Experience Reports Sophie Kühne at Brock University, St. Catharines, Canada

Allgemeine Informationen

Die Brock University befindet im 130.000 Einwohner-Ort St. Catharines in der kanadischen Provinz Ontario. Da die Stadt zwischen dem Lake Erie und Lake Ontario liegt, ist das Klima für kanadische Verhältnisse sehr warm, weshalb vor allem die Weinfans in dieser Region auf ihre Kosten kommen sollten. Denn in unmittelbarer Nähe der Stadt befinden sich zahlreiche Weingüter, die für ihre Eisweine weltberühmt sind.

St. Catharines verfügt über ein kleines, beschauliches Zentrum mit vielen Restaurants, Pubs, Clubs und Bars, die sich vornehmlich auf der St. Paul Street befinden. Das schönste Fleckchen der Stadt liegt im Norden am Hafen Port Dalhousie, wo man im Sommer im Lake Ontario baden gehen und am Strand liegen und den Abend in einer der zahlreichen Kneipen verbringen kann.

An der Brock University studieren etwa 17.500 Studenten, wovon knapp 1.800 Studenten aus dem Ausland kommen. Den Hauptanteil machen dabei Studenten aus China aus. Für mich überraschend war die große Anzahl an deutschen Austauschstudenten, weshalb man sehr häufig auf deutsches Stimmengewirr am Campus trifft.

Studieren

Den zentralen Punkt des Campus bildet der Schmon Tower, welcher überall auf dem Gelände zu sehen ist. In dem Turm ist die Universitätsbibliothek beheimatet, wo man neben zahlreichen Lesestoff zudem sehr viel Ruhe und Platz zum Lernen finden kann.

Auch sonst fehlt es den Studenten an nichts. Auf Grund ihrer erst jungen Geschichte ist die Uni sehr modern und stetig am wachsen. Es gibt einen großen Bookstore mit einer riesigen Merchandisingecke, zahlreiche Food Courts und Kaffeestände, ein Fitnessstudio, eine eigene Schwimmhalle (die kann zu bestimmten Uhrzeiten kostenlos benutzt werden), ein Centre for the Arts, welches u.a. Theater- und Konzertangebote bereitstellt und nicht zuletzt das International Office, welches stets mit Rat und Tat zur Seite steht sowie viele Trips und Veranstaltungen organisiert. Wenn man sich mit der Fächerwahl auseinandersetzt, dann wird man sehr schnell feststellen, dass die Auswahl um ein Vielfaches höher ist als am RheinAhrCampus, aber glücklicherweise auch fast alle Studiengänge vertreten sind. Gewählt werden muss zwischen drei bis fünf Fächern, wobei ich empfehlen kann, nicht mehr als vier zu belegen, da der Aufwand für jedes Fach deutlich höher ist als am RAC. Es müssen neben Zwischen- und Endprüfungen sehr viele Referate gehalten, Hausarbeiten geschrieben und wissenschaftliche Texte gelesen werden. Zudem ist es üblich, dass neben den normalen Vorlesungen Seminare in kleineren Gruppen abgehalten werden, bei denen die Mitarbeit mit in die Benotung einfließt.

Tipp: Bei eurer Fächerwahl solltet ihr euch nicht nur über Anzahl und Inhalt Gedanken machen, sondern auch, ob es sich um ein Fach z.B. aus dem ersten oder dritten Studienjahr handelt. Denn erfahrungsgemäß ist der Anspruch und Umfang der „First year"-Kurse um ein Vielfaches geringer als bei denen aus den höheren Semestern.

Studentisches Leben und Feiern

Prinzipiell hat man als Austauschstudent sehr viel mehr mit anderen Austauschstudenten als mit den Kanadiern zu tun. Das wird vor allem durch die Aktivitäten verstärkt, die das International Office veranstaltet, wodurch sich sehr schnell eine große internationale Community bildet. Für mich war es eine ganz besondere Erfahrung mit Menschen aus der ganzen Welt Reisen, Feten und Veranstaltungen zu erleben.

