Erfahrungsberichte 4. Erfahrungsbericht aus Cork, Irland

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1. Motivation bzw. Entscheidung für das Zielland

Meine ersten Gedanken an eine Zeit im Ausland hatte ich bereits sehr früh und unterhielt mich oft mit Leuten die bereits Erfahrungen gesammelt hatten. Obwohl man immer nur positives aus solcher Zeit hört, hat mein Unwohlsein gegenüber der Überwindung es zu wagen meist gesiegt. Als ein Freund und ich schließlich doch darüber nachdachten zusammen als Freemover ins Ausland zu gehen, recherchierte ich ein wenig detaillierter. Durch das Erasmus-Programm und die Betreuung die damit einherging, stieg die Aufregung und das Interesse dann doch ins enorm Hohe. Für mich stand von Beginn an fest, dass allerdings nur eine Englischsprachige Hochschule in Frage kommt, da ich sonst keinerlei Sprachkenntnisse besitze die für ein Studium ausreichend gewesen wären. Als ich meine Suche nach dem geeigneten Zielland weiterhin in Erasmus Partnerhochschulen eingrenzte schrumpfte die Zahl ins Überschaubare. Am Ende hatte ich dann die Wahl zwischen nur wenigen Partnerhochschulen. Irland als Insel mit seinen vielen Küsten und Traumhaften Landschaften brauchte dann nicht mehr viel um mich zu Überzeugen. Da ich selbst Musiker bin und in der Kneipenstadt Koblenz Clubs eher meide, war ein Land mit einer äußerst ausgeprägten Pub und Musik Kultur somit genau das richtige. Ergänzend dazu reise ich sehr gerne und wandere am liebsten in weitestgehend unberührter Natur. Was kann da besser sein als das Land mit dem bekanntermaßen saftigstem Grün?

Neben den üblichen Gründen wie ein verbessertes Englisch (speziell das Fachvokabular war mir hier wichtig) gab es noch einen Grund der mich motivierte. In einem fremden Land ohne Bekanntschaften, in dem ich vorher nie gewesen bin, muss ich nun für ein Semester mehr oder weniger alleine zurechtkommen. Wenn das den eigenen Charakter nicht stärkt und hilft sich selbst besser kennen zu lernen, dann weiß ich auch nicht. Ich freute mich auf eine aufregende Zeit in der ich hoffte meine Selbstständigkeit zu festigen und neue Bekanntschaft auch außerhalb Deutschlands zu finden.

2. Organisation des Auslandsaufenthalts

Finanzierung und Kosten

Finanzierung ist für ein solches Vorhaben natürlich immer ein Punkt der einem viele Sorgen bereitet. Nicht selten habe ich gehört „ich würde auch einmal gern ins Ausland gehen, aber ich kann mir das leider nicht leisten“. Selbst ich habe das oft als Ausrede benutzt um mir selbst zu sagen „geht nicht“. Das Erasmus Programm ist jedoch eine so unfassbare Möglichkeit sich finanziell unterstützen zu lassen wo ich nur sagen kann, wenn man diese nicht nutzt ist man selbst schuld. Zusätzlich habe ich mein Aufenthalt mit Auslandsbafög finanziert, da dieser Satz nochmal höher ist als das normale Bafög sind die Chancen eine nette Förderung zu erhalten nicht extrem hoch. Natürlich ist es nur mit diesen beiden Förderungen nicht möglich ein komplettes halbes Jahr zu leben. Vor allem nicht in einem so teuren Land wie Irland. Während der Semesterferien habe ich in einem Ingenieurbüro arbeiten können und konnte mir somit im Sommer noch einmal ein kleines Polster aufbauen. Zuletzt habe ich natürlich auch Unterstützung meiner Eltern erhalten. Sie Unterstützen mich in der Zeit meines Studiums, indem sie mir die Miete meines Koblenzer WG Zimmers bezahlen. Für die Zeit in Irland habe ich mein Zimmer mitsamt meiner Möbel untervermietet und somit nochmal eine zusätzliche Einnahmequelle erhalten.

Ausgaben (Durchschnittliche) Kosten in €

Miete: 600/Monat (alles inbegriffen)
Flüge: 30-90/Flug
Bus in der Stadt: 1,60-2,10/Fahrt mit Studen Leap Card
Essen gehen in Pubs, Restaurants: 12-18 ohne Getränke
Hostels: 16-22/Nacht
Airbnb: 35-50/Nacht
Bier: 4-7 je nach Pub

Sonstige Kosten für Essen, Kosmetik oder ähnliches sind insgesamt erkennbar teurer als in Deutschland. Nichtsdestotrotz findet man überall einen Lidl oder Aldi die annähernd zu selben Preisen verkaufen.

 

Akademische Fragen und Anerkennung der Leistungen

Für die akademischen Fragen hatte ich einige Gespräche mit Herr Laubach, dem Zuständigen Koordinator für Irland im Fachbereich bauen-kunst-werkstoffe. Er half mir sowohl bei der Sortierung meiner Module als auch beim Aufstellen des Learning Agreements. Außerdem war er auch eine erste Anlaufstelle bevor die gesamte Organisation überhaupt losging.

 

Bewerbung an der Gasthochschule

Der Bewerbungsablauf an der Gasthochschule lief problemlos ab. Wie ich später erfahren habe war ich der einzige Student unserer Hochschule der sich auf ein Semester in Irland beworben hatte. Generell waren zwei Plätze zu vergeben, wodurch mir demnach nichts im Wege stand. Nachdem ich also von Erasmus angenommen wurde musste ich lediglich eine Online Bewerbung auf der Internet Seite des CIT durchführen. Dafür war eine Mail mit entsprechenden Unterlagen im Anhang notwendig. Daher keine allzu große Maßnahme. Die einzige Sache die mich während der Bewerbung störte war die lange Wartezeit. Die ist damit zu erklären das die Fristen des Fachbereichs in Koblenz zur Bewerbung für ein Auslandssemester im Vergleich früh ist. Damit ist genug Zeit für Vorbereitung garantiert was eigentlich ein Vorteil ist. Dennoch war daher das CIT in Irland erst ein paar Monate später in der Lage auf meine Bewerbung zu reagieren wodurch eine lange Wartezeit auf Antwort entstand. Im nach hinein betrachtet ist das allerdings wirklich nicht der Rede wert. Ein größeres Problem bestand bei der Fächerauswahl im weiteren Verfahren zur Erstellung des Learning Agreements. Da am CIT viele Wahlpflichtfächer angegeben werden und die Lesung von Modulen stark von der Anzahl der neuen studierenden jedes Jahres abhängt, stand hinter vielen Modulen ein Fragezeichen, ob diese überhaupt gehalten werden. Deshalb wusste ich von Anfang an eigentlich nicht, ob und in welchem Maße meine Leistungen für mein Studium in Koblenz anerkannt werden. Aber auch hier war Herr Laubach eine große Hilfe. Außerdem suchte ich verschiedene Gespräche mit anderen Professoren bei denen ich hoffte ein Fach anerkennen lassen zu kennen. Auch hier waren einige bereit ein Kompromiss einzugehen, sofern dieses Fach in Irland später zu belegen war.

 

Unterkunft

Eine Unterkunft zu finden ist in Irland das größte Problem. Cork ist nach Dublin die größte Stadt und vollkommen überbevölkert. Selbst einheimische haben große Probleme eine Unterkunft zu finden. Zu Anfang dachte ich keine Probleme zu haben da man sofort nach Anmeldung am CIT die Möglichkeit hat an einem Studentenwohnheim zu bewerben. Von diesem Wohnheim haben mir auch die beiden Studenten erzählt mit denen Herr Laubach den Kontakt hergestellt hat. Beide haben dort gewohnt und ich hatte einen informationsreichen Austausch über das Leben in Irland generell. Dennoch hatte ich leider kein Glück und wurde in diesem Wohnheim nicht genommen. Sagen wir mal ich hatte Lospech. Ich dachte wenn man vor Ort ist, findet man am besten etwas. An dieser Stelle ein Wort der Warnung. Es ist leider keine Seltenheit, dass Studenten über Facebook Gruppen Wohnungen mieten und dadurch auf einen Betrug reinfallen. Das ist nicht nur finanziell ärgerlich sondern bedeutet auch großen Stress da man zu Semesterbeginn keine Bleibe hat. Demnach sollte man bei Zimmerbuchungen im Internet sehr vorsichtig sein. Das CIT war an dieser Stelle sehr hilfreich. Sie schicken an die Studenten eine Liste mit Leuten die Zimmer in ihrem privaten Haushalt vermieten. Diese werden Digs genannt. Hat seine Vor- und Nachteile aber ist definitiv eine der besten Anlaufstellen um eine Unterkunft zu finden. Ich selbst habe auch bei einer netten alleinstehenden Frau gewohnt. Sie besaß ein großes Haus und wir haben mit 4 Studenten bei ihr zu Hause gewohnt. In diesem Fall denke ich, hatte ich Glück. Sie war sehr nett und eine liebenswerte Person. Sehr hilfsbereit bei allen Problemen die man als internationaler Student in einem anderen Land im Alltag haben kann. Der einzige Nachteil war der weite Weg zur Hochschule was allerdings keine Seltenheit ist, da Cork eine sehr weitläufige Stadt ist. Dafür lebte ich näher am Stadtzentrum. Welche Vorteile das bietet kann sich wohl jeder denken. Außerdem ist es doch ein ruhigerer Rückzugsort im Vergleich zu einer großen Studenten WG oder einem Wohnheim. Leider war mein Zimmer sehr klein weshalb ich zum Lernen oder Hausarbeiten schreiben prinzipiell den Weg in die Bibliothek suchen musste. Insgesamt war ich mit der Unterkunft am Ende sehr zufrieden. Die Rückzugsmöglichkeit und die Nähre zum Zentrum waren die Vorteile die für mich persönlich dann doch überwiegten.

 

Anreisevorbereitung (Flug, Zahlungsmittel, Versicherung, Visum, Impfung)

Da Irland zur EU gehört, war die Vorbereitung ohne größere Probleme. Lediglich ein Streik der Fluggesellschaft Ryanair, lies die Preise ein wenig steigen. Dennoch lag es weiterhin im günstigen Bereich. Die Anträge für die Erasmus Förderung stellten keine Probleme dar und das Geld war auch frühzeitig vor Reisebeginn bereits auf meinem Konto. Lediglich die Organisation des Auslandsbafög war etwas komplizierter. Das lag jedoch nur an der schwierigen Kommunikation mit dem Internation Office des CIT. Dort gab es Probleme mir die nötigen Unterlagen für das BaföG-Amt korrekt auszufüllen. Visa, Impfungen, Auslandskrankenversicherung etc. bedurften keiner weiteren Bedeutung da, es bereits durch die EU Zugehörigkeit geregelt war.

3. Die Gasthochschule

Die Cork University of Technology ist eine sehr schöne Universität. Die Organisation vor Ort verlief wunderbar. Es gibt einen sehr großen Campus mit großen Sportanlagen und Fitnessstudio. Vor Ort hatte man immer einen Ansprechpartner der ohne weiteres half etwaige Probleme schnell und unkompliziert zu lösen. Ein gewöhnungsbedürftiger Unterschied war die Zusammenstellung der Note eines Moduls. Die Note besteht neben dem Abschlussexamen was in diesem Fall nur einen Teil der Note ausmacht, aus vielen weiteren Abgaben. Das können Hausarbeiten, Reports, Präsentationen oder Laborberichte sein. Dadurch hat man durch das gesamte Semester immer etwas zu tun und bleibt gut dabei ohne den Anschluss zu verlieren. Wenn man den Sprachhandicap bedingt sicherlich eine gute Sache aber manchmal stressig. Die Kursauswahl gestaltete sich in meinem Fall quasi von alleine. Da ich bereits im 6. Semester war und somit nicht viele Module finden konnte in denen ich auf Anerkennung hoffen konnte, wählte ich insgesamt 4 Module. Bei dreien kann ich eine Anerkennung in Koblenz erreichen, während das vierte rein aus Interesse an den Laborübungen gewählt wurde. In Irland wird nicht in Semestern sondern in Jahren studiert, weshalb ich leider, da ich nur ein Semester dort war, auf alle Module die nur im zweiten Halbjahr gelesen wurde verzichten musste.

4. Aufenthalt im Gastland

Ein Aufenthalt im Gastland war von Beginn an sehr aufregend. Eine kleine Komplikation gleich zu Beginn war, dass sich der Studienbeginn in Irland leider mit der zweiten Klausurphase in Deutschland überschneidet. Dadurch musste ich leider gleich nach der ersten Woche für zwei Wochen unterbrechen. Für den Moment empfand ich das als störend, im Nachhinein jedoch als nicht besonders schlimm. Ansonsten verbrachte ich sehr viel Zeit neben dem Studium durch das Land zu reisen. Schwierigkeiten bestanden nur in der Mobilität. Ohne Mietwagen oder eigenem Auto ist es wohl kaum möglich. Glücklicherweise gestaltete sich die Weitläufigkeit der Stadt auch als geringes Problem, da ich mir schnell ein Rad auftreiben konnte. Positiv überrascht wurde ich von den erwarteten Wetterbedingungen. Irland, als Land bekannt für regnerisches Wolkenwetter, zeigte sich zwar regelmäßig von seiner windigen und nassen Seite, aber kalt war es dort nie. Ein meist schwüles und feuchtes Wetter dominierten zwischen doch sehr häufig vorkommenden schönen Sonnentagen. Die Menschen Irlands gehören zum Großteil zu den Menschen die man sofort ins Herz schließen kann. Eine hilfsbereitere und freundlichere Bevölkerung erlebt man nur selten. Einem Iren in Eile ohne Zeit für einen kleinen „Chat“ begegnet man nur in Ausnahmefällen. Sport wird auf der kleinen Insel ebenfalls groß geschrieben. Ob Fussball, Hockey, Football oder Rugby, ständig und zu jeder Uhrzeit findet man in den Fernsehern der Pubs ein Spiel zum Verfolgen. Auch die Sportanlagen der Universität waren extrem großflächig und in überraschend gutem Zustand. In der Soccer Society fand ich schnell Anschluss und musste somit auch in der Auslandszeit nicht auf mein Hobby verzichten. Ursprünglich rechnete ich mit einem gemütlichen wöchentlichen „kick“ zum fit halten. In der Realität war es aber ein wirklich interessantes Training von geschulten Trainern und wöchentlichen Wettbewerbsspielen gegen andere Universitäten. Auch durch die Auswärtsspiele kam man dadurch ein wenig rum. Das Fitnessstudio der Universität ist kostenlos für jeden Studenten nutzbar, falls man Freistunden im Stundenplan hatte oder das Wetter gegen eine Outdoor Aktivität sprach. Feiern wurde in diesem Semester großgeschrieben. Ein wöchentliches Pub meet up für die internationalen Studenten mit kostenlosem fingerfood wurde schnell zum routineprogramm. Lediglich die Tanzwütigen Diskofreunde mussten sich auf eine oder zwei Clubs beschränken. Für mich als Pub Fan war das jedoch nebensächlich. Mit über 200 Pubs mit viel livesport und Musik gab es da reichlich auszuprobieren. Der einzig negative Aspekt war das Geld. Die Preise in Irland sind ganz im Allgemeinen teurer als in Deutschland. Die Lebensunterhaltungskosten, sowie Miete sind mit denen von zu Hause kaum zu vergleichen. Alleine durch die Alkoholsteuer sind Getränke in Pubs unter 5 Euro eher eine Seltenheit.

5. Fazit

Ein Semester im Ausland zu organisieren ist mir viel Eigeninitiative und organisatorischem Aufwand verbunden. Auch Ersparnisse und sonstige Geldaspekte leiden darunter. Dennoch bin ich froh diese Erfahrung gemacht zu haben und kann es nur jedem empfehlen. Unterm Strich war es mir jeden cent wert. Ich habe vieles über neue Kulturen erfahren, hatte eine Menge Spaß bei den gemeinsamen Aktivitäten und konnte zuletzt die wunderschöne Natur der Westküste nicht nur einmal erleben. Wer Musik, Pubs und Natur gern mag sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen.

 

von Lars Werner