Starke Frauen an der Hochschule Koblenz Dr. Fabienne Köller-Marek, Kanzlerin der Hochschule

Seit Oktober 2020 ist Dr. Fabienne Köller-Marek Kanzlerin der Hochschule Koblenz und damit Herrin über den Haushalt der Bildungseinrichtung und die Verwendung und Verteilung von Mitteln. Darüber hinaus sind ihre Aufgaben vielfältig: Sie fungiert als Dienstvorgesetzte für das nichtwissenschaftliche Personal, ist zuständig für die Rechtsangelegenheiten, die von Kooperationsverträgen über Prüfungsrecht bis hin zu haushalterischen Rechtsfragen reichen. Und ganz aktuell bestimmt auch Corona ihren Arbeitsalltag enorm. Köller-Marek kümmert sich um die Planung und Organisation der aus Sicht der Pandemiebekämpfung notwendigen Maßnahmen zur Sicherstellung des Hochschulbetriebs. Langeweile kommt da nicht auf, ganz im Gegenteil.

Interview mit Frau Dr. Köller-Marek

Zum einen bin ich Beauftragte für den Haushalt, also für die Verteilung und Verwendung von Mitteln. Zum andern bin ich Dienstvorgesetzte für das nichtwissenschaftliche Personal. Dann bin ich zuständig für die Rechtsangelegenheiten, die von Kooperationsverträgen über Prüfungsrecht bis hin in zu haushalterischen Rechtsfragen reichen. Ganz aktuell gehört zu den übernommenen Aufgaben die Planung und Organisation der aus Sicht der Coronabekämpfung notwendigen Maßnahmen zur Sicherstellung des Hochschulbetriebs. Es sind also sehr vielfältige Aufgaben.

Ich habe keinen stringenten Werdegang in Richtung Leitung einer Hochschule, sondern habe in den letzten 15 Jahren beruflich gewechselt zwischen Wissenschaft und Verwaltung. Begonnen habe ich ganz klassisch als Rechtsanwältin, bin dann aufgrund meiner Vorliebe für die Wissenschaft ins Forschungszentrum Jülich gewechselt, von dort in die Forschungspolitik und danach zurück in den wissenschaftlichen Bereich in die Professur an der technischen Hochschule in Bochum. Dort habe ich mich im Hochschulalltag immer stärker für Hochschulverwaltung begeistert und mich dann als Kanzlerin hier beworben, um eine Hochschule nicht nur von innen, sondern aus der Leitungsperspektive kennen zu lernen. Die klassische Wissenschaft ist insgesamt schon eher männerdominiert. Aber es gibt in allen Ebenen auch genügend Räume für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftsmanagerinnen, Leiterinnen von Verwaltungsabteilungen sowie Mitarbeiterinnen, die Interesse und Freude daran haben, in diesem Bereich zu arbeiten. Gerade der Verwaltungsbereich von Wissenschaftseinrichtungen bietet ausgezeichnete Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In meinen bisherigen Tätigkeitsbereichen waren Frauen eigentlich immer unterrepräsentiert, trotzdem konnte ich ganz unabhängig vom Geschlecht meinen eigenen individuellen Weg finden.

Wichtig sind: Mut und der feste Glaube daran, dass man alles schaffen kann. Das Nichtzurückschrecken vor Herausforderungen. Manchmal hilft es, einfach mal zu machen, anstatt zu zögern und zu hadern und sich selbst in Frage zu stellen. Kann ich Kanzlerin? Habe ich mir nie vorher überlegt, sondern probiere es einfach aus. Eigentlich kann man ganz schön viel, wenn man nicht so viel drüber nachdenkt. Wichtig ist, auf das eigene Können zu bauen und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, andererseits aber auch immer wieder Unterstützung zu erfragen und zuzulassen. Ich hatte von Anfang an Mentoren, die mich immer reflektiert und gestärkt haben. Dann ist man auf einem vernünftigen und sehr individuellen Weg, der nicht immer geradlinig verlaufen muss. Mir hat es zudem geholfen, nicht in einer Geschlechterrolle verhaftet zu bleiben, weil mich das limitiert hätte. Grundsätzlich kann jede und jeder alles! Man darf auch nicht davon ausgehen, dass man in bestimmten Situationen erst einmal Nachteile hat, weil man eine Frau ist. Das war auch bei mir definitiv nicht so.