Die Universität veranstaltet jeden Donnerstag auf dem Campus die berühmt-berüchtigten „Isaac's Parties", die vor allem sehr gut bei den kanadischen Studenten aus dem ersten Jahr ankommen. Neben den Universitätsfeiern gehen die Studenten vornehmlich in Clubs und Bars des Stadtzentrums oder feiern zu Hause mit den typischen roten und blauen Plastikbechern, großen Bierfässern (beer keg) und lustigen Trinkspielchen. Ich kann jedem nur raten, überall mal dabei gewesen zu sein. Das Gefühl, man erlebt gerade jegliche Klischee, die sich durch amerikanische Teeniefilme manifestiert haben, beschleicht einen immer wieder.

Reisen

Das Reisen hat für viele Austauschstudenten oberste Priorität und ist folglich einer der Hauptgrund, warum die Meisten die heimischen Gefilde in Richtung Ausland verlassen.

St. Catharines ist als Ausgangspunkt für Trips in alle Himmelsrichtung ein idealer Ort, denn man kann nicht nur Kanada prima erkunden, sondern muss gerade mal 40 km überwinden, um die US-amerikanische Grenze zu erreichen. In unmittelbarer Nähe von St. Catharines befinden sich die Niagarafälle, Buffalo und Toronto. Mit etwas mehr Zeit im Gepäck sind Wochenendtrips bzw. Wochenreisen nach Ottawa, Montréal, Quebec City und dem wunderschönen Algonquin Park gut per Auto oder Bus zu erreichen.

Wer mit dem Flugzeug Ziele wie Chicago, New York, Boston und Co. ansteuert, sollte nach günstigen Flügen von Buffalo (für US-amerikanische Ziele) und Toronto (für kanadische Ziele) Ausschau halten.

Wer auf Natur und Camping steht, dem kann ich die Anmeldung beim Outdoor Club der Brock Universität (http://www.brockoutdoors.ca/) empfehlen. Der Club organisiert verschiedene Abenteuerreisen in die Wildnis für ein relativ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Tipp: Kostenlose Straßen- und Landkarten gibt es für alle ADAC-Mitglieder in den Büros von AAA/CAA (eines existiert auch in St. Catharines). Wer mit dem Bus reisen möchte, sollte nicht nur die Angebote von Greyhound und Coach Canada betrachten, sondern auch den Internetauftritt von Megabus (www.megabus.com) inspizieren. Mit diesem Unternehmen kann man, wenn man lang genug im Voraus bucht, für wenig Geld weite Strecken in Kanada und den USA zurücklegen (Ich bin für 12$ von Toronto nach New York gefahren).

Wohnen/ Unterkunft

Studenten vom RheinAhrCampus wohnen normalerweise nicht auf dem Campus. Die Alternative sind WG's off-campus, die ich persönlich auch voll und ganz empfehlen würde. Traditionell wohnen nämlich in den Studentenwohnheimen „First year"-Studenten, welche zwischen 17 und 20 Jahre alt sind, ausgiebige „Teenie-Parties" sind daher an der Tagesordnung.

Beliebte Off-Campus Wohngebiete in St. Catharines sind die Gegenden um der Glendridge Avenue, in Thorold und im Stadtzentrum.

Anders als in Deutschland bewohnt man mit seiner Wohngemeinschaft ein komplettes Haus und hat vier bis acht Mitbewohner. Der Wohnstandard kann von Haus zu Haus sehr unterschiedlich ausfallen, ist aber in den meisten Fällen etwas niedriger als in Deutschland. Die Mietpreise fallen hingegen ähnlich wie in Remagen aus.

Generell sollte man etwa zwei Wochen vor Studienbeginn in St. Catharines ankommen, um sich vor Ort verschiedene Wohnungen anzuschauen. Wer sich bereits von zu Hause aus online eine Wohnung suchen möchte, der muss unter Umständen mit bösen Überraschungen rechnen.

