Prof. Georg A. Poensgen
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Exkursion mit Seminar zur Architekturbiennale in Venedig

Venedig ist „das außergewöhnlichste städtebauliche Ereignis, das auf der Erde existiert.“  Le Corbusier, 1962 (1)

 

„Eine Biennale, noch dazu im August in Venedig, kann ziemlich anstrengend sein. Lange Wege, zu viel Hitze in verdunkelten Videoräumen in denen selten Bänke stehen. Warteschlangen vor einigen Länderpavillons an den Theken der wenigen Cafés und, man mag es kaum erwähnen, vor den Toiletten sowieso. Wer sich vom Stress des Kunstguckens zwischendurch erholen will, dem sei eine Pause vor Ort empfohlen, natürlich mit Kultur. In diesem Fall mit Baukunst, die gleichzeitig Bau- und Biennale-Geschichte ist und noch dazu eine Oase der Ruhe inmitten der Biennale.“(2) Die Baukunst Venedigs ist geprägt durch die „Palazzi“, die ehemaligen Residenzen der Nobili. Am Canal Grande ballen sich seit dem Spätmittelalter die repräsentativen Palastbauten nobler Familien. „Zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstanden im Stil der Gotik die ersten Paläste, die mit ihren Loggien und Balkonen, sowie den drei Geschossen, dem „Portego“, dem „Piantereno“ und dem “Piano nobile“, bis heute prototypisch sind.“(3) Bis ins 18. Jahrhundert hielt man sich grundsätzlich an diesen traditionellen Bautypus. Doch beeinflusste reger Austausch mit anderen Regionen und Kulturen den venezianischen Baustil ebenso wie die eingesetzte Renaissance, der Barock oder später der Klassizismus. Wenn man die traditionelle Baukunst Venedigs mit der modernen Architektur zusammen betrachtet, ist der Name des Architekten Carlo Scarpa (1906-1978) hervorzuheben. Ihm gilt neben den historischen Gebäuden Venedigs ein ganz besonderes Augenmerk. Scarpas Interesse gilt nicht in erster Linie dem Bauwerk als solchem, sondern dem Raum, den er mit seiner Architektur neu gestaltet und inszeniert. „Zu seinen Entwurfsmaximen zählen vor allem seine besondere Wertschätzung gegenüber der Natur, seine Zuneigung zur japanischen Architektur, zur Inneneinrichtung und Gartenkunst, sein subtiler Umgang mit dem vorgefundenen Ort und die bewusste Hervorhebung der handwerklichen Tradition, seine Akribie bei der Behandlung der architektonischen Details, sowie die hohen haptischen Qualitäten der von ihm ausgesuchten Materialien“.(4) Scarpa beeinflusst mit seinem Stil, der immer wieder neue, bis dahin unbekannte Lösungen für traditionelle Bauaufgaben findet, junge Architekten in ganz Europa.

Genau hinsehen; das ist wichtig, um von dieser unvergleichbaren Urbanität dieser Stadt zu lernen. Dabei soll der Blick auf zusammenhängende Raumerlebnisse, proportionale Dimensionen und eingesetzte Materialien, bis hin zu konstruktiven Details, gelenkt werden. Außerdem ist die Bewegung durch den Raum, sowie die Vermittlung der Architektur im Maßstab 1:1, von entscheidender Bedeutung, um den genuis loci, den Geist des Ortes, begreifbar zu machen. Unser Entwurfsseminar “freespace“, welches parallel an der Hochschule zum Thema der Biennale durchgeführt wird, soll in diesem Zusammenhang unsere Studierende sensibilisieren für ihre zukünftigen Entwurfs- und konstruktiven Aufgaben. Es empfiehlt sich – bei all den optischen Reizen der Wege und Plätzen, der kleinen Details oder den räumlichen Eindrücken – die Gedanken festzuhalten und beispielsweise in einem Skizzenbuch mit schnellen Strichen zu illustrieren. Es wird für ein späteres Erinnern eine unverzichtbare Quelle sein, viel stärker in ihrer Aussagekraft als jedes digitale Foto. In diesem Sinne wird die Exkursion, als auch der Besuch der Architekturbiennale „freespace“, ein Erlebnis der besonderen Art werden.

Das wünsche ich Euch von Herzen.

Prof. Georg A. Poensgen

 
(1) (Zitat nach Stanislaus von Moos: Le Corbusier und Venedig)
(2) Venedig-Geheimtipps Schwung im Dach, Treppe in der Schwebe von Ingeborg Wiensowski, Spiegel-online, 2011
(3) venedig - BerührungsPUNKTE, gambit marketing & communication, 2014
(4) wikipedia.org/wiki/Carlo_Scarpa, 2018

Organisationsteam:

Prof. Georg A. Poensgen, Linda Hegenberg, Laura Niemann-Delius