Blog RAClerInnen im Ehrenamt: Teil 3 mit Annika Regneri

Sportmanagement ist sehr vielseitig, ebenso wie die ehrenamtlichen Tätigkeiten im Sport. In den kommenden Wochen möchten wir euch verschiedene RAClerInnen mit ihren Sporarten, ehrenamtlichen Engagement und Erfahrungen in unserer Reihe „RAClerInnen im Ehrenamt“ vorstellen. Wir möchten euch Einblicke in das wichtige Feld Ehrenamt geben und die Personen, die das Ehrenamt bekleiden, vorstellen. Unser drittes Interview haben wir mit Annika Regneri geführt. Sie berichtet über ihren Berufseinstieg, Herausforderungen im Ehrenamt und ihre Motivation im Ehrenamt.

Lasse: Hallo Annika, danke das du dir heute die Zeit genommen hast. Bitte stell dich einmal kurz vor. Wer bist, woher kommst du und was machst du aktuell (Studium, Praktikum o. ä. )?


Annika: Hallo Lasse, ich bin Annika Regneri und habe gerade ganz aktuell mein Studium am RAC erfolgreich beendet. Ich habe mein Pflichtpraktikum bei der Welthungerhilfe im Bereich Sportevents und der Plattform Kleinfeldhelden absolviert. Meine Bachelorarbeit habe ich beim FVR über das Thema Blended Learning in der B-Lizenz geschrieben und bin währenddessen am 01.10 zu sporttotal.tv gmbh in Köln gegangen. Hier bin ich Junior Partner Relations Manager.


Lasse: Dann erst einmal Glückwunsch zur Beendigung deines Studiums und der neuen beruflichen Herausforderung. Was gehört zu deinem Aufgabenbereich bei sporttotal?


Annika: sporttotal ist die Plattform für Streaming im Profi-und Amateursport, hier reicht das Sportfeld vom Fußball über Eishockey bis zum Volleyball. Zu Beginn habe ich als meinen ersten großen Aufgabenbereich, das AMATOR, ein Contentformat, ehalten. Hier wird pro Woche/ Monat/ Jahr das beste Tor gesucht und mit Preisen gekührt. Ich spreche mit Vereinen, Autohäusern und koordiniere von der Abstimmung bis hin zur Preisverleihung, in Abstimmung mit unserem Bereich Content, das ganze Format. Exklusivpartner Hyundai unterstützt dies und so habe ich auch viel Kontakt mit Hyundai. Hier geht es dann auch allgemein um den Kontakt mit Partnern: Reportings, Kampagnen Erstellung und Organisation o. ä. fallen hier ins Aufgabenfeld. Zudem akquirieren wir (Kalt- und Warmaqkuise) neue Kunden für den Bereich Werbung und Sponsoring.


Lasse: Spannender und sehr umfangreicher Aufgabenbereich!


Annika: Das stimmt! Aber ich freue mich sehr auf die Herausforderung und kann nach den ersten Wochen sagen, es ist eine super Wahl! Ich habe es geschafft, nach Beendigung meines Studiums den Einstieg zu schaffen und das im Sport und gerade auch mit Anteilen meiner Lieblingssportart Fußball.


Lasse: Das passt natürlich super! Wie bist du zum Fußball gekommen? Lag Fußball schon immer in deiner DNA?


Annika: Ja, es ist tief verankert. Wenn ich ehrlich bin, bin ich auf dem Sportplatz aufgewachsen, mein zweites Wohn- und Spielzimmer. Mein Papa hat sein Leben lang gespielt, mit Eintracht Trier hat er beispielsweise im DFB Pokal gestanden und ist dann nach seiner (kleinen) Karriere in die Trainerschiene gewechselt. Er hat hier später im Jugendbereich meinen Bruder (29), auch leidenschaftlicher Fußballer (B-Junioren bei 1.FCK gespielt) und auch mich trainiert. Es war nicht immer einfach, wenn du weißt was ich meine.  


Lasse: Also wirklich familär in die Wiege gelegt bekommen. Spielst du selbst auch noch aktiv?


Annika: Genau! Nur die Mama hat nicht gespielt aber uns in vollen Zügen unterstützt, ohne sie wäre das auch nicht gegangen. Leider nein. Ich versuche es immer wieder, weil die Leidenschaft zu groß ist, aber nach einer Sprunggelenks-OP und zwei Kreuzbandrissen ist es nicht mehr möglich auf dem Niveau und weniger Training zu spielen.


Lasse: Kann ich zu 100 % nachvollziehen, dass es schwer fällt die aktive Leidenschaft liegen zu lassen, aufgrund von Verletzungen. Aber nichtsdestotrotz bist du dem Fußball erhalten geblieben. Woher rührt deine Leidenschaft für den Fußball? Was ist das Besondere?


Annika: Ich glaube das einfachste Argument ist: Familie. Ich bin quasi damit aufgewachsen und habe es lieben gelernt. Ich habe auch Erfahrungen im Tennis und Leichtathletik gemacht, aber zum einen lag das Talent nicht im Tennis und ich brauchte den direkten Teameffekt. In der Leichtathletik war ich talentiert aber hier war mir das stetige gerade aus laufen auch zu langweilig. Mich reizt das Team, nicht du allein kannst was erreichen, sondern im Team. Du kannst dich selbst herausfordern und das Lesen des Spiels und das Koordinieren der Mannschaft als deine erweiterte Aufgabe an dich ziehen. Ich komme aus der Defensive und dem Spruch „Spiele gewinnt man im Sturm, die Meisterschaft in der Abwehr“ treffen da ganz gut zu. Das fande ich immer faszinierend. Zudem die Komplexität, die mittlerweile auch trainiert wird, vom technischen bis hin zum Koordinativen/ Visuellen (sich vororientieren, anitizipieren und die Entscheidung schneller als der Gegner zu treffen) ist einfach spannend!


Lasse: Und dieser Erfahrungen gibst du über dein ehrenamtliches Engagement weiter? Wie bist du dazu gekommen?


Annika: Ja genau, als ich verletzt war, war es eigentlich eine Notlösung mit 18 Jahren. Ich war zuvor immer selbst sehr aktiv, da hat die Zeit gefehlt aber als ich nicht mehr spielen konnte, habe ich es als eine gute Alternative für den Übergang gesehen. Jetzt bin ich seit 5 Jahren Trainerin und das fing mit einer D-Juniorinnen Mannschaft im Heimatverein an, bis zur Co-Trainerin beim FVR, Stützpunkttrainerin im Bezirk West und das Trainieren einer C- und B- Juniorenmannschaft. Ich habe also viele Facetten und Herausforderungen kennen gelernt.


Lasse: Also besteht deine ehrenamtliche Tätigkeit primär in der Übungsleitertätigkeit als Trainerin im Jugendbereich?


Annika: Ja, genau.


Lasse: Was sind dabei die größten Herausforderung? Vielleicht kannst du auf persönliche und vereinsbezogene Herausforderungen eingehen.


Annika: Das ist ein gutes Thema! Vereinsbezogen ist es ganz unterschiedlich und es steht und fällt mit den engagierten Ehrenämtlern. Ich muss sagen, da habe ich es immer ganz gut getroffen. Es ist wichtig, dass Funktionäre hinter dir stehen und dir Vertrauen schenken, auch für Neuerungen. Zudem ist das Thema Eltern immer ein Schwieriges im Jugendbereich. Persönlich war es eine Herausforderung draußen zu stehen und erstmal nicht aktiv eingreifen zu können. Es liegt dann an den Kindern, sie müssen abliefern. Aber das interessante ist, die Fehler im Training so zu trainieren, das es besser und besser wird. Hier muss ich sagen, das es mit Jungs teilweise einfacher war, aber ich sehe in beiden Bereichen das Positive! Zudem bin ich nunmal eine Frau....sich dann vor einer pupertierende Gruppe (U15) und (U16) zu stellen, war dann erstmal komisch. Man wusste nicht, ob es funktioniert, ob sie einen akzeptieren o.ä. Aber ich bin froh, dass ich es getan habe. Es waren zwei sehr lehrreiche und interessante Jahre! Generell habe ich verdammt viel gelernt und konnte einfach tolle Geschichten im Verein und auf Verbandseben mit erleben.


Lasse: Du hast es schon an einigen Stellen angesprochen, was du durch den Fußball gelernt hast. Vielleicht könntest du das nochmal zusammenfassen, insbesondere auf die Learnings, die du im beruflichen Kontext auch anwenden kannst.


Annika: Zusammenfassend kann man folgendes sagen: Teamwork; Lösungsorientiertes Arbeiten; Chancen sehen und ergreifen; Ehrgeiz: mehr tun als Andere; Herausforderung suchen, annehmen und meistern und das Wissen an andere weitergeben, um diese zu fördern. Ich finde diese Bereiche lassen sich alle im Berufsalltag wieder finden und das merke ich auch in meinen ersten Wochen im Job.


Lasse: Sehr gut, das sind wichtige Attribute im Beurfsalltag! Kommen wir zu den letzten beiden Fragen. Warum sind Ehrenämter wichtig (gerade für den Amateur- und Breitensport) aus deiner Sicht? Neben den Social-Skills, die man bei Mannschaftssportarten lernt.


Annika: Warum? Weil ohne sie kein Amateursport und ohne die Basis kein Sport stattfinden würde! Es ist wichtig, gerade auch in der heutigen Zeit, dass Kinder bewegt werden und dem Sport näher gebracht werden. Jeder Trainer, die meisten Vereinsvertreter (bleiben wir mal im Amateursport) sind Ehrenämtler. Sie sorgen für das Sportangebot und für all das, was dahinter steckt. Gerade aus solchen Gründen bin ich ein Fan vom Format „Fussballhelden-junges Ehrenamt“! Hier wird es geehrt, das junge Menschen sich engagieren. Wenn ich zurück denke, wie oft man Menschen dafür begeistert und sie fragt, eine Jugendmannschaft zu trainieren oder ähnliches und man auf Abwehr stößt...es ist einfach wichtig, aber ist und wird denke ich ein schwieriges Thema bleiben.


Lasse: Letzte Frage: Der Fußball ist in Deutschland sehr populär und wird von vielen Menschen gespielt. Erleichtert das die Rekrutierung von Ehrenamtlichen oder gibt es bei euch im Verein auch Schwierigkeiten in diesem Bereich?


Annika: Es ist populär, nimmt im Profibereich Dimensionen an, die teilweise für meine Verhältnisse zu extrem sind. Die Basis wird hier des Öfteren vernachlässigt. Wie ich bereits gesagt habe, es ist schwierig zu rekrutieren, das ist sehr schade. Wie bereits oben beschrieben gibt es so viele positive Aspekte, aber es ist klar, das man Zeit und meist auch Geld investieren muss und das sind Ressourcen, welche viele einfach nicht aufgeben, weil sie den Mehrwert auch nicht sofort herauslesen können.


Lasse: Super, vielen Dank für das interessante Gespräch Annika!


Annika: Danke dir Lasse, sehr interessante Fragen, die man meiner Meinung gar nicht zufriedenstellend beantworten kann. Ich hätte noch weiter erzählen und berichten können, aber einfach, weil es ein wichtiges Thema ist!