Fachschaft Vernetzungstreffen

Architekturstudierende gründen selbstständige Organisation

130 Architekturstudierende haben am Wochenende auf dem Vernetzungstreffen der deutschsprachigen Architektur Fachschaften in Darmstadt beschlossen, eine selbstständige Organisation zur Vertretung der Interessen von angehenden Architekt*innen, Stadtplaner*innen, Landschaftsarchitekt*innen und Innenarchitekt*innen zu gründen.

Vom 27.02. bis zum 01.03.2020 veranstalteten die Architektur Fachschaften der Hochschule Darmstadt und der Technischen Universität Darmstadt gemeinsam das dritte und mit 130 Personen bisher größte Vernetzungstreffen der deutschsprachigen Architektur Fachschaften. Neben öffentlichen Fachvorträgen, Workshops zu verschiedenen Themen und einer Podiumsdiskussion mit dem Bundesgeschäftsführer der Bundesarchitektenkammer Tillman Prinz, dem Geschäftsführer des Justiziariats der Architektenkammer Hessen Thomas Harion, sowie dem Vice President Adam Gregory Fogel und der Geschäftsführerin Karma Israelsen des American Institute of Architecture students (AIAS), war das Abschlussplenum ein entscheidender Tagesordnungspunkt, da hier die wegweisende Entscheidung zur Vereinsgründung mit deutlicher Mehrheit getroffen wurde.

Die zukünftige Organisation soll für alle Studierenden und Absolvent*innen der betroffenen Fachdisziplinen offen sein und neben dem inhaltlichen Austausch, die hochschulübergreifende Zusammenarbeit fördern und die politische Stimme der Nachwuchsgeneration werden. Sie sieht sich dabei als Bindeglied zwischen den Kammern, der Praxis und den Architekturschulen.

In der Podiumsdiskussion berichteten die Vertreter*innen des AIAS über ihre Organisation, die schon seit vielen Jahren in den USA etabliert ist, und gaben Einblicke in die politischen Möglichkeiten einer eigenen Stimme, aber auch die Vorteile einer Vernetzung der Studierendenvertreter*innen, um die Qualität der Lehre zu verbessern. Tillman Prinz lud im Namen der Architektenkammern die Studierenden ein, sich durch eine solche Organisation in den Kammern mit ihren eigenen Ideen und Köpfen einzubringen und zusammenzuarbeiten, um das Berufsbild des Architekten gemeinsam zu gestalten.
“Es ist eine wahnsinnige Aufbruchstimmung spürbar und die Energie so vieler junger Menschen ist einfach beeindruckend”, erklären Katharina Körber und Fabian P. Dahinten vom Organisationsteam.

In sechs verschiedenen Workshops kamen alle Teilnehmer*innen in langen und intensiven Gesprächsrunden zusammen. Neben dem Austausch über die Unterschiede in den Funktionsweisen der individuellen Fachschaftsarbeit, war auch die Kommunikation über Verbesserungen in der Lehre ein überaus wichtiges Thema. Vor allem hinsichtlich der digitalen Lehre sehen die Studierenden Nachholbedarf und fordern einen schnellstmöglichen Leitfaden. Des Weiteren beschäftigten sich zwei Workshops ganz konkret mit der Zukunft des Vernetzungstreffens und der möglichen Struktur einer Organisation, die ganz klar als Ziel aus den Vernetzungstreffen hervorgehen soll. Workshopthemen waren: Struktur der Fachschaftsarbeit, Infrastruktur im Studium, Chancen im Studium, Digitales Studium, Zukunft des Vernetzungstreffens, Struktur des Vernetzungstreffens.

Die Architektur sollte größeren Einfluss in der gesellschaftlichen Wahrnehmung erfahren und durch Diskussionen und Plattformen für Kommunikation Antworten auf wichtige Fragen anbieten. Daher fand im Rahmen dieses Wochenendes ein öffentlicher Vortrag mit Jette Cathrin Hopp von Snøhetta und Prof. Dr. Michael Braungart mit über 400 Besucher*innen statt. Neben dem Einblick in die Bürokultur und die Herangehensweise von kulturellen Bauten des international renommierten Architekturbüros Snøhetta, zeigte Prof. Dr. Michael Braungart einen kritischen Blick auf den Umgang mit Materialien in der Bauwelt auf und sprach den studierenden Mut zu: “Seid stolz auf euch und baut keine Gebäude, die weniger schädlich sind