Presse Gigantisch: Prof. Dr. Johannes Stolz prüft ein über 20 km langes Hochspannungskabel in Abu Dhabi

Die Professorinnen und Professoren der Hochschule Koblenz können so gut angewandte Wissenschaften lehren, weil sie aus der Praxis kommen - und auch immer mal wieder dorthin zurückkehren. So hilft etwa Prof. Dr. Johannes Stolz aus dem Fachbereich Ingenieurwesen manchmal bei seinem früheren Arbeitgeber aus und fliegt für Großprojekte rund um die Welt. Gerade ist er in Abu Dhabi, wo er mit einem internationalen Team aus zehn Nationen und einem fast unvorstellbaren logistischen Aufwand das bisher weltweit längste 400 kV AC-Hochspannungskabels prüft. Er hat nun Bilder und einen ausführlichen Bericht an seine Hochschule zuhause geschickt.

  • Das internationale Test Team aus sieben Firmen und zehn Nationen.Vorne rechts sitzend: Prof. Dr. Johannes Stolz

  • Hochspannungsprüfaufbau für 374kV, 280A Kabelprüfung

ABU DHABI, UAE: „Mission accomplished“ krächzte der Lautsprecher aus dem Kontrollraum des mobilen Resonanzprüfsystems von Haefely-Hipotronics. Die Prüfung des bisher weltweit längsten 400 kV AC-Hochspannungskabels verlief erfolgreich. Nur Seekabel erreichen bei Vor-Ort-Prüfungen noch grössere Leitungslängen.

Die Prüfleistung von etwa 105MVA entspricht dem Leistungsbedarf einer Großstadt von etwa 200.000 Einwohnern. In vielen Belangen erreichte das Prüfsystem gigantische Dimensionen: Vier Diesel-Generatoren mit einer Gesamtleistung von 5.5MW dienten als Einspeisung. Dafür wurden 8 Prüftrucks aus dem gesamten mittleren Osten zusammengezogen. Da die vier eigenen Prüfsysteme nicht ausreichten, wurden diese durch vier weitere von anderen Prüfdienstleistern und anderen Prüfmittelherstellern ergänzt. Die Steuerung und Leistungsbereitstellung des gesamten Prüfsystems erfolgte durch die beiden Haefely-Hipotronics Power-Container. All das war notwendig, um das 20.5 km lange AC-Hochspannnungskabel mit einer Prüfspannung von 374 kV prüfen zu können. Wie massiv der logistische Aufwand war, zeigt sich alleine in der Menge des Prüfequipments: Insgesamt wurden 16 LKW-Ladungen, ein 10 Tonnen Kran und zwei 100 Tonnen Kräne benötigt, um das Prüfsystem auf der Baustelle aufzubauen. Daher kann die Prüfung auf ein Wort reduziert werden: Gigantisch!

Nach Abschluss der Prüfung waren alle Teilnehmer sehr froh und erleichtert, dass die Prüfungen so erfolgreich verliefen. Dies war jedoch nur möglich durch eine grandiose Teamleistung aller beteiligten Personen aus unterschiedlichen Firmen und Nationen: Transco als Betreiber des Übertragungsnetzes, Viscas als Kabelhersteller, Lahmeyer International als Consultant für die Abwicklung des Projekts, JEP für die Prüfung und die Vor-Ort-Arbeiten in Zusammenhang mit den Prüfungen, Siemens für die Ankopplung an die 400 kV gasisolierte Schaltanlage und Haefely-Hipotronics sowie die Hochschule Koblenz für die technische Unterstützung mit dem Prüfsystem.

Das Hochspannungskabel wird in naher Zukunft dazu dienen, den weiter steigenden Energiebedarf des Emirats Abu Dhabi zu sichern, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Daher ist diese Prüfung auch nicht das Ende der Fahnenstange für solch lange Kabelstrecken, denn die nächsten Prüfungen stehen schon an. Eine weitere, gleich lange Strecke wird in wenigen Monaten geprüft, zwei weitere Strecken sind noch im Ausbau.