Forschung Digitale Kompetenzen stärken – Qualitätsentwicklung im Diskurs verstetigen: wie pädagogische Fach- und Führungskräfte die Digitalisierung für sich nutzen und gestalten können. (QiD - Digitale Kompetenzen)

Qualitätsentwicklung im Diskurs in Zeiten von Corona

In den vergangenen Wochen hat sich hier einiges getan. Die QiD-Regionalgruppentreffen können bis auf weiteres nicht im gewohnten Präsenzformat stattfinden. Durch die Auseinandersetzung mit digitalen Lernformen im Projekt „QiD – Digitale Kompetenzen“ war das IBEB sehr schnell in der Lage digitale Alternativen anzubieten. Dennoch ergeben sich immer wieder Hürden, die es zu überwinden gilt.

Im Gespräch mit Dr. Marina Swat (wissenschaftliche Mitarbeiterin im IBEB) sowie Michaele Gabel (QiD-Prozessbegleiterin) werden neue Akzente deutlich: „Corona bringt uns aus allen möglichen Komfortzonen heraus, auch mich als Prozessbegleiterin bei Qualitätsentwicklung im Diskurs.“ Es braucht ein Umdenken und Ausprobieren von Neuem, betont Michaele Gabel. „Mit COVID-19 kommt eine neue Dynamik in die technischen Möglichkeiten der Kommunikation, im beruflichen und privaten Alltag.“ beschreibt Dr. Swat.

Wie sind die Träger und Mitarbeiter*innen auf die Digitalisierung vorbereitet?

Gabel: „Es waren ja insgesamt herausfordernde Zeiten zu Beginn der Kitaschließungen, für alle. Denn die Kitas, Leitungen und Mitarbeiter*innen der Tandems hatten in ihren Einrichtungen auch mit der Neuorganisation des Ausnahmezustands zu tun. Die Notbetreuung musste geklärt und eingerichtet, Homeoffice organisiert werden – und der Fachkräftemangel zeigt sich ja auch in dieser Situation – wieviele Mitarbeitende standen in dieser Zeit eigentlich zur Verfügung? Wieviele gehörten selbst einer Risikogruppe an – aus welchen Gründen auch immer? Wieviele standen wirklich zur Verfügung – oder waren mit der Betreuung der eigenen Kinder beschäftigt? Und dann noch QiD - und das auch noch digital.“ Dr. Swat: „Die Mitarbeiter*innen des IBEB sind mittelbar über die Prozessbegleiter*innen und teils direkt mit den praktischen Nutzer*innen von QiD im Austausch“ „Sehr deutlich wurde jedoch, dass persönliches Engagement mal wieder häufig viele Hürden überwinden lässt - dennoch fehlende, stabile Internetverbindungen, mangelnde technische Ausstattung oder der divergente Umgang hinsichtlich des Personals seitens der Träger und in den Einrichtungen erschweren das gewohnte, gemeinsam strukturierte Zusammenarbeiten.“

Welche Chancen ergeben sich aus der derzeitigen Situation?

Dr. Swat: „Es mag damit einhergehen, dass es unter den aktuellen Umständen kaum anders möglich ist, dennoch zeigen die Prozessbegleitungen von und für QiD eine unfassbare Kreativität, mit den pädagogischen Fachkräften und deren zur Verfügung stehenden Mitteln den Prozess ihrer Qualitätsentwicklung qualitativ hochwertig voranzubringen.“ „Alles befindet sich in einer Phase der intensiven Weiterentwicklung, doch scheint gerade diese Phase äußerst ergiebig – geht es um die Bereitschaft und den grundsätzlichen Willen, neue Wege der Digitalisierung auszuprobieren.“ Michaele Gabel ist sich sicher: „Ich hätte dies alles nicht gemacht, wenn ich nicht überzeugt davon gewesen wäre, dass QiD für die Zeit der Corona-bedingten Schließung und den Neustart nicht positiv genutzt werden könnte. Genau jetzt müssen neue Qualitäten entwickelt werden – und dazu bietet aus meiner Erfahrung heraus QiD gute Möglichkeiten weiter zu denken.“

Die Digitalisierung schreitet weiter voran und unser Bestreben ist es, sie im Sinne einer guten Qualitätsentwicklung zu gestalten. Auch freuen sich alle wieder auf „echte offline-Begegnungen“!

Das Thema Digitalisierung ist in hohem Maße zukunftsweisend und durchdringt inzwischen fast alle Lebensbereiche. Die damit verbundenen Entwicklungen schreiten rasant voran und gewinnen immer mehr Bedeutung im Bildungssektor, auch mit dem Kernauftrag des Elementarbereichs der Trias „Bildung, Erziehung und Betreuung“. Während digitale Bildung sowie digitale Medien und deren Anwendung in Schule und Weiterbildung bereits überwiegend als Themen angekommen sind, akzeptiert und immer weiter ausgebaut werden, sind sie im Bereich der Kindertageseinrichtungen in weiten Teilen noch ein Entwicklungsfeld. Die Digitalisierung und deren Auswirkungen stellen die Gesellschaft und Individuen vor Herausforderungen, eröffnen aber auch Chancen, die jedoch nur gemeistert und genutzt werden können, wenn die nötigen „digitalen Kompetenzen“ und „Werkzeuge“ vorhanden sind. Die Kita ist in der Regel die erste außerfamiliäre Institution, mit der Kinder und deren Eltern im Kontext von Erziehung, Bildung und Betreuung in Berührung kommen und somit die auch erste „Bildungsstation“ in der Biografie eines Individuums. Die dort tätigen pädagogischen Fachkräfte stellen aufgrund dieser zentralen Position und der Beziehung zu Kindern und deren Familien eine wichtige Zielgruppe mit Multiplikatorenfunktion auch im Zusammenhang mit digitalen Kompetenzen dar.

In einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt setzt sich das Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit | Rheinland-Pfalz (IBEB) mit der nachhaltigen Weiterentwicklung des etablierten Ansatzes Qualitätsentwicklung im Diskurs (QiD) auseinander. Das Projekt ist im Januar 2019 gestartet und läuft über drei Jahre unter wissenschaftlicher Leitung von Herrn Prof. Dr. Schneider. QiD soll in dieser Zeit durch das digitale Format einer Lernplattform ergänzt werden. Dies wird entlang der erhobenen Bedarfe der pädagogischen Fachkräfte konzipiert und mit der Praxis erprobt. Im Zuge der praktischen Anwendung des neuen digitalen Formates werden die digitalen Kompetenzen der Kita-Fachkräfte gestärkt. Über die Vernetzung, virtuelle Kommunikation und kollaborative Werkzeuge im Rahmen der Weiterentwicklung von QiD wird zudem angestrebt, den Diskurs auf weitere digitale Ebenen auszuweiten sowie neue Perspektiven für individuelle Lernprozesse anzuregen.