Presse Auch in der Produktentwicklung verbesserte Zufriedenheit mit agil und lean – Studie „Status Quo PEP“

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Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit – oft auch als VUCA bezeichnet – prägen die aktuelle Praxis des Produktentstehungsprozesses in Branchen wie Automobil-, Elektro- und Fertigungsindustrie. Etablierte Methoden und Prozesse werden in Zeiten der Disruption und der Digitalisierung zunehmend als zu starr, zu linear, zu wenig kreativ und zu langsam empfunden. Viele Unternehmen haben daher in den letzten Jahren agile Methoden wie Scrum oder Kanban bzw. Lean-Ansätze in den Produktentstehungsprozess integriert. Die Studie „Status Quo PEP – Lean und Agil im Produktentstehungsprozess“ von Prof. Dr. Ayelt Komus vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Koblenz mit einem Studienteam zeigt die aktuelle Praxis, den Erfolg und die Perspektiven der Gestaltung des Produktentstehungsprozesses – auch unter Nutzung der Potenziale von Lean und agilen Methode. Der Studienbericht ist auf Wunsch abrufbar unter www.hs-koblenz.de/SQ-PEP.

  • Prof. Dr. Ayelt Komus

Ziel der Studie war es, angesichts der großen Erfolge und der zunehmenden Verbreitung dieser Methoden zu verstehen, wie Unternehmen wie lean und agile Methoden auch in der (Non-IT) Produktentwicklung („Hardware-Scrum“) wirklich in der Praxis nutzen, welche Anwendungsfelder, Erfolge und Erfolgsfaktoren tatsächlich vorherrschen. „Wie in früheren Studien bestätigt sich auch hier, dass die Nutzer von agil und lean mit ihren Ergebnissen zufriedener und erfolgreicher sind – auch in der Entwicklung von NON-IT-Produkten. Unternehmen, die agile Methoden noch nicht in ihr aktives Methodenportfolio aufgenommen haben, sollten dies in Betracht ziehen“, betont Prof. Dr. Ayelt Komus. In der Studie mit mehr als 130 Teilnehmern in einer Online-Befragung und einer zusätzlichen Durchführung von mehr als 30 Experteninterviews im Mai und Juni 2018 ergab sich das folgende Bild bzgl. des „Status Quo PEP“, wobei hier nur eine Auswahl der wichtigsten Ergebnisse der Studie genannt werden kann:

• Anwender von agilen und lean Methoden sind in jeder Phase des PEP zufriedener oder zumindest gleich zufrieden wie klassische Anwender. Insgesamt ist die Zufriedenheit mit agilen Methoden am höchsten, gefolgt von lean Methoden.

• Anwender agiler Methoden stufen ihr Unternehmen zu 64% als erfolgreicher beziehungsweise deutlich erfolgreicher im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche ein.

• Hinter den klassischen Projektmanagementmethoden spielen agile Methoden vor allem in den Phasen Produktidee und Produktentwicklung eine größere Rolle. Lean Methoden finden in der Produktion die größte Anwendung, aber auch hier dominieren klassische Methoden.

• Die höhere Zufriedenheit mit dem gelebten PEP spiegelt sich auch im Erfolg des Unternehmens insgesamt im Branchenvergleich wider.

• Die Unternehmenskultur ist das größte Hindernis für die Einführung agiler Methoden.

• Durch die Anwendung agiler Komponenten ist man im PEP erfolgreicher.

• Die Top 3-Erfolgsfaktoren im PEP nach Effektstärke sind: Enger Kontakt/Abstimmung mit Auftraggeber bzw. Produktion und klare Rollen und Verantwortlichkeiten „Unternehmer müssen sich trauen, einen Schritt in Richtung lean und agiler Methoden zu gehen, um deren Chancen nutzen zu können“, so Komus, der Unternehmen dabei ein umsichtiges Vorgehen empfiehlt. „Die Einführung von lean und agilen Methoden gelingt nicht von heute auf morgen, es benötigt Zeit und ein Gespür dafür, welcher Weg für das jeweilige Unternehmen der Richtige ist“, unterstreicht Prof. Dr. Ayelt Komus. Unternehmen sollten ausreichend Zeit einplanen, um die „Früchte“ dieser Methoden zu ernten und anschließend auch zu den zufriedeneren und erfolgreicheren Unternehmen zu gehören.

