Presse Gemeinsames Forschungsprojekt HUMKareS mit RWTH Aachen gestartet

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Produktion tragen täglich an vorderster Front zum Erfolg ihres Unternehmens bei – näher dran am Herstellungsprozess ist niemand. Und doch wissen sie oft nicht, wieviel Ware täglich von ihrem Fließband läuft und wie dabei die Ausschussquote ist. Damit beschäftigt sich aktuell ein Forschungsprojekt, das die Hochschule Koblenz gemeinsam mit dem Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen gestartet hat. Das auf eine Dauer von 20 Monaten angelegte Forschungsprojekt „Humanzentrierter Kennzahlenansatz für die Leistungssteigerung auf dem Shop Floor“ (HUMKareS) befasst sich mit der Frage, wie ein auf die Werkerinnen und Werker zugeschnittenes Kennzahlensystem zur Motivation und so zu erhöhter Leistung in den Produktionshallen beitragen kann.

„Übergeordnetes Ziel des Projektes ist es, die Leistung auf dem Shop Floor durch eine werkergerechte Aufbereitung von Kennzahlen positiv zu beeinflussen. Vorwiegend kleine und mittlere Unternehmen sollen dazu befähigt werden, die Leistung in der Produktion digital zu erfassen und zielgerecht zu optimieren“, erklärt Prof. Dr. Bert Leyendecker vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, der das Projekt mit seinen Mitarbeitern Jasmin Ohlig und Patrick Pötters von Seiten der Hochschule Koblenz vorantreibt.

Neben der gezielten Auswahl der zu erfassenden Kennzahlen arbeitet das interdisziplinäre Team um Prof. Dr.-Ing. Robert Schmitt und Dr. phil. Ina Heine vom WZL der RWTH Aachen daran, diese zu visualisieren und mit spielerischen Ansätzen zur Motivationssteigerung des Werkers zu verknüpfen. „Gamification“ lautet der wissenschaftliche Begriff für diese Systeme, die spielerische Anreize zur Leistungssteigerung setzen. „Hierdurch erhalten die Mitarbeitenden ein direktes Feedback zu ihrer Arbeitsleistung, das eine selbstbestimmte und zielgerichtete Adaption an die Situation ermöglicht“, so Thomas Hellebrandt vom WZL.

In einem ersten Schritt wurden Kontakte zu Unternehmen in der Region aufgenommen, um den Ist-Zustand und den Bedarf abzufragen. Gibt es dort möglicherweise schon Systeme, die die Kennzahlen kommunizieren? Welche Kennzahlen werden als sinnvoll erachtet? Dazu wurden sowohl das Management der jeweiligen Unternehmen als auch die Werkerinnen und Werker befragt. „Auch von Seiten der Betriebsräte wird dieses Projekt sehr begrüßt, da die Kommunikation der Kennzahlen den Produktionsprozess transparenter macht und sich dadurch auch die Arbeitsbedingungen weiter verbessern können“, so Jasmin Ohlig.

Im weiteren Verlauf des Projektes werden Studierende und Produktionsmitarbeitende das entwickelte Kennzahlensystem und den Gamification-Ansatz mithilfe der Modellfabrik Koblenz praxisnah testen. Abschließend erfolgt die Softwareprogrammierung eines so genannten Manufacturing Execution System (MES) Moduls, welches die Unternehmen bei der Umsetzung der Forschungsergebnisse in der Praxis unterstützt.

Initiatoren des über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) im Rahmen des Programms zur Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) geförderten Projektes sind der Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen sowie die Forschungsprofessur Produktionswirtschaft des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Koblenz. „Bei diesem Forschungsprojekt ergänzen sich die Expertisen beider Partner auf sehr konstruktive Weise“, freut sich Prof. Dr. Bert Leyendecker. Im Rahmen seiner Forschungsprofessur forscht er gemeinsam mit seinem Team in den Bereichen Produktionsmanagement und Business Excellence. Darunter fallen Fragestellungen zur Fabrik der Zukunft, zur Integration neuer Trends wie Digitalisierung und Industrie 4.0, aber auch Fragen um die Wirksamkeit von Optimierungsansätzen wie Lean Management, Six Sigma oder Kennzahlensystemen. Ein wichtiger Bestandteil der Forschung ist die Arbeit in der Modellfabrik der Hochschule Koblenz, die den Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis ermöglicht. Ihr Ziel ist es, einen experimentellen Freiraum zu schaffen, um sich auf interaktive Art mit Prozessen auseinanderzusetzen, diese zu überdenken und zu optimieren.

Das Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen steht weltweit seit mehr als 100 Jahren für zukunftsweisende Forschung und erfolgreiche Innovationen auf dem Gebiet der Produktionstechnik. Der Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement arbeitet und forscht an der Industrialisierung betrieblicher Prozesse in der Produktionstechnik. Hierunter wird die Erhebung relevanter und objektiver Daten und ihre Rückführung und Ausnutzung im betrieblichen Kontext von Regelkreisen verstanden. Die erste Aufgabe löst die Messtechnik, während die Schaffung geeigneter Strukturen das Qualitätsmanagement wahrnimmt. Ziel ist die Schaffung fähiger Prozesse mit vorhersagbaren Ergebnissen in definierter Zeit.

Projektpartner sind außerdem Industrieunternehmen, mit denen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Großteil der Forschungsarbeiten durchführen. „So ist sichergestellt, dass die Ergebnisse schnell in die betriebliche Praxis einfließen und die universitäre Lehre stets aktuell gehalten wird“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Robert Schmitt, Direktor des WZL der RWTH Aachen. Koordiniert und unterstützt wird das Vorhaben dabei durch die Forschungsgemeinschaft Qualität e.V. (FQS).

Weitere Informationen unter http://www.humkares.wzl.rwth-aachen.de