Da ich allerdings mein Zimmer auch online und ohne vorherige Besichtigung ausgewählt hatte und ein wunderbares Haus mit tollen Mitbewohnern vorfand, kann ich von der Online-Wohnsuche nicht komplett abraten. Empfehlenswert ist aber, dass ihr euch vorher Bilder vom Haus zuschicken lasst.

Auf den Internetplattformen www.brocku.ca/ocl und www.craigslist.org könnt ihr nach geeigneten Angeboten stöbern und auch eigene Anfragen schalten. Außerdem ist es hilfreich, wenn ihr diversen studiVZ- und Facebook-Gruppen beitretet, um auch dort die Augen nach Wohnungen offen zu halten.

Anreise/ Visum

Wer nur für ein Semester bzw. für maximal sechs Monate in Kanada bleiben und zudem nicht arbeiten möchte, der benötigt kein Visum und kann ohne weitere Vorkehrungen einreisen. Allerdings sollte man dann einen direkten Flug von Europa nach Kanada wählen, denn mit einem Zwischenhalt in den USA muss ein ESTA-Formula ausgefüllt werden.

Was gibt es generell zur Einreise in die USA zu sagen?

Da Deutschland ein teilnehmendes Land des Visum Waiver Program (VWP) ist, kann man in die USA für maximal 90 Tage am Stück ohne Visum reisen bzw. auch innerhalb der 90 Tage nach Belieben in die USA ein- und ausreisen. Dabei möchte ich aber ausdrücklich betonen, dass es immer Ermessenssache der US-Grenzbeamten ist, ob man letztendlich die Grenze passieren darf oder nicht. Ich hatte persönlich nur gute Erfahrungen gemacht.

Seit 2009 muss man, wenn man in die USA fliegen möchte, mindestens 72 Stunden vorher ein ESTA-Formular online ausfüllen (Link: ESTA-Formular). Ansonsten (wenn man also per Auto, Bus, Zug oder zu Fuß einreist) muss an der Grenze ein grünes Formular ausgefüllt und 6 $ entrichtet werden. Der grüne Zettel sollte rechtzeitig vor Ablauf der 90 Tage von den Grenzbeamten aus dem Reisepass entfernt werden.

Zusätzliche Tipps:

Handy:
Es lohnt sich auf jeden Fall eine kanadische Sim-Karte zu kaufen, denn das Versenden von SMS und Telefonieren könnte sonst sehr teuer werden. Die größten kanadischen Telefonanbieter sind Rogers und Bell. Allerdings wurde mir mehrmals bestätigt, dass es günstigere Optionen gibt. Ich hatte mir eine Sim-Karte von Rogers gekauft und zusätzlich einen Tarif abgeschlossen mit dem ich kostengünstig nach Deutschland SMS schreiben konnte. Achtung: Man bezahlt, anders als in Deutschland, nicht nur für jede versendete SMS sondern auch für jede eingehende SMS. Auslands-BAföG Wer kein Inlands-BAföG erhält, sollte trotzdem probieren Auslands-BAföG zu beantragen (für Kanada ist das BAföG-Amt in Ilmenau zuständig), denn aufgrund der hohen Studiengebühren und Flugkosten steigen die Chancen um ein Vielfaches. Im Internet kann mit dem BAföG-Rechner überprüft werden, ob ein Anspruch besteht und wie hoch die Förderung in etwa aufällt.

Facebook:
Wer noch nicht bei Facebook angemeldet ist, sollte dies vor seinem Auslandssemester unbedingt machen, denn alle internationalen Studenten kommunizieren und planen Reisen und Feiern über diese Plattform.

Kreditkarte:
Das Beantragen einer eigenen Kreditkarte ist ein Muss, denn nur kleinere Beträge werden in den USA cash bezahlt. Wenn man allerdings größere Beträge begleicht, Hotels bucht oder Autos mietet, dann ist eine Kreditkarte ein gängiges und überall akzeptiertes Zahlungsmittel. Ob es eine Visa Card oder Mastercard ist, spielt dabei keine Rolle. Günstige Konditionen bietet zum Beispiel Comdirect.

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