Für wen ist dieser Text?

Dieser Text enthält Informationen und Tipps für Personen, die

  • bereits ein erstes, nicht zur Promotion berechtigendes Studium abgeschlossen haben
  • noch keine Promotion abgeschlossen haben
  • noch nicht über Berufserfahrung verfügen
  • und bisher noch keine Lehrerfahrung haben.

Ist das die Ausgangslage, zu der du Infos und Anregungen wünschst? Dann bist du hier genau richtig.

Wie soll es nun für dich weitergehen?

Du hast bereits ein erstes Studium abgeschlossen und damit bereits einen ersten Schritt auf dem Weg zur HAW-Professur zurückgelegt. Wie soll es nun für dich weitergehen? Möchtest du zunächst einmal Berufserfahrung in deinem studierten Beruf sammeln? Oder möchtest du erst weiterstudieren und dann nach dem Master ins Berufsleben einsteigen? Oder würdest du am liebsten gleichzeitig arbeiten und weiterstudieren? Dann wäre vielleicht ein berufsbegleitender Masterstudiengang interessant für dich, sofern deine Lebenssituation es zulässt, dass du für eine Weile mit Studium und Beruf gleichzeitig stark eingebunden bist.

Egal, für welche Reihenfolge du dich entscheidest – also erst mal arbeiten und später weiterstudieren, erst mal weiterstudieren und später Berufserfahrung sammeln, oder beides parallel -, alle drei Wege werden dich ein Stückchen näher an die nötigen Voraussetzungen für eine HAW-Professur bringen. Denn sowohl Berufserfahrung nach Abschluss des Studiums ist eine Berufungsvoraussetzung als auch ein Studienabschluss, der zur Promotion berechtigt, also z.B. der Master.

Dass für HAW-Professuren Menschen gesucht werden, die sowohl gestandene Praktikerinnen und Praktiker als auch erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind, gehört zu den kniffeligsten Herausforderungen auf dem Weg zur HAW-Professur. Hierin liegt übrigens einer von vielen Unterschieden zwischen der Uniprofessur und der HAW-Professur: Während es für erstere nicht unbedingt notwendig ist, den Wissenschafts- und Forschungsbetrieb irgendwann einmal zumindest vorübergehend in Richtung Praxis zu verlassen, ist dies für die HAW-Professur zwingende Voraussetzung.

Wir empfehlen daher, einmal ganz generell zu überlegen:

Welche Reihenfolge von Studium, praktischer Berufserfahrung und wissenschaftlicher Weiterqualifizierung macht für dich persönlich am meisten Sinn?

Was wird voraussichtlich wann in dein Leben passen?

Hast du z.B. Ehrenämter, Familienaufgaben oder andere dir wichtige Fixpunkte und Verpflichtungen, die in die Planung möglicher Karriereschritte einbezogen werden sollten?

Diese Fragen sind nicht immer leicht zu beantworten. Aber keine Sorge – wie du an den Professorinnen und Professoren an HAWen sehen kannst, ist es durchaus möglich, auf dem Weg zur Professur Wissenschaftlichkeit und außerhochschulische Praxis unter einen Hut zu bringen. Damit dies auch dir gelingen kann und du die für dich die optimale Reihenfolge von wissenschaftlicher Qualifizierung, Arbeit außerhalb des Hochschulbereichs und eventuell Arbeit in der Wissenschaft bestimmen kannst, findest du im Folgenden ein paar Überlegungen, die dir dabei helfen können:

Pfad 1: zuerst Einstieg ins Berufsleben

Entscheidest du dich nach dem Bachelor zunächst für’s Arbeiten, behalte bei der Planung deiner jeweils nächsten Karriereschritte bitte im Hinterkopf, dass es später für die Bewerbung auf die Professur vorteilhaft ist, wenn die Berufserfahrung eine Entwicklung hin zu zunehmend mehr Verantwortung, Kompetenzen und ggf. höheren Positionen durchläuft. Dies ist mit einem Bachelor-Abschluss für ein paar Jahre möglich, doch die Tür zu bestimmten Positionen oder Tätigkeiten wird dir in der Regel erst der Master oder ein vergleichbarer Abschluss öffnen. Wenn du also nach dem Bachelor ins Berufsleben startest,

  • arbeitest du frühzeitig auf die Erfüllung der Berufungsvoraussetzung ‚Berufserfahrung‘ hin.
  • Reminder: Benötigt werden insgesamt mindestens 5 Jahre, davon mindestens 3 außerhalb des Hochschulbereichs.
  • Gleichzeitig solltest du im Blick behalten, dass irgendwann noch deine wissenschaftliche Weiterqualifizierung (Master o.Ä., Promotion) ansteht, und dich über in Frage kommende Masterstudiengänge informieren.

