Fachtagungen Fachtag "Flüchtlingskinder"

Pressemitteilung

Koblenz, 25.04.2016

Fachtagung über Flüchtlingskinder fand mit weit über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am RheinMoselCampus der Hochschule Koblenz statt

KOBLENZ. Auf große Resonanz stieß eine Fachtagung zum Thema „Schutzbedürftig und (Kinder)schutzberechtigt – Zur Lebenssituation der begleiteten Flüchtlingskinder in Deutschland“, der an der Hochschule Koblenz im Fachbereich Sozialwissenschaften stattfand. Die Veranstaltung thematisierte die Lebenssituation und die Rechte begleiteter Flüchtlingskinder in Deutschland aus verschiedenen professionellen Perspektiven. Eingeladen hatten das Institut für Forschung und Weiterbildung (IFW) der Hochschule Koblenz in Kooperation mit dem Landespräventionsrat RLP des Ministeriums des Innern, für Sport und Infrastruktur.

Auch wenn die Rechte junger Geflüchteter im internationalen und nationalen Recht durch die UN-Kinderrechtskonvention klar definiert sind, finden sie in der Realität nur wenig Beachtung, was zu einer deutlichen Benachteiligung und zu gravierenden Verletzungen des Kindeswohls von Flüchtlingskindern führen kann. Einer möglichst unbeschwerten Zeit  in Sicherheit stehen häufig bürokratische Hürden sowie offene Ausgrenzung in der Gesellschaft entgegen.

Nach der Begrüßung durch den Präsidenten der Hochschule, den Dekan des Fachbereichs Sozialwissenschaften sowie den Vorsitzenden des Landespräventionsrates eröffnete Jamie Kreuzberg-Lauterbach den inhaltlichen Teil der Tagung. Sie schilderte aus ihrer Perspektive als Leiterin des Sozialdienstes in der Erstaufnahmeeinrichtung in Ingelheim eindrücklich die Situation der Kinder und Familien: "Die Einrichtung ist wie ein kleines Dorf, bei uns läuft es gut".

Einen anderen Eindruck vermittelte Dr. Theodor Michael, ehemaliger Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums der Charité und nun ehrenamtlicher Kinderarzt am Lageso in Berlin. Er bestätigte die chaotischen Zustände, die viele aus der Presse kennen und plädierte für einen besseren Schutz der geflüchteten Kinder, der eben auch eine zeitnahe und vor allem bedarfsgerechte medizinische Versorgung beinhalten muss. Cindy Vogel-Hürter berichtete als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin zum Umgang mit geflüchteten Kindern in der Kita. "Auch wenn die Kinder Traumatisches erlebt haben, müssen sie nicht zwangsläufig traumatisiert sein. Es gilt jedes Kind als Individuum zu sehen und auf seine Bedürfnisse einzugehen", konstatierte Vogel-Hürter.

Als besonderes Highlight wird den Gästen sicher der Besuch der Aktivisten des Projektes „Small Room“, die aus Idomeni anreisten, in Erinnerung bleiben. Es herrschte ergriffene Stille im großen Hörsaal der Hochschule, als die jungen Männer mit leiser Stimme ihre Fluchtgeschichten erzählten. Begleitet wurde die Aktion mit einer Fotopräsentation der Fluchtetappen aus der Sicht der Geflüchteten, welche die Initiative dem IFW zur Verfügung stellte und die in den nächsten Tagen an der Hochschule ausgestellt sein wird.

Nach einer Podiumsdiskussion mit der thematischen Rahmung durch die UN- Kinderrechtskonvention, an der Diskutant_innen verschiedener Professionen teilnahmen, rundete Mirjam Lewek (Referentin beim Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) mit ihrem Abschlussstatement „Dringend erforderlich: kindgerechte Unterstützung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe“ mit Ergebnissen ihrer Studie zur Lebenssituation der begleiteten Flüchtlingskinder den inhaltlichen Teil der Tagung gelungen ab.

Im Rahmenprogramm gab es an zahlreichen Infoständen verschiedener Initiativen und Institutionen (z.B. Flüchtlinge Willkommen, Arbeitskreis Asyl, Beratungsknoten Rechtsextremismus, Leitstelle Kriminalprävention) viele Möglichkeiten zur Information und Vernetzung. Eine „rundum gelungene Veranstaltung“, so die Tagungsleitung Prof. Dr. Kathinka Beckmann, die sich sehr herzlich bei allen Teilnehmenden für das große Interesse am Thema Kinderschutz geflüchteter Kinder bedankte.