Experience Reports Jannis Reuter at Coastal Carolina University, Conway, SC, USA

Wie es dazu kam

Im vorletzten Sommer habe ich an dem Summer School Programm unserer FH teilgenommen. Dies ermöglichte es mir, für 3 Wochen das Studienleben an unserer Partneruniversität in Myrtle Beach kennenzulernen. Nach diesen 3 Wochen wollte ich mehr und entschied mich ein ganzes Semester an der Coastal Carolina University zu absolvieren. Die Universität liegt in South Carolina und ist eine halbe Stunde mit dem Auto vom Atlantischen Ozean entfernt. Die ständig wachsende Studentenzahl betrug im WS 2011/12 ca. 15 000, was einem am Campus aber nicht unbedingt auffällt. Um einer dieser 15 000 Studenten zu werden musste ich mich natürlich erst einmal bewerben und einige organisatorische Dinge regeln. Aber mit der stets verfügbaren Hilfe vom Bereich Sprachen/Internationales geht das relativ problemlos und sollte daher definitiv nicht der Grund dafür sein sich gegen ein Auslandssemester an der CCU zu entscheiden.

Vorbereitung

Um sich erfolgreich bewerben zu können, sollte man bereits den TOEFL Test absolviert haben, den man bei uns innerhalb eines Kurses kostengünstig und gut vorbereitet absolvieren kann. Als nächstes sollte man sich Gedanken über die Finanzierung machen, denn ohne Bescheinigung, dass man das nötige Kleingeld hat, ist es wohl nicht möglich sein Semester im sonnigen Myrtle Beach zu verbringen. Da die CCU eine unserer Partneruniversitäten ist, sind die zu zahlenden Studiengebühren für uns doch stark reduziert. So kamen auf mich Kosten von ca. 8 000 Euro zu. Durch Auslandsbafög blieben von diesen noch ca. 3 000 Euro übrig, die ich selbst tragen musste. Für Studenten, die keine Auslandsbafög erhalten, gibt es einige Möglichkeiten durch ein Stipendium unterstützt zu werden. Nähere Informationen dazu findet beim DAAD.

Wenn man dann für ein Semester angenommen wurde, ist der letzte wirklich aufwendige Teil das Beantragen des Visums. Da man in die USA einreist ist es recht umständlich bis man das begehrte J1-Visum in seinen Händen hält, aber man kann sich sicher sein, dass das bevorstehende Semester diesen Aufwand wert ist.

Die letzten Vorbereitungen sind dann die Kursauswahl, die man mit Bedacht auf seine bereits hier absolvierten Kurse treffen sollte, Flüge buchen (dafür kann ich www.swoodoo.com sehr empfehlen) und sich rechtzeitig online für ein Zimmer in den Studenten WGs registrieren (weitere Informationen dazu kommen mit der Zusage der CCU). Dann sind alle Vorkehrungen getroffen und euerm Semester an der Coastal Carolina University steht nichts mehr im Wege.

Das Leben an der CCU

Angekommen im höchst wahrscheinlich sonnigen Myrtle Beach geht es gleich zum nächsten WalMart um die wichtigsten Anschaffungen wie Bettdecke, Duschvorhang etc. zu machen. Am Campus bzw. in dem Studentenwohngebiet eine Meile entfernt herrscht ein wenig Chaos, da alle Studenten an einem Wochenende auf einmal einziehen. Wenn sich dieses allerdings gelegt hat, geht die Orientierungswoche mit vielen Veranstaltungen, auch extra für Auslandsstudenten, los. So erledigt man dann letzte organisatorische Feinheiten, trifft sofort Studenten aus aller Welt und schließt die ersten Freundschaften. Nachdem man seinen Stundenplan im International Office abgeklärt hat geht dann das Leben als Student an der CCU so richtig los.

Ihr verbringt eure Zeit auf dem riesigen Campus in einem der vielen Lehrgebäude, der Bibliothek, der All-you-can-eat Mensa, dem Studentcenter, in dem ihr die Wahl zwischen Billiard, Tischtennis, Videospielen oder einfach nur Chillout Ecke habt, dem Fitnessstudio oder auch der Schwimmhalle. Wenn ihr mal nicht an den Campus müsst und euch im Studentenwohngebiet vergnügen wollt stehen euch Basketballcourts, Beachvolleyballfelder, zwei weitere Fitnessstudios oder auch zwei Swimmingpools zur Auswahl. Wem das noch nicht genug ist, der kann auch mit dem Auto zum 30 Minuten entfernten Ozean fahren, sich beim Golf versuchen (Myrtle Beach ist eine der größten Golfgebiete der USA mit mehr als 100 Golfplätzen) oder am Broadway at the Beach bis in die Nacht Party machen. Für reichlich Beschäftigung ist also gesorgt. Neben diesen alltäglichen Angeboten hat die Universität, mit dem Chanticleer als Maskottchen, noch viele weitere Events und Erfahrungen zu bieten, die man ohne ein Auslandssemester teilweise wohl nie erleben würde. Dazu gehören Sportereignisse wie die Footballspiele der Coastal Carolina Chants im eigenen Stadion, die Basketballspiele des Frauen- und Männerteams in der wohl zum WS 12/13 fertiggestellten neuen Arena oder auch Musicalaufführungen im universitätseigenen Theater.

Bei dieser gebotenen Vielfalt kann es durchaus mal vorkommen, dass es dem einen oder anderen schwer fällt sich auf das eigentliche Studium zu konzentrieren. Man sollte deshalb immer im Hinterkopf behalten, dass das amerikanische Studium vom Ablauf her vergleichbar mit unsere Schulbildung ist. Es werden über das Semester verteilt Tests geschrieben, Präsentationen oder Aufsätze fällig und am Ende steht meistens eine Abschlussprüfung an. Das Semester über ab und zu mal zu einer Vorlesung gehen und dann am Ende die Prüfung schreiben funktioniert in den USA nicht. Im Unterricht ist Anwesenheitspflicht und unentschuldigtes Fehlen führt schnell zu einer schlechteren Endnote. Wen das aber nicht stört wird ein vier monatiges Semester haben, das er garantiert nie vergessen wird.

Sonstige Tipps für ein einzigartiges Semester

Kreditkarte ist Pflicht! Ihr könnt in den USA nahezu alles mit einer Kreditkarte bezahlen und habt keine Sorgen mit Bargeld abheben. Ich habe die Kreditkarte von Amazon und bin vollkommen zufrieden aber habe auch kein Bargeld mit ihr abgehoben und daher keine Erfahrungen in der Hinsicht. Wer sich die Kreditkarte der DKB holt, sollte sich genau damit beschäftigen wie diese funktioniert. Sie ist kostenlos aber funktioniert ein wenig anders als herkömmliche Kreditkarten.

Bargeld bei der eigenen Bank in Deutschland tauschen! Da bekommt man den besten Kurs und erspart sich den Frust zu einem deprimierenden Kurs in den USA zu tauschen.

Roller oder Gebrauchtwagen! Wenn ich etwas in dem Semester bereue, dann dass ich kein eigenes Fahrzeug hatte. An der CCU ist man ohne Gefährt doch recht eingeschränkt, da die Universität nicht direkt in einer Stadt liegt und u.a. größere Einkaufsmöglichkeiten ein paar Meilen entfernt sind. Öffentliche Verkehrsmittel sind eher Fehlanzeige und ein Auto oder Roller macht das Leben erheblich leichter. Da ein Mietwagen auf die Dauer recht teuer wird, ist es am billigsten einen Gebrauchtwagen zu kaufen um ihn dann 4 Monate zu nutzen und danach wieder zu verkaufen. Ein befreundeter Austauschstudent hat dies gemacht, allerdings ist zu erwähnen, dass es recht aufwändig ist einen fairen Deal zu machen und ein wenig Ahnung von Autos kann auch nicht schaden.

Thanksgiving Break für eine atemberaubende Reise nutzen! Ich habe mit 4 weiteren deutschen Austauschstudenten, die ich an der CCU kennengelernt habe, eine Kreuzfahrt in die Karibik gemacht. Das Ganze hat umgerechnet 450 Euro gekostet und ist einfach ein grandioses Erlebnis. Ich kann nur jedem empfehlen ca. 500 Euro zur Seite zu legen und eine amerikanische Kreuzfahrt zu machen. Sie wird unvergesslich.