Möchtest du an einer Hochschule oder in der außerhochschulischen Praxis arbeiten?

Mit einem ersten Studienabschluss kannst du natürlich schon an einer Hochschule arbeiten. In der Regel handelt es sich dabei um wissenschaftsunterstützende Tätigkeiten, wie z.B. als Projekt- oder Studiengangskoordinatorin oder als Laboringenieurin. Als Mitarbeiterin einer Hochschule

  • erhältst du bereits frühzeitig gute Einblicke in den Arbeitsalltag an Hochschulen,
  • bleibst an wissenschaftliche Diskurse angebunden – allerdings mit einem Bachelor-Abschluss tendenziell eher aus der wissenschaftsunterstützenden als federführend aus der forschenden / wissenschaftlichen Perspektive,
  • kannst du vielleicht schon erste Lehrveranstaltungen abhalten, Übungen betreuen oder Studierende als Tutorin begleiten und damit zeitgleich zum Geldverdienen auch noch relevante Erfahrung für die Berufungsvoraussetzung ‚pädagogische Eignung/ Lehrerfahrung‘ sammeln;
  • sammelst du Berufserfahrung, die für die HAW-Professur angerechnet werden kann,
  • allerdings ohne dass du damit gleichzeitig schon die geforderten Jahre außerhalb des Hochschulbereichs erbringst.
  • Das heißt bildlich gesprochen: Auf deinem ‚5-Jahres-Gesamtkonto‘ werden Jahre ‚verbucht‘, aber noch nicht auf deinem ‚3-Jahres-Praxisfeld-Konto‘. Du musst den Hochschulbereich also später noch einmal verlassen.

Wenn du hingegen nach deinem ersten Studienabschluss in die außerhochschulische Praxis einsteigst,

  • sammelst du schon frühzeitig wertvolle berufspraktische Erfahrungen, Kompetenzen und Praxisbeispiele. Dies ist auch ein Vorteil, wenn du später als Lehrkraft oder Professorin mit HAW-Studierenden arbeitest. Denn diese wissen es oft sehr zu schätzen, wenn ihre Lehrenden in der Praxis genau die Art von Tätigkeiten verrichtet haben, für die sie selber sich gerade mit ihrem Studium qualifizieren.
  • sammelst du für die HAW-Professur nicht nur allgemein Berufserfahrungs-Jahre, sondern zeitgleich auch Praxisjahre außerhalb des Hochschulbereichs-
  • das heißt bildlich gesprochen: Sowohl auf deinem ‚5-Jahres-Gesamtkonto‘ als auch auf deinem ‚3-Jahres-Praxisfeld-Konto‘ werden Jahre ‚verbucht‘.
  • verlierst du eventuell nach einer Weile den Kontakt in die Hochschulwelt und den Anschluss an wissenschaftliche Diskurse in der eigenen Fachdisziplin.

Der letztgenannte Punkt kann dann eine – subjektive oder objektive – Hürde sein, wenn man später für den Master oder die Doktorarbeit wieder an eine Hochschule zurückkehren möchte. Dies kannst du abmildern, indem du versuchst, über das Lesen einschlägiger Fachzeitschriften im wissenschaftlichen Diskurs ‚up to date‘ zu bleiben und im Blick zu behalten, welche Masterstudiengänge zukünftig für dich in Frage kommen.

Pfad 2: zuerst Fortsetzung der wissenschaftlichen Qualifizierung

Wenn du– wie es insbesondere bei wissenschaftlich sehr interessierten Studierenden an Universitäten zuweilen der Fall ist - vom Bachelor direkt in den Master gehst und unmittelbar danach z.B. auf einer Promotionsstelle den Weg in Richtung Doktortitel einschlägst,

  • bleibst du in wissenschaftliche Diskurse eingebunden,
  • arbeitest du auf die Komplettierung der Berufungsvoraussetzung ‚Studium‘ und die Grundsteinlegung für die Berufungsvoraussetzung ‚Doktortitel‘ hin,
  • kannst du gegebenenfalls durch einen Job als studentische Hilfskraft erste Eindrücke vom Arbeitsalltag an HAWen oder Unis sammeln,
  • kannst du bei „Meet your Prof“-Events oder in anderen Gesprächen mit Professorinnen und Professoren etwas zu deren Werdegang erfahren und daraus Inspiration für deinen eigenen Weg ziehen (Solltest du an einer Universität studieren, bedenke dabei aber bitte, dass der Weg zur Uni-Professur sich erheblich von dem zur HAW-Professur unterscheidet),
  • kannst dich beim Promotions- oder Graduiertenzentrum deiner Hochschule oder direkt in deinem Fachbereich / deiner Fakultät frühzeitig darüber informieren, wie es für dich nach dem Studium in Richtung Doktortitel weitergehen könnte,
  • während die Berufungsvoraussetzung ‚Berufserfahrung‘ warten muss – denn Tätigkeiten von geringem Umfang (wie z.B. als studentische Hilfskraft) werden hier nicht mitgezählt.
  • Damit fehlt dir für den Moment die (v.a. außerhochschulische) Praxiserfahrung und der Praxisbezug, die für die HAW-Professur unabdingbar sind.

Wer sich dafür entscheidet, nach dem ersten Studium direkt das promotionsberechtigende Studium anzuschließen,  sollte daher überlegen:

Wann ist ein günstiger Zeitpunkt, um Berufserfahrung, insbesondere in der außerhochschulischen Praxis, zu sammeln?

Bietet das avisierte Studienprogramm die Möglichkeit, schon einmal Praxiskontakte zu knüpfen, z.B. im Rahmen einer Masterarbeit bei einem Praxispartner der Hochschule?

Wenn die HAW-Professur tatsächlich dein Traumberuf ist, kannst du dich bei der Wahl deines Masterstudiengangs z.B. fragen:

Gibt es die Fachrichtung, die du studieren willst, als Lehrgebiet an HAWen?

Wenn ja: Ist sie zugleich breit genug aufgestellt, so dass du dich später nicht ausschließlich auf sehr eng umrissene Professuren bewerben kannst?

Wenn es das Fach nicht an HAWen gibt: In welche HAW-Fachbereiche würdest du mit deiner gewählten Fachrichtung passen? Was wäre gegebenenfalls der ‚missing link‘, über den du (z.B. über Vertiefungsangebote im Studium, Praktika, das Schreiben von Fachartikeln o.Ä.) die Verbindung zwischen deinem Studium und den Angeboten an HAWen herstellen kannst?

Pfad 3: gleichzeitig im studierten Beruf arbeiten und weiterstudieren

Berufsbegleitende Masterstudiengänge bieten dir die Möglichkeit, Berufstätigkeit und wissenschaftliche Weiterqualifizierung zu kombinieren. Wer sich für diesen Weg entscheidet, kombiniert die Vorteile aus Pfad 1 und 2, hebt zudem einige der jeweiligen Nachteile auf, erlebt aber auch spezifische Hürden. Konkret: Du

  • arbeitest auf die Komplettierung der Berufungsvoraussetzung ‚Studium‘ und die Grundsteinlegung für die Berufungsvoraussetzung ‚Doktortitel‘ hin,
  • bleibst in wissenschaftliche Diskurse eingebunden,
  • arbeitest zur gleichen Zeit auf die Erfüllung der Berufungsvoraussetzung ‚Berufserfahrung‘ hin,
  • studierst zusammen mit anderen erfahrenen Praktikerinnen und Praktikern und kannst sich mit diesen vernetzen,
  • bist für die Dauer des Studiums zeitlich stark eingebunden,
  • musst – falls du deinen Stellenumfang reduzierst, um Raum für das Studium zu schaffen – gegebenenfalls mit finanziellen Einbußen zurechtkommen.
  • Reminder: Um für die HAW-Professur anerkannt zu werden, muss eine Berufstätigkeit i.d.R. mindestens einen Umfang von 50% haben.

 

Wir wünschen dir viel Glück und hilfreiche Unterstützerinnen und Unterstützer auf deinem Weg!

 

Bitte bedenke, dass diese Reflexionsfragen und Anregungen nur erste Impulse geben können. Formelle und informelle Regelungen, Gepflogenheiten, Bedarfe sowie ‚Do’s und ‚Don’t’s sind nicht nur Veränderungen unterworfen und unterscheiden sich teilweise von Bundesland zu Bundesland und von Hochschule zu Hochschule, sondern teilweise sogar von Fachbereich zu Fachbereich und von Professur zu Professur. Das klingt erst einmal verwirrend und ein bisschen ungewiss? Ja, finden wir auch. Aber es beinhaltet auch eine große Chance: Wenn du frühzeitig Netzwerke in die für dich interessante(n) Hochschule(n) knüpfst, wirst du zum Zeitpunkt deiner Bewerbung bereits eine Vorstellung von der ‚Hauskultur‘ dort haben und kannst dies in deiner Bewerbung berücksichtigen und damit möglicherweise eine Nasenlänge vor gleich qualifizierten Mitbewerberinnen und Mitbewerbern landen.