Forschung & Projekte Strategien Ländlicher Raum SLR

„Strategien Ländlicher Raum“ ist ein interdisziplinäres Lehr- und Forschungsgebiet, in dem die Fachrichtungen Architektur, Bauingenieurwesen und der Fachbereich Sozialwissenschaften gemeinsam an aktuellen und zukunftsweisenden Fragestellungen für ländliche Räume arbeiten.

Strategien Ländlicher Raum 
Hochschule Koblenz, RheinMoselCampus
Konrad-Zuse-Straße 1, 56068 Koblenz

Der demografische Wandel führt in städtischen und ländlichen Räumen zu unterschiedlichen Herausforderungen und Aufgabenstellungen. Hinzu kommen Wanderungen und strukturelle Veränderungen in vielen Lebensbereichen, die nicht nur räumliche, sondern auch soziale und organisatorische Muster und Strukturen neu prägen. So entsteht mancherorts Wachstum; in anderen Räumen herrschen Stagnation oder Schrumpfung. Standortfaktoren für die Attraktivität und Lebensqualität eines Ortes, so wie etwa Erreichbarkeit, Infrastrukturausstattung, digitale Vernetzung, soziale Gemeinschaft und naturräumliche Potenziale stehen auf dem Prüfstand und entscheiden über die Zukunft der Gemeinden. Dabei besitzt die Bandbreite zwischen zentralen, gut angeschlossenen Orten einerseits und peripheren, abgehängte Räumen andererseits eine Vielzahl an Schattierungen. Dies wirft für die Gemeinden essentielle Fragen auf, die aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Bewertungen beantwortet werden müssen. Zentrale Themen sind u.a.:

Wie verändert die Digitalisierung das Leben und Arbeiten auf dem Land?

Welche alternativen Wege kann es für Nahversorgung, Bildungssysteme und Gesundheitswesen geben?

Wie geht man mit aktuellen und zukünftigen demografischen Prozessen um und welche (Gleich-)Wertigkeit hat und braucht das Land?

Wir sind der Auffassung, dass städtische und ländliche, zentrale und periphere, wachsende und schrumpfende Räume je nach ihren spezifischen Rahmenbedingungen und Potenzialen unterschiedliche Lösungsansätze und Instrumente brauchen und nicht einheitlich behandelt werden dürfen. 

Außerdem gehen wir davon aus, dass die Betrachtung einer Situation aus verschiedenen Blickwinkeln einen Mehrwert generiert und zu besseren, langfristig tragfähigeren Lösungen führt. Deshalb arbeiten die Fachrichtungen Architektur, Bauingenieurwesen und der Fachbereich Sozialwissenschaften gemeinsam an den Aufgabenstellungen des ländlichen Raums. 

Forschung und Lehre sind für uns eng miteinander verbunden. Dazu gehört auch der Schritt in die Praxis, das heißt zu den Kommunen, Gemeinden und Kreisen im ländlichen Raum. Gemeinsam mit Partnern aus der Region und den lokalen Akteuren vor Ort ist es unser Ziel, integrierte, zukunftsweisende Lösungswege aufzuzeigen, zu erproben und so strategische Antworten für die Herausforderungen ländlicher Räume zu finden.

Studie: Bildung in der Region Koblenz-Mittelrhein vor dem Hintergrund des demografischen Wandels

Im Juni 2017 veröffentlichten Prof. Dr. Steffen Kröhnert (Projektleiter) und Frau Jana Wirz M.A. (wissenschaftliche Projektmitarbeiterin) eine Studie, die den gegenwärtigen Zustand und die künftigen Herausforderungen an das Bildungssystem in der Region Koblenz-Mittelrhein vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung analysiert. Die Studie geht dem in vier Teilen nach: Einer Analyse der demografischen Entwicklung folgt ein Vergleich der Ergebnisse des Bildungssystems von Rheinland-Pfalz mit jenen anderer Bundesländer sowie eine vergleichende Bewertung unterschiedlicher Regionen innerhalb des Bundeslandes. Schließlich wird das Ergebnis einer Reihe qualitativer Experteninterviews in der Region Koblenz-Mittelrhein dargestellt.

Die komplette Studie "Bildung in der Region Koblenz-Mittelrhein vor dem Hintergrund des demografischen Wandels" kann hier heruntergeladen werden.

Kernstadt Cochem

Das Projekt beschäftigt sich mit der Analyse von typologischen Mustern historischer, mittelalterlicher Stadtstrukturen sowie deren zukunftsfähiger Weiterentwicklung. Es werden Lösungsvorschläge für die Altstadt von Cochem entwickelt, die dem Anspruch an zeitgemäßes Wohnen und ggf. Arbeiten für alle Generationen genügen.

Der Stadtgrundriss basiert im Wesentlichen auf der mittelalterlichen Struktur mit engen Gassen und dichter Bebauung. Diese genügen oft nicht den Ansprüchen an zeitgemäßes Wohnen und Arbeiten. Hinzu kommt, dass viele Obergeschosse über die darunterliegenden Geschäfts- und Gastronomiebereiche erschlossen werden. Die fehlende Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten erschwert die Vermietbarkeit der Immobilien. In der Folge entstehen Leerstände und oft dienen die historischen Fassaden nur noch als Kulisse. Auch an den Rändern des Stadtkerns sind aufgrund der schwierigen topographischen Lage an den steilen Felshängen zum Burg- und Klosterberg zahlreiche Gebäude ohne Nutzung.

Die studentischen Arbeiten widmen sich den typischen Herausforderungen historischer Altstädte und entwickeln Lösungen z.B. für einen geschickten Umgang mit der räumlichen Enge und schwierigen Topografien, dem Wunsch nach privaten Freiflächen, guter Belichtung, privater Erschließung sowie den Anforderungen an Barrierefreiheit.

Initiative Kyllburg

Welche Impulse braucht der historische Ortskern Kyllburgs im Eifelkreis Bitburg-Prüm? Trotz der historisch wertvollen Bausubstanz, dem romantischen Flair und der naturräumlich schönen Lage leidet die knapp 1.000 Einwohner große Gemeinde unter einem strukturellen Funktionsverlust, der v.a. im historischen Teil mit Leerstand einhergeht. Die wirtschaftlichen Impulse, die früher durch die Bedeutung als Luftkurort herrührten, sind zurückgegangen. Ehemalige Hotels stellen nun großflächige Leerstände in prominenten Lagen dar. Auch die alte Mühle auf der Mühleninsel hat ihre Funktion verloren.

In einem zweitägigen Vor-Ort-Workshop befassten sich die Studierenden des 5. Semesters Architektur mit historischen, ortsspezifischen, freiräumlichen und architektonischen Aspekten des Ortes und spürten dem Genius Loci nach.

Neben Vorschlägen für die Neugestaltung prägnanter öffentlicher Räume sind v.a. freizeitorientierte und touristische Ansätze entstanden sowie Umnutzungskonzepte für wichtige Einzelgebäude. Allen Entwürfen gemeinsam ist das Ziel einer Neubelebung der derzeit vernachlässigten Orte. Indem die Ideen an den originären Potenzialen der Räume bzw. Gebäude ansetzen und diese wieder in einen neuen Zusammenhang einbinden, kann es zu einer Neubewertung und Neubesetzung der Räume kommen.

Die Konzepte möchten als vielfältige Anregungen dienen, um über die Nutzung und Gestaltung der Orte, Freiräume und Gebäude in der Kleinstadt nachzudenken und so als Diskussionsanstöße zur weiteren Entwicklung beitragen.

Mitte Moselsürsch

Über Jahrhunderte prägte die landwirtschaftliche Nutzung die Siedlungs- und Landschaftsstruktur in den ländlichen Räumen. Im Zuge des Strukturwandels fallen viele dieser Arbeitsplätze weg, sodass die Bewohner kleiner Ortschaften wie Moselsürsch ihren Lebensunterhalt andernorts bestreiten müssen. Abwanderung, demografischer Wandel, Leerstand und ein struktureller Funktionsverlust schlagen sich in der 400 Einwohner-Gemeinde nieder.

Wie kann die Lebensqualität trotzdem gesichert werden? Wie können die Bedürfnisse nach wohnortnaher Versorgung, (Kinder- / Alten-) Betreuung, Vereinsleben, nachbarschaftlichen Kontakten und Gemeinschaft erfüllt werden? Entstehen Synergien für unterschiedliche Interessen in verschiedenen Bevölkerungsgruppen? Wie partizipiert der Einzelne an der Gemeinschaft und umgekehrt?

Diesen Fragen spüren die Studierenden in ihren Bachelor-Abschlussarbeiten nach und entwerfen Vorschläge für ein multifunktionales Zentrum zur bürgernahen Teilversorgung in der Ortsmitte.