Postdoktorandinnen-Programm Der Weg zur FH-Professur

Wenn Sie sich für eine Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW bzw. FH für Fachhochschule genannt) interessieren, beraten wir Sie gerne und unterstützen Sie auf Ihrem Weg. Nachfolgend finden Sie Informationen und Hinweise, die Ihnen einen ersten Überblick über das Berufsbild sowie über die Berufungsvoraussetzungen einer Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften geben. Bei Fragen oder weiterem Beratungsbedarf sprechen Sie unsgerne an!

Berufsbild

Einer Professorin an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften bietet sich ein breites und spannendes Aufgabenspektrum: Von praxisbezogener Lehre, anwendungsorientierter Forschung bis hin zum Hochschulmanagement. Das Berufsbild unterscheidet sich in einigen Punkten wesentlich von dem einer Professur an einer Universität. Vor allem – wie der Name schon sagt – steht der Anwendungsbezug im Fokus von Studium und Forschung. Die direkte Schnittstelle zur Praxis ist deswegen wichtig.

Entsprechend sollen Professor_innen an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften neben der wissenschaftlichen Qualifikation auch über mehrjährige Erfahrung in der beruflichen Praxis verfügen. (vgl. hierzu Berufungsvoraussetzungen)

Der direkte Wissens- und Technologietransfer von der Hochschule in die berufliche Praxis spielt eine sehr große Rolle. Die Forschungsaktivitäten werden von daher oftmals in direkter Zusammenarbeit mit Unternehmen und Institutionen durchgeführt.

Die Lehre hat einen besonders hohen Stellenwert an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Entsprechend liegt das Lehrdeputat für eine Vollzeitprofessur in der Regel bei 18 Semesterwochenstunden. Entsprechend wichtig ist, dass man gerne lehrt, seine pädagogischen Kompetenzen ausbaut und Freude am Umgang mit den Studierenden hat.

Vereinbarkeit

Das private Leben und eine Professur lassen sich in der Regel gut miteinander vereinbaren. Durch die Sicherheit des Arbeitsplatzes und die klar definierten Lehrveranstaltungen hat man eine relativ große Planungssicherheit. Zudem ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf den meisten Hochschulen ein wichtiges Anliegen. Allerdings ist durch die hohe Lehrverpflichtung auch ein großer Anteil an Stunden vor allem im Semester gebunden. Teilzeitprofessuren werden nicht so häufig ausgeschrieben, sie gibt es aber auch. Neben den festen Terminen ist man jedoch als Professor_in relativ flexibel in der Einteilung der Tätigkeiten, was einem die Vereinbarkeit der beruflichen Tätigkeit mit Familie, außerberuflichen Tätigkeiten oder anderen persönlich wichtigen Dingen vereinfacht.

Einkommen

In der Regel liegt das Einstiegsgehalt für eine HAW-Professur bei W2. Das Grundgehalt variiert zwischen den Bundesländern. Der Tarifrechner des öffentlichen Dienstes ermöglicht es Ihnen, Ihren individuellen Verdienst zu ermitteln.

Eine Professur ist nicht automatisch mit einer Verbeamtung verbunden. Sie kann auch im Angestelltenverhältnis ausgeübt werden. Dies liegt unter anderem an der Art der Hochschule, der Finanzierung der Professur wie auch ggf. an den persönlichen Voraussetzungen.

Chance auf eine Berufung

Die Berufsoption „Professor_in an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften“ ist vielen nicht präsent. Das liegt zum einen daran, dass die Berufungsvoraussetzungen Berufspraxis voraussetzen, die auch außerhalb der Hochschule absolviert werden müssen. Der größte Anteil der für eine Professur geeigneten Wissenschaftler_innen hat zudem aufgrund der oftmals noch klassischen universitären Ausbildung bis zur Promotion, wenig bis gar keine Erfahrungen an HAWs. Die HAW, als praxisorientierte Lehr- und Wissenschaftsinstitution, ist deshalb recht fern des eigenen Erfahrungsschatzes und die Vorstellung über die Tätigkeiten ist oft diffus. Bei einer Bewerbung auf eine Professur ist die Bewerberlage heute deshalb oftmals überschaubar. Manchmal fällt es Hochschulen sogar schwer, eine geeignete Kandidatin bzw. einen geeigneten Kandidaten für eine ausgeschriebene Professur zu finden. Die Erfolgsaussichten bei einer Bewerbung - wenn man die formalen Kriterien erfüllt und fachlich passt - sind also realistisch. Letztendlich entscheiden über eine erfolgreiche Berufung aber natürlich immer die fachliche und persönliche Passung. 

Berufungsvoraussetzungen

Formale Voraussetzungen:

Die formalen Voraussetzungen für eine Berufung auf eine Professur sind im Hochschulgesetz der Länder geregelt. (vgl. hierzu HochSchG, § 49)

In der Regel gelten die folgenden Voraussetzungen:

  • abgeschlossenes Hochschulstudium
  • die Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit; in der Regel nachgewiesen durch eine Promotion bzw. durch promotionsadäquate wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen (z.B. durch einschlägige Veröffentlichungen, herausragende Projekte, erhaltene Preise, Wettbewerbe, Ausstellungen etc.)
  • eine mindestens fünfjährige Berufspraxis nach Abschluss des Studiums, davon mindestens drei Jahre außerhalb einer Hochschule auf einem Gebiet das der fachlichen Ausschreibung entspricht
  • pädagogische Eignung, in der Regel nachgewiesen durch Erfahrung in Lehre und Ausbildung

Neben diesen zwingenden im Hochschulgesetz genannten Voraussetzungen wird an vielen Hochschulen zudem der Quantität und Qualität der wissenschaftlichen Publikationen große Bedeutung beigemessen. Hier sind die fächerspezifische Publikationskultur wie auch anwendungsorientierte Anforderungen zu beachten. Bei der Bewerbung sollte dargestellt werden, dass bis zum Antritt der Professur alle Bewerbungsvoraussetzungen erfüllt sind. Da Berufungsverfahren einige Monate dauern, kann dies berücksichtigt werden. In begründeten Ausnahmefällen kann eine Professur vorübergehend zur Vertretung oder Verwaltung besetzt werden mit der Auflage, in diesem Zeitraum das nicht erfüllte Kriterium nachzuholen.

