Aktuelles „Wir sind dran“ – Studierende der Hochschule Koblenz arbeiten mit Ernst Ulrich von Weizsäcker an nachhaltiger Gestaltung ihrer Zukunft – Projekt nun in New York den Vereinten Nationen vorgestellt

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KOBLENZ/BERLIN/NEW YORK. Nicht nur die Fridays-for-Future-Bewegung zeigt, dass die junge Generation ihre Zukunft aktiv mitgestalten möchte: An der Hochschule Koblenz hat sich im vergangenen Jahr um den Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Eric Mührel eine Gruppe von Studierenden formiert, die sich für die Erweiterung des UN-Menschenrechts auf Bildung und weitere Themen rund um Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Entwicklungen engagiert. Die Studierenden haben nun in Berlin am Symposium „Wir sind dran: Inspirieren – Reflektieren – Handeln“ anlässlich des 80. Geburtstags von Ernst Ulrich von Weizsäcker teilgenommen. In einer Folgeveranstaltung im Januar 2020 wird der bekannte Vertreter des Club of Rome zu Gast an der Hochschule Koblenz sein. Hinzu kommt: Die Vereinten Nationen sind auf das Engagement zur Erweiterung des Menschenrechts auf Bildung aufmerksam geworden, haben Prof. Dr. Mührel in New York empfangen und ihm Möglichkeiten einer Zusammenarbeit aufgezeigt.

  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops „Zur Erweiterung und Vertiefung des Menschenrechts auf Bildung“ auf dem Symposium in Berlin. Foto: Christian Meier

  • Bei der Podiumsdiskussion von links: Prof. Dr. Micha Teuscher (Präsident HAW Hamburg); Prof. Dr. Susanne Jochner-Oette (KU Eichstätt-Ingolstadt); Prof. Dr. Ulrich Bartosch (VDW-Beiratsvorsitzender); Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, (Schirmherr der Hochschul-Aktionstage); Prof. Dr. Eric Mührel (Hochschule Koblenz). Foto: Andreas Schölzel

Beim Berliner Symposium, das die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. (VDW) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und dem Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie veranstaltet hatte, diskutierten die 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Welt in großer Runde wie auch in kleineren Workshops über konkrete Ansätze für eine nachhaltige Entwicklung auf regionaler und globaler Ebene. Im Rahmen dieses Symposiums gestalteten die Studierenden der Hochschule Koblenz und ihr Dozent Prof. Dr. Eric Mührel aus dem Fachbereich Sozialwissenschaften den Workshop „Zur Erweiterung und Vertiefung des Menschenrechts auf Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“. Sie stellten neue Ansätze und Ideen für eine Bildung zur Nachhaltigkeit vor und diskutierten über das Menschenrecht auf Bildung in seiner derzeitigen Fassung, festgeschrieben im Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. An dem gut besuchten Workshop nahmen unter anderem Fachleute aus Nepal und dem Amazonasgebiet teil, die interessante Einblicke in das Bildungssystem ihrer Heimat gaben. Die Ergebnisse des Berliner Symposiums fasste eine Podiumsdiskussion zusammen, an der auch Prof. Dr. Mührel seine Eindrücke schilderte. Er habe beobachtet, dass die jungen Menschen an den Hochschulen heute ein ganz anderes Konzept von Bildung einforderten: „Die Hochschule ist eine Stätte der Kultur, wo man auf die drängenden Fragen des Lebens von und mit den jungen Menschen Antworten erarbeiten muss.“

Die Diskussionen über nachhaltigen Fortschritt und der Ruf nach einer „Aufklärung 2.0.“ werden weitergehen: Vier Hochschulen – neben der Hochschule Koblenz die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, die Hochschule Emden/Leer und die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt – haben das Motto des Symposiums „Wir sind dran“ aufgegriffen und eine neue Veranstaltungsreihe für das Jahr 2020 angekündigt. Schirmherr für diese Veranstaltungsreihe „Aktionstage zur Aufklärung 2.0“ ist Ernst Ulrich von Weizsäcker, der mit großer Freude bereits sein Kommen für die Veranstaltung an der Hochschule Koblenz im Januar 2020 angekündigt hat.

Das Symposium war nicht die erste Gelegenheit, bei der sich Mührel und seine Studierenden mit der Erweiterung und Vertiefung des Menschenrechts auf Bildung beschäftigt haben. Sie sind Teil eines weltweit vernetzten Projektteams, das sich bereits im Oktober 2018 im Rahmen eines internationalen Symposiums an der Hochschule damit befasste, das Menschenrecht auf Bildung an heutige Gegebenheiten anzupassen und damit zukunftsorientiert zu erweitern. Prominentester Redner der Veranstaltung war Prof. Dr. Vernor Muñoz Villabolos, von 2004 bis 2010 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung. Ziel der Bemühungen ist es, eine entsprechende Deklaration zur Vorlage bei den Vereinten Nationen zu erarbeiten.

Mittlerweile befasst sich auch die UNO mit den Ansätzen der Projektgruppe, die ihre Ideen nun in New York vorstellen konnte. Zu der Delegation gehörten neben Prof. Dr. Mührel auch Prof. Dr. Vernor Muñoz Villabolos sowie der deutsch-türkische Journalist Zeynel Korkmaz, Koordinationsleiter der weltweiten Projektgruppe „Erweiterung des Menschenrechts auf Bildung“. Empfangen wurden sie von Robert Skinner, dem Geschäftsführer für Kooperationsangelegenheiten der Vereinten Nationen, sowie von dessen Büroleiterin Lucie Brigham und La Neice Collins, bei den Vereinten Nationen zuständig für die Zusammenarbeit mit Hochschulen und weiteren Institutionen höherer Bildung. „Skinner und seine beiden Kolleginnen zeigten großes Interesse an den Veranstaltungen und inhaltlichen Ansätzen der global vernetzten Projektgruppe“, berichtet Mührel, „besondere Beachtung fand auch, dass wir uns alle ehrenamtlich engagieren und auch Studierende aus der ganzen Welt sich daran beteiligen.“

Als Ergebnis dieses Treffen konnte Prof. Dr. Mührel zwei Optionen mit nach Koblenz nehmen: Zum einen bestehe für die Hochschule Koblenz die Möglichkeit, als Mitglied der UN-Organisation „United Nations Academic Impact“ (UNAI) beizutreten. „Das hätte den Vorteil, dass nicht nur die Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler der Hochschule Koblenz, sondern auch technische und wirtschaftswissenschaftliche Fachbereiche an den Fachtagungen der UN teilnehmen und auch bei anderen Gelegenheiten ihre Expertise einbringen könnten“, so Mührel. Zum anderen kündigten die Vertreterinnen und der Vertreter der Vereinten Nationen an, einen Kontakt zur UNESCO in Paris herzustellen, wo sich das konkrete Projekt „Erweiterung des Menschenrechts auf Bildung“ inhaltlich sehr gut anbinden ließe, beispielsweise durch eine Darstellung der Ansätze und Ideen der Projektgruppe auf der entsprechenden Internet-Präsenz der UNESCO. „Beide Möglichkeiten eröffnen tolle Chancen“, freut sich Mührel, der voraussichtlich im Herbst zu einem ersten Besuch zur UNESCO nach Paris reisen wird.