Ich wünsche mir, dass sich diese Hochschule noch weiter als moderne Hochschule aufstellt, und dass wir den Schwung, den unter anderem die Pandemie in der Digitalisierung gebracht hat, auch künftig in den Hochschulalltag tragen. Damit meine ich veränderte Konzepte in der Lehre wie auch in der Verwaltung, die uns deutlich effizienter und damit kundenfreundlicher werden lassen. Es ist mein Ziel, dass Verwaltung und Wissenschaft den jeweiligen Mehrwert in einer engeren Zusammenarbeit erkennen und noch stärker zusammenrücken. Dazu gehört auch, über längere Zeit ein gesundes Verhältnis zwischen Dezentralität und Zentralität zu schaffen. Zu viel Zentralität nimmt Flexibilität und Individualität. Gleichzeitig kann man aber durch zu dezentrale Strukturen zu wenig Synergien schaffen und kaum gemeinsame Strategien formulieren, die dann wieder als Ziele in die jeweiligen Bereiche und Einheiten getragen und in Arbeitsergebnisse umgesetzt werden können.

Die Pandemiesituation bringt sehr viele neue Themen mit sich. Das beginnt mit den Schutzmaßnahmen und Hygienekonzepten, die man erstellen und beständig aktualisieren muss. Das geht weiter mit der sich ständig ändernden Rechtslage, die wöchentlich quasi in die Hochschule und ihre betrieblichen Abläufe übersetzt werden muss. Darüber hinaus beeinflusst sie auch arbeits- und dienstrechtlichen Themen. Dazu gehört etwa die Frage, wie es nach der Pandemie mit dem mobilen Arbeiten weitergeht wird. Derzeit sind wir verstärkt mit der Organisation der Testungen und Impfungen unserer Beschäftigten beschäftigt: wir bieten zweimal wöchentlich für unsere Beschäftigten Selbsttests an. Zusätzlich besteht an den Hochschulstandorten die Möglichkeit, sich durch externe Anbieter testen zu lassen und dafür eine anerkannte Bescheinigung zu erhalten.

Es ist traurig seit Corona: Wandern und Spazierengehen – was mir nach den eineinhalb Jahren Pandemie komplett aus den Ohren raushängt. Wir sind schon eine sehr sportliche Familie, fahren viel Fahrrad und machen Wassersport, also Stand-Up-Paddeling, deutlich seltener das Tauchen. Früher habe ich mal Badminton gespielt und Tennis – aber das ging ja zuletzt leider alles nicht mehr. Vor der Pandemie haben wir als Familie auch sehr viel Zeit mit Freunden verbracht. Das haben wir seit letztem Jahr durch Zoom-Abende ersetzt, in denen wir uns bei einem Gläschen Wein unterhalten und manchmal auch gemeinsam spielen.

Ehrlich gesagt: Nicht immer! Es ist schon sehr schwierig, alles unter einen Hut zu kriegen. Ich habe zusätzlich natürlich zur familiären Konstellation – also einen siebenjährigen Sohn, der jetzt im Sommer in die Schule kommt, und einen in Vollzeit beschäftigten Mann – noch das Thema Pendeln, was dann nochmal Zeit kostet. Da muss man hauptsächlich gut planen und sich innerhalb der Familie sehr gut absprechen, wer welche Aufgaben übernimmt. Es müssen zwingend alle mitmachen! Und selbst dann funktioniert es nicht immer: Wenn ein Faktor nicht mehr dem Plan entspricht, kann es sein, dass das gesamte Konstrukt zusammenfällt. Und da kommt man dann mit Perfektionismus nicht mehr so weit, sondern muss – und daran arbeite ich noch sehr stark – großzügig mit sich selbst sein und einfach anerkennen, dass man nicht alle Ansprüche vollumfänglich bedienen kann. Und das ist sehr hart. Wenn etwa das Kind krank ist und man sich damit auseinandersetzt, wer von beiden sich jetzt um es kümmert, man aber in dem Moment merkt, dass schon diese Auseinandersetzung grundfalsch ist – weil es das Naheliegende ist, jetzt einfach beim Kind zu sein. Es sind vor allem die Ansprüche an sich selbst, mit denen man dann kämpft. Das ist das größte Problem, wenn man so eine exponierte Arbeitsstelle hat. Der Präsident hat kürzlich zu mir gesagt: „Wir sind eine familienfreundliche Hochschule – das gilt auch für Sie!“ Und das fand ich so befreiend. Die anderen haben augenscheinlich mehr Verständnis, als man es für sich selbst in Anspruch nimmt.

Und das ist bei uns total geschlechterunabhängig: Meinem Mann geht es nämlich genauso. Er hat die gleichen Nöte, die gleichen Sorgen und Probleme, weil wir immer alle Pflichten zur Hälfte geteilt haben. Jetzt übernimmt er sogar mehr familiäre Anteile. Bei uns zuhause bleibt schon mal die Hausarbeit liegen. „Man muss doch…“ Dabei muss man überhaupt nicht! Durch meine Position als Kanzlerin kann ich oft auch nicht absehen, wann ich Feierabend machen kann. Ich versuche aber, mir trotzdem Zeit für die Familie zu nehmen. Wenn das Kind schläft, kann ich mich ja später nochmal an den Rechner setzen. Aber das machen Väter auch, das macht mein Mann genauso! Ich finde es wichtig, deutlich zu machen, dass das heutzutage keine geschlechterbezogene Problematik mehr ist, sondern dass ich das genauso bei meinem Mann wahrnehme. Ich habe das Glück, in meinem privaten und beruflichen Werdegang immer ein funktionierendes Miteinander der Geschlechter erlebt zu haben. Ich habe mich nicht benachteiligt gefühlt, weil ich eine Frau bin. Selbst als ich ein Kind bekommen habe, habe ich mich einfach neu organisiert mit der Professur, die ermöglicht hat, dass ich trotz Kind im Job volle Leistung bringen und dennoch ganz viel für mein Kind und die Familie da sein konnte. Da hat es keine Rolle gespielt, dass ich eine Frau und kein Mann bin. Es ist wichtig, dass man sich als Frau nicht als Opfer der Umstände fühlt, sondern die Eigenverantwortung und vorhandenen Spielräume nutzt, um das Beste herauszuholen. Ich sehe mich auch nicht als Quotenfrau, sondern bin heute hier, weil ich mit meinem Wissen, meiner Erfahrung und meiner Motivation überzeugen konnte. Und genau das ist eben auch mein eigener Anspruch.

Im Präsidium gibt es noch Frau Prof. Dr. Daniela Braun, die Vizepräsidentin für Lehre und Diversity. Zudem haben wir gerade in der Verwaltung in den Abteilungsleitungen sogar mehr Frauen als Männer. Auch intern sind die Abteilungen überwiegend mit Frauen besetzt. Sowohl für die Professorinnen als auch für weibliche Beschäftigte habe ich ein gemeinsames virtuelles Kaffeetrinken ins Leben gerufen, das alle zwei Monate stattfindet und sehr gut angenommen wird. Damit möchte ich erreichen, dass sich die Frauen an der Hochschule Koblenz besser gegenseitig kennenlernen und miteinander vernetzen können, daran hat es bislang gefehlt. Im Kreis der Professorinnen haben wir zum Beispiel über die Mitwirkung in den Hochschulgremien und die Bereitschaft zur Übernahme von Leitungsfunktionen diskutiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die derzeit noch sehr männerlastige Besetzung der Dekanate in den nächsten Wahlperioden ändern wird. Es gibt da auf jeden Fall ein Grundinteresse bei den Wissenschaftlerinnen, solche Leitungspositionen zu übernehmen, aber eben auch bestimmte Hemmnisse und Vorbehalte, die vielleicht bei genauem Hinsehen gar nicht tatsächlich, sondern nur in den Köpfen der Kolleginnen bestehen. Es geht mir darum, sich gegenseitig zu motivieren und zu unterstützen. Wir haben uns auch über aktuelle Forschungs- und Lehrvorhaben ausgetauscht. Ich sehe es als großen Vorteil, dass ich selbst früher als Professorin gearbeitet und die Interessen und Sichtweisen daher sehr gut nachvollziehen kann.

Einerseits ist die Hochschule sehr groß – bei einer kleineren könnten man sicher vieles schneller umsetzen. Andererseits geht diese Größe auch mit einer enormen Vielfalt einher, was ich sehr spannend finde, was mir viele Impulse und neue Herausforderungen bringt. Ich mag es schon, immer ein bisschen zu rotieren, dann wird es auch nicht langweilig. Momentan sind es aber doch einige Zusatzbaustellen, die wir als Präsidium gemeinsam zu bearbeiten haben, an denen ich in meiner Rolle als Kanzlerin aber persönlich noch weiterwachsen kann.

Unabhängig vom Geschlecht den eigenen Weg finden
„Ich habe keinen stringenten Werdegang in Richtung Leitung einer Hochschule, sondern habe in den letzten 15 Jahren beruflich gewechselt zwischen Wissenschaft und Verwaltung“, erzählt die Mutter eines 7-jährigen Jungen im Gespräch. Sie begann ganz klassisch als Rechtsanwältin, wechselte dann aufgrund ihrer Vorliebe für die Wissenschaft ins Forschungszentrum Jülich, von dort in die Forschungspolitik und danach zurück in den wissenschaftlichen Bereich in die Professur an der Technischen Hochschule in Bochum. „Dort habe ich mich im Hochschulalltag immer stärker für Hochschulverwaltung begeistert und mich dann als Kanzlerin hier beworben, um eine Hochschule nicht nur von innen, sondern aus der Leitungsperspektive kennen zu lernen“, betont sie. Die klassische Wissenschaft sei in den meisten Bereichen schon eher männerdominiert. Aber: Es gebe in allen Ebenen auch genügend Räume für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftsmanagerinnen, Leiterinnen von Verwaltungsabteilungen sowie Mitarbeiterinnen, die Interesse und Freude daran haben, in diesem Bereich zu arbeiten. Gerade der Verwaltungsbereich von Wissenschaftseinrichtungen biete ausgezeichnete Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 

Corona-Pandemie als Herausforderung und Chance gleichermaßen
Eine der größten Herausforderungen wartete gleich zu Beginn ihrer Amtszeit auf die Kanzlerin: die Corona-Pandemie. Schutzmaßnahmen etablieren, Hygienekonzepte erstellen – und gleichzeitig eine sich ständig ändernde Rechtslage berücksichtigen, die auf die betrieblichen Abläufe der Hochschule angepasst werden musste und immer noch muss. Natürlich gehen damit auch viele arbeits- und dienstrechtliche Themen einher: „Ganz aktuell beschäftigen wir uns mit der Frage, wie es nach der Pandemie mit dem Mobilen Arbeiten weitergehen wird. Oder aber mit den Themen Testungen und Impfungen unserer Studierenden und Beschäftigten.“ Auch im privaten Umfeld ist seit Corona vieles anders. Statt Stand-Up-Paddeling und Tennis stand in den vergangenen Monaten für Fabienne Köller-Marek und ihre Familie vor allem Wandern und Spazierengehen auf dem Programm. Ungewohnt für die sonst so aktive 45-jährige: „Vor der Pandemie haben wir als Familie auch sehr viel Zeit mit Freunden verbracht. Das haben wir seit letztem Jahr durch Zoom-Abende ersetzt, in denen wir uns bei einem Gläschen Wein unterhalten und die gemeinsame Zeit genießen.“

Beruf und Familie unter einen Hut bringen
Ihre Familie hat für Fabienne Köller-Marek einen sehr hohen Stellenwert. Das mit ihrer exponierten Arbeitsstelle unter einen Hut zu bringen, fällt nicht immer leicht. Ihr Sohn kommt im Sommer in die Schule, ihr Mann arbeitet ebenfalls Vollzeit, sie selbst pendelt zwischen der alten Heimat in Nordrhein-Westfalen und Koblenz. „Da muss man gut planen und sich innerhalb der Familie sehr gut absprechen, wer welche Aufgaben übernimmt. Es müssen zwingend alle mitmachen!“, weiß sie. Und selbst dann funktioniere es noch lange nicht immer: Wenn ein Faktor nicht mehr dem Plan entspricht, kann es sein, dass das gesamte Konstrukt zusammenfällt. Und da müsse man dann auch mal großzügig mit sich selbst sein und einfach anerkennen, dass man nicht alle Ansprüche vollumfänglich bedienen kann. Und das sei mitunter sehr hart. „Es sind vor allem die Ansprüche an sich selbst, mit denen man dann kämpft“, sagt sie. Ihrem Mann gehe es aber genauso, die beiden teilen sich schon immer alle Pflichten zur Hälfte. „Durch meine Position als Kanzlerin kann ich oft auch nicht absehen, wann ich Feierabend machen kann. Ich versuche aber, mir trotzdem Zeit für die Familie zu nehmen. Aber das machen Väter auch, das macht mein Mann genauso!“, erzählt Köller-Marek. Als Frau benachteiligt gefühlt habe sie sich in ihrem privaten und beruflichen Werdegang nie, auch nicht als Mutter. „Selbst als ich ein Kind bekommen habe, habe ich mich einfach neu organisiert mit der Professur, die ermöglicht hat, dass ich trotz Kind im Job volle Leistung bringen und dennoch ganz viel für mein Kind und die Familie da sein konnte“, betont sie. Da habe es keine Rolle gespielt, dass sie eine Frau und kein Mann sei. „Ich sehe mich auch nicht als Quotenfrau, sondern bin heute hier, weil ich mit meinem Wissen, meiner Erfahrung und meiner Motivation überzeugen konnte. Und genau das ist eben auch mein eigener Anspruch.“

Frauen an der Hochschule Koblenz unterstützen
An der Hochschule Koblenz möchte die neue Kanzlerin Teil einer Veränderung sein, die Hochschule noch moderner aufstellen und den Schwung, den unter anderem die Pandemie in der Digitalisierung gebracht hat, auch künftig in den Hochschulalltag tragen. Veränderte Konzepte in der Lehre, wie auch in der Verwaltung, sollen dafür sorgen, noch effizienter und kundenfreundlicher zu werden. „Es ist mein Ziel, dass Verwaltung und Wissenschaft den jeweiligen Mehrwert in einer engeren Zusammenarbeit erkennen und noch stärker zusammenrücken. Dazu gehört auch, mittel- bis längerfristig ein gesundes Verhältnis zwischen Dezentralität und Zentralität zu schaffen“, betont Köller-Marek. Zu viel Zentralität nehme Flexibilität und Individualität, gleichzeitig könne man aber durch zu dezentrale Strukturen zu wenig Synergien schaffen. Gerade in der Verwaltung und in den Abteilungsleitungen arbeiten an den drei Standorten der Hochschule mittlerweile sogar mehr Frauen als Männer, auch intern sind die Abteilungen überwiegend mit Frauen besetzt. Netzwerken hält Fabienne Köller-Marek hier für unglaublich wichtig. Daher hat sie sowohl für die Professorinnen als auch für weibliche Beschäftigte ein gemeinsames (virtuelles) Kaffeetrinken ins Leben gerufen, das alle zwei Monate stattfindet und sehr gut angenommen wird. Das Ziel: Die Wissenschaftlerinnen zu motivieren und zu unterstützen, Leitungspositionen zu übernehmen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die derzeit noch sehr männerdominierte Besetzung der Dekanate in den nächsten Wahlperioden ändern wird“, sagt die Kanzlerin, „es gibt da auf jeden Fall ein Grundinteresse bei den Wissenschaftlerinnen, aber eben auch bestimmte Hemmnisse und Vorbehalte, die vielleicht bei genauem Hinsehen gar nicht tatsächlich, sondern hauptsächlich in den Köpfen der Kolleginnen bestehen.“ Ihre frühere Tätigkeit als Professorin helfe ihr dabei, die Interessen und Sichtweisen der Kolleginnen gut nachvollziehen zu können. Auch dabei, in ihrer Rolle als Kanzlerin persönlich noch weiterzuwachsen.

Auf das eigene Können bauen
Was Fabienne Köller-Marek anderen Frauen mit auf den Weg geben möchte, die eine Führungsposition anstreben und vielleicht noch mit der Entscheidung hadern? „Wichtig sind: Mut und der feste Glaube daran, dass man alles schaffen kann. Das Nichtzurückschrecken vor Herausforderungen. Manchmal hilft es, einfach mal zu machen, anstatt zu zögern und zu hadern und sich selbst in Frage zu stellen. Kann ich Kanzlerin? Habe ich mir nie überlegt, sondern probiere es einfach aus. Eigentlich kann man ganz schön viel, wenn man nicht so viel drüber nachdenkt“, berichtet sie. Auf das eigene Können zu bauen und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, andererseits aber auch immer wieder Unterstützung zu erfragen und zuzulassen, das sei wichtig. Unterstützen können dabei auch Mentorinnen oder Mentoren, die reflektieren, beraten und stärken. Ihr selbst habe es geholfen, nicht in der Geschlechterrolle verhaftet zu sein: „Das hätte mich nur limitiert. Grundsätzlich kann jede und jeder alles erreichen!“