Fachliche Voraussetzungen:

Neben den formalen ist die Erfüllung der fachlichen Voraussetzungen entscheidend für eine erfolgreiche Bewerbung. Allerdings wird gerade diese selten idealtypisch erfüllt. Um sich ein klares Bild von den fachlichen Anforderungen zu machen oder um mögliche Unklarheiten zu klären, sollte man nicht scheuen, die bzw. den normalerweise in einer Ausschreibung aufgeführten fachliche_n Ansprechpartner_in zu kontaktieren. Ebenfalls kann man sich bei der Gleichstellungsbeauftragen der Hochschule über die Ausschreibung informieren. 

weitere mögliche Auswahlkriterien:

Neben den formalen wie auch fachlichen Voraussetzungen, die die fachlichen und pädagogischen Kompetenzanforderungen beschreiben, werden weitere Kompetenzen erwartet. Je nach Ausgestaltung der Professur wird auf unterschiedliche Kompetenzen mehr oder weniger Wert gelegt. Besonders wichtig ist allerdings immer die soziale Kompetenz der zukünftigen Professorin bzw. des zukünftigen Professors.

Weitere immer wieder gefragte Kompetenzen setzten sich mit den folgenden Fähigkeiten auseinander:

  • Kooperationskompetenz
  • Strategische Kompetenz
  • Kommunikationskompetenz
  • Führungskompetenz
  • Management-Kompetenz
  • Unternehmerische Kompetenz
  • Organisationskompetenz
  • Ethische Kompetenz
  • Selbstentwicklungskompetenz

Hier gibt es jedoch keine abschließende Liste, sondern die Ausgestaltung der Professur ist entscheidend. Für Informationen hierzu ist auch hier das Gespräch mit der fachlichen Ansprechpartnerin/dem fachlichen Ansprechpartner auf der Ausschreibung oder der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule zu empfehlen.

Bewerbung auf eine Professur

Der Weg zu einer Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften führt ganz normal über die Bewerbung auf eine Ausschreibung.

Ausschreibungen findet man online vor allem bei academics und auf den Homepages der einzelnen Fachhochschulen, in den einschlägigen überregionalen Zeitungen (v.a. FAZ, DIE ZEIT) sowie in Fachzeitschriften und Amtsblättern. Zudem gibt es Datenbanken in denen man das persönliche Profil hinterlegen lassen kann und sich so schnell und zuverlässig über ausgeschriebene Professuren informieren kann, die dem Profil entsprechen (z.B. femconsult oder Datenbank Professorin HAW/DH ).

Aber es gilt auch, in den wissenschaftlichen und fachlichen Netzwerken aufmerksam zu sein, um frühzeitig passende Ausschreibungen zu registrieren.

Zu der Bewerbung gehören folgende Unterlagen:

  1. Ein individuelles auf die Ausschreibung zugeschnittenes Anschreiben
  2. Tabellarischer Lebenslauf
  3. Zeugnisse aus Ausbildung und Beruf
  4. Verzeichnisse der
    • Veröffentlichungen bzw. Vorträge
    • gehaltenen Lehrveranstaltungen
    • ggf. weitere relevante Informationen, z.B. zu Projekten, Drittmitteleinwerbungen o.ä.
  5. ggf. ein Lehrkonzept.

Urkunden und Zeugnisse jeweils in Kopie vorlegen. Weitere Informationen zu "DOs und DON`Ts" - bei der Gestaltung der Bewerbungsunterlagen für Professuren an Fachhochschulen von Dr. Margarete Hubrath, uni-support, Düsseldorf.

Berufung

Professuren werden mit wenigen Ausnahmen in einem öffentlich ausgeschriebenen Berufungsverfahren besetzt. Dieses Verfahren dauert in der Regel mehrere Monate, kann aber auch über ein Jahr hinausgehen. Der Ablauf des Berufungsverfahrens verläuft wie folgt dargestellt oder ähnlich:

  • Bildung einer Berufungskommission und Ausschreibung der Professur
  • Einladung der Bewerber/innen zu einer Probelehrveranstaltung (manchmal gibt es schon vorab ein Gespräch)
  • Probelehrveranstaltung und Bewerbungsgespräch mit der Kommission
  • ggf. Einholung externer Gutachten über die Bewerber_innen in der engeren Wahl
  • Entscheidung über Berufungsfähigkeit und Rangfolge (in der Regel: Erstellen einer dreier Liste)
  • Verabschiedung von Bericht und Liste in den internen Gremien
  • ggf. Weiterleitung an das zuständige Ministerium
  • Ruferteilung & Berufungsverhandlung über Einstellungsvoraussetzungen und Zielvereinbarungen
  • Rufannahme, ggf. Prüfung der gesundheitlichen Voraussetzungen, Einstellung, ggf. Verbeamtung

Manche Hochschulen haben ihre Berufungsordnung online abgelegt, so dass man dort den genauen Ablauf des Verfahrens an der Hochschule nachlesen kann.