Basierend auf den Studienergebnissen leitete das Studienteam neun Empfehlungen für die Unternehmen in Bezug auf den Produktentstehungsprozess ab:

• Die Potenziale von agil und lean nutzen: Nutzer von agile und lean sind mit ihren Ergebnissen zufriedener und erfolgreicher. Daher sollten die Entscheider prüfen, welche Chancen und Potenziale agil und lean für ihren Produktentstehungsprozess haben könnte.

• Entwicklung eines Methoden-Mix: Unternehmen mixen klassische, lean und agile Methoden meist abhängig vom Kontext und der Phase. Andere Unternehmen geben nur wichtige Anregungen. Entwickeln und entscheiden, was passt, kann nur der jeweilige Unternehmer selbst.

• Große Vision, kleine Schritte: Potenziale von agil und lean erschließen sich nicht von heute auf morgen; auch gibt es keinen Zustand, in dem der „perfekte“ Prozess erreicht ist. Die Verbesserung ist Schritt für Schritt zu realisieren.

• Erfolgreichen PEP erleben: Die Einbindung von agil und lean basiert auf dem Erleben der Weiterentwicklung von Zusammenarbeit, Werten und Prinzipien.

• Vorbildfunktion leben: Der Unternehmer muss die Vision zeigen und verkörpern. Die Treiber des Wandels sollten die neuen Werte sowie authentisch und nachhaltig vorleben.

• Umfeld, Vorgesetzte und Auftraggeber sind der Schlüssel: Wahre Herausforderungen für den Wandel liegen in den Bereichen Umfeld, den Vorgesetzten, der Teammitglieder und beim Auftraggeber. In diesen Bereichen sind Strategien zu entwickeln und Stakeholder mitzunehmen.

• Change systematisch vorantreiben: Dies gelingt beispielsweise durch Definition eines Transition-Teams, von „Change Champions“, von Initiativen und Change Backlogs. Die Organisation ist unter Nutzung von agilen und lean Prinzipien systematisch und ausdauernd weiterzuentwickeln.

• Hinterfragen aktueller Praktiken: Negativ-Muster in der Organisation sind systematisch zu identifizieren und anzugehen. Dafür ist es erforderlich, geeignete Rahmenbedingungen für die fokussierte Abwicklung (hybrider) Projekte zu schaffen.

• Agil und lean wirklich leben: Die Einführer der neuen Methoden sollten Werte und Verhaltensweisen wie Teamgedanke, Nutzenorientierung, Kommunikations- und Fehlerkultur, Transparenz und Einfachheit vorleben und darauf achten, dass die Einführung nicht im Formalen endet.

Prof. Dr. Ayelt Komus sieht die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der aktuellen Studie auch im Kontext und als Bestätigung bisheriger Studien: „Wieder einmal zeigt sich, dass Nutzer agiler Methoden im Vergleich zu Nutzern klassischer Methoden eine höhere Transparenz, bessere Performance und besser Zielorientierung realisieren. Probleme werden frühzeitig erkannt, die Markteinführungszeit kann verkürzt werden ebenso ist eine engere Kundenzusammenarbeit möglich.“ Erreicht werde dies beispielsweise durch die Nutzung von Kanban Boards, Design Thinking oder den Daily Scrum Meetings: „Unternehmen sollten Ihren eigenen Weg aus den vielen Möglichkeiten finden, um Ihr Unternehmen agiler zu gestalten.“

Für inhaltliche Rückfragen steht gerne zur Verfügung:

Prof. Dr. Ayelt Komus
Hochschule Koblenz
Konrad-Zuse-Str. 1
56075 Koblenz
komus(at)hs-koblenz.de
www.hs-koblenz.de/SQ-PEP