Blog Probemessung auf Basis von Wärmebildkameras

Wer kennt das nicht? Da braucht eine Übungsgruppe eine Trainingszeit in der Sporthalle. Die Verantwortlichen im den kommunalen Sportämtern, Abteilungen oder Referaten beteuern aber, dass alles voll und es keine freien Hallenzeiten mehr gäbe. Schaut man vor Ort nach, stimmen die Belegungspläne oft nicht mit der tatsächlichen Nutzung überein, vergebene Zeiten sind frei oder ganz wenige Nutzer verlieren sich in einer großen Halle. Wachsende Sportvereine, neue Übungs- und Trainingsgruppen, Gruppen, die einfach nur mal zusammen Sport treiben wollen, werden abgewiesen, mögliche Mieteinnahmen gehen verloren. Ist ein Verein Eigentümer der Sportstätten streiten sich die Abteilungen um die verfügbaren Zeiten, Zwist und Misstrauen schleichen sich ein. "Wir haben keine Leute, die das kontrollieren können", sagen dann oft die Verantwortlichen in den Kommunen oder in den Vereinen mit eigener Sportstätte. Manchmal werden im Rahmen von Sportentwicklungsplanungen Auslastungsmessungen vorgenommen. Dann gehen zumeist Studierende durch die Hallen und zählen. Dabei sind Fehlbelegungen keine Seltenheit. Vereinsvertreter, die vorher vehement den Bau neuer Sporthallen gefordert haben, müssen sich dann schon mal revidieren, Mehrbedarfe werden mitunter in Quartieren festgestellt, die gar nicht so sehr im Fokus der Verantwortlichen standen, weil es dort keine starken Interessenvertreter gab. Sanierungsentscheidungen, Schließungen, Neubauten basieren bislang nahezu ausschließlich auf der Expertise der Akteure vor Ort, einschließlich aller damit zusammenhängenden subjektiven Einschätzungen und Motiven. Von einer nachhaltigen Nutzung öffentlicher Sportstätten sind wir weit entfernt. Und dies bei ca. 35.000 Sporthallen in Deutschland und insgesamt rund 125.000 Sportstätten mit einem geschätzten Sanierungsbedarf von 31 Milliarden Euro. Hilfe ist jedoch in Sicht: Ein Team des Instituts für Sportmanagement und Sportmedizin der Hochschule Koblenz hat einen Prototyp für ein Messystem auf Basis von Wärmebildkameras entwickelt, welches mit Hilfe künstlicher Intelligenz die Anzahl der Nutzer in einer Sporthalle messen kann. Noch ist der Computer unmittelbar mit dem Messsystem verbunden. "Ziel ist es aber, ein System bereit zu stellen, welches die Daten autonom an ein Datenloggingsystem übermittelt." erläutert Daniel Friemert, Vertretungsprofessor für angewandte Sportmedizinische Technik und Informatik am RheinAhrCampus Remagen (RAC). "Die Daten verwenden wir um Optimierungsalgorithmen zu entwickeln und den Kommunen und Vereinen zu helfen, ihre Belegung immer wieder zu optimieren", ergänzt Lutz Thieme, Professor für Sportmanagement am RAC. Sophia Haski, die vor kurzem ihre Masterarbeit zum Thema Innovationsmanagement abgeschlossen hat, hat angeregt auch noch andere Sensoren zu integrieren. "Langfristig muss sich unsere Lösung in das Internet der Dinge einfügen und den Kommunen und Sportvereinen helfen, nachhaltig mit ihren Ressourcen umzugehen", wirft Maximilian Oesterreicher, auf dessen Abschlussarbeit der Erkennungsalgorithmus maßgeblich basiert, den Blick voraus.