Aktuelles Ringvorlesung Biomathematik am RheinAhrCampus startet am 10. Oktober

Im Rahmen der "Kleine Fächer-Wochen" fördern die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Studiengang Biomathematik im Fachbereich Mathematik und Technik am Standort RheinAhrCampus Remagen der Hochschule Koblenz. Um diesen ebenso seltenen wie zukunftsorientierten Studiengang in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen, findet unter anderem eine hochkarätig besetzte Ringvorlesung statt. Darin gewähren erfahrene Biomathematikerinnen und Biomathematiker aus Wissenschaft und Wirtschaft ganz verschiedene Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Den Auftakt macht PD Dr. Norbert Benda vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), der am 10. Oktober über „Die Rolle der Statistik in der Arzneimittelzulassung“ sprechen wird. Die folgenden Vorträge finden am 24. Oktober, 7. November und 12. Dezember 2019 jeweils um 17 Uhr in Raum C125 in der Joseph-Rovan-Allee 2 in 53424 Remagen statt. Den Abschluss der Ringvorlesung bildet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Datenethik in der Medizin“, zu der sich bereits Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, angekündigt hat.

In seinem Vortrag „Die Rolle der Statistik in der Arzneimittelzulassung“ am Donnerstag, 10. Oktober, erläutert PD Dr. Norbert Benda die biostatistische Bewertung klinischer Studien zur Erlangung einer Marktzulassung in der Europäischen Union an Hand spezifischer statistischer Themen. Wichtige statistische Probleme in der Arzneimittelzulassung beziehen sich beispielsweise auf die statistische Versuchsplanung, das multiple Testen und adaptive Designs, die Behandlung fehlender Werte und die Definition der sogenannten Estimands. Der Vortrag umreißt die regulatorischen Anforderungen an das Studiendesign und die statistische Auswertung, zeigt statistische Mängel und deren Bewertung auf und gibt damit einen Einblick in die Arbeitsweise eines statistischen Assessors einer Zulassungsbehörde.

Am Donnerstag, 24. Oktober, steht der Vortrag „Wie verstehen wir was andere tun? (Und wie kann man das einem Roboter beibringen)?“ auf dem Programm. Es referiert Prof. Dr. Florentin Wörgötter, der an der Georg-August-Universität Göttingen am Bernstein Center for Computational Neuroscience tätig ist. Menschen können eine Vielzahl komplexer (Manipulations-)Handlungen mit zahllosen Objekten durchführen. Sie können Vorhersagen über das Resultat ihrer Handlungen machen und auch erschließen, wie man neue, unbekannte Objekte verwenden könnte. Menschen haben also exzellentes Handlungs- und Objektverständnis. Roboter und andere künstliche Systeme können das alles (noch) nicht. „In den letzten Jahren haben wir untersucht, welche Repräsentation in der Lage ist, Handlungen so zu fassen, dass Mensch und Maschine in gleicher Weise davon profitieren. Wir können nun zeigen, dass es möglich ist, menschliche Handlungen besser zu beschreiben und damit auch Robotern ein gewisses Maß an Handlungsverständnis beizubringen“, so Wörgötter.

Am Donnerstag, 7. November, spricht Prof. Dr. Holger Fröhlich von der Universität Bonn über „Chancen und Herausforderungen für die Künstliche Intelligenz in der Medizin“. Künstliche Intelligenz (KI) durchdringt alle Lebensbereiche, vor allem auch die Medizin und Gesundheitsversorgung. Fröhlich erforscht neue KI-Methoden, um bessere Diagnose- und Therapieansätze aus medizinischen Daten abzuleiten und damit eine bessere Patientenversorgung zu ermöglichen. In diesem populärwissenschaftlichen Vortrag wird er anhand eigener Erfahrungen über Möglichkeiten und auch die Herausforderungen in diesem wichtigen Zukunftsbereich informieren.

„Pharmakometrie: Wie Daten, Biologie und Mathematik klinische Studien entscheidend beeinflussen“ lautet der Titel des Vortrags, den Dr. Benjamin Engelhardt am Donnerstag, 12. Dezember 2019, am RheinAhrCampus Remagen hält. Die Entwicklung neuer Medikamente ist ein sehr aufwändiger Prozess, insbesondere bei der Bestimmung der richtigen Dosierung. In klinischen Studien werden dazu wichtige Daten erhoben. Diese werden mit Computersimulationen verknüpft, um die Aufnahme, Ausbreitung und Wirkung eines Medikaments im Körper zu verstehen und optimale therapeutische Strategien zu ermitteln. Darüber hinaus sind pharmakometrische Analysen ein wichtiger Bestandteil heutiger Arzneimittelzulassungsverfahren. Engelhardt, Absolvent der Hochschule Koblenz, ist Biomathematiker und arbeitet als Pharmakometriker bei der AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG. Er wird in diesem allgemeinverständlichen Vortrag erklären, wie mathematische Methoden in datengetriebener Weise biologische Wirkungen vorhersagen und optimieren können.

Mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Datenethik in der Medizin“, zu der sich bereits Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, angekündigt hat, findet die Ringvorlesung am Mittwoch, 22. Januar 2020, um 17 Uhr ihren Abschluss am RheinAhrCampus Remagen.

„Die Fülle der Themen dieser Ringvorlesung zeigt, wie breit das Tätigkeitsfeld einer Biomathematikerin oder eines Biomathematikers ist. Entsprechend bietet unser Studiengang Biomathematik an der Schnittstelle von Mathematik, Biowissenschaften und Medizin den Studierenden ganz vielfältige Inhalte und hervorragende berufliche Perspektiven“, betont Prof. Dr. Markus Neuhäuser, Dekan des Fachbereichs Mathematik und Technik.

Weitere Informationen über den Studiengang Biomathematik an der Hochschule Koblenz und die „Kleine Fächer-Wochen“ finden sich im Internet unter www.hs-koblenz.de/biomathe.