöht man hier die Preise, wenn Einheimische bemerken, das man aus einem anderen Land stammt. Sinnvoll ist daher zum Beispiel auf die normalen Taxis zu verzichten und Uber zu benutzen. Hier werden die Preise direkt angezeigt und sind nachvollziehbar. Probleme traten dort für mich während des gesamten Aufenthaltes keine auf.

Ebenso vorsichtig sollte man beim Parken sein. Entscheidet man sich mit dem Auto anzureisen, ist es sehr wichtig zweimal hinzuschauen bevor man parkt. Hier sind die Kroaten sehr genau und man wird schnell mal abgeschleppt.

Für das Studium sollte man sich alle wichtigen Vorgaben und Regularien genau anschauen und sich davon überzeugen, das man alles richtig verstanden hat und nichts Wichtiges außer Acht lässt. Hierbei ist besonders zu beachten, das sich zumindest in meinem Fall die Bewertungsschemata mitunter von Kurs zu Kurs unterscheiden.

Wie ich schon einmal angesprochen habe, so macht es durchaus Sinn das Angebot der Mensa zu nutzen. So habe ich beim Essen viel Geld gespart und konnte es mehr in Reisen und Ausflüge investieren. Ohnehin kommt man selten zum Kochen.


Fazit

Rückblickend würde ich mein Erasmus-Semester als äußerst erfüllend und spannend beschreiben. Besonders interessant war es für mich, so viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern kennenzulernen und mit vielen davon sogar eine Freundschaft aufzubauen. Ich kam mit dem Gefühl nach Split, das sich vermutlich viele der anderen Studenten aufgrund ihrer anderen Herkunft gewaltig voneinander unterscheiden. Sehr schnell merkte ich jedoch, das genau das Gegenteil der Fall war. In den wesentlichen Lebensbereichen waren die meisten sich sehr ähnlich und so bekam man zu vielen auch schnell einen guten Zugang und konnte somit in kurzer Zeit viele Kontakte aufbauen.

Interessant fand ich auch, das gerade durch die oben angemerkte Denkweise auch der kritische Bezug zur eigenen Nationalität hergestellt wurde. Man fragt sich also oft, wie Menschen anderer Länder über uns Deutsche denken. Ein paar Klisches haben sich natürlich auch bewahrheitet aber es gab auch ganz neue Sichtweisen, die man im Austausch mit den anderen erfuhr und besprechen konnte. Beispielsweise denken Menschen anderer Nationalitäten häufig, das die Bahn immer pünktlich kommt, was ja leider mit Nichten der Fall ist. So sind auch falsche Urteile oder Gedanken über sowohl das eigene Land als auch über andere Länder schnell beseitigt worden. Auffällig war für mich aber, das Deutschland oftmals sehr positiv gesehen wird.

Natürlich war die Zeit zu knapp um jeden Erasmus- Studenten gut kennenlernen zu können, aber es bildeten sich nach kurzer Zeit Gruppen von Leuten mit denen man dann mehr zu tun hatte. Auch noch nach meiner Rückkehr bin ich so mit einigen weiterhin im Kontakt.

Wie man sich sicher denken kann ist die Freizeit in Split bei mir sehr ausgeplant gewesen. Bei einer solch großen Gruppe an Austauschstudenten findet sich immer jemand, der etwas unternehmen will und man muss oftmals während der Klausurenphase ganz genau überlegen, wie man seine Tage stukturiert um sowohl seinen Verpflichtungen nachkommen zu können als auch genug Freizeit zum Reisen etc. zu haben.

Ganz besonders schwierig finde ich nach der Rückkehr die Umgewöhnung an den Alltag in Deutschland. Nach fast einem halben Jahr im Ausland hat man sich natürlich sehr stark dort eingelebt und vor allem auch eingewöhnt. Ich lernte ein neues Umfeld kennen und neue Menschen und auf einmal heißt es Heimkehr. Ein gewisses Maß an Vorbereitung kann hier hilfreich sein. Also was will ich tun und wie verplane ich meine Zeit nach dem Austausch. Diese Frage mag sehr einfach wirken, jedoch ist es schwieriger als man denken mag, sich wieder in sein altes Leben einzufinden. Besonders schwierig ist es deshalb, weil man sich natürlich durch das Erlebte und die Erfahrungen verändert hat und man nun natürlich sehen muss, wie man diese Veränderungen effektiv in seinen alten Alltag einbaut.

Meiner Meinung nach ist ein Auslandssemester die beste Möglichkeit um sich sowohl persönlich als auch beruflich weiterzuentwickeln, denn das eine bedingt das andere. Zu Beginn war es komisch im Flieger zu sitzen in dem Wissen, das ich die nächsten 5 Monate in Kroatien verbringen werde, nach der Ankunft war dieses Gefühl aber nur noch ein paar Tage zu spüren. Heute bin ich gänzlich vom Erasmus Konzept überzeugt und würde jederzeit ein weiteres Semester im Ausland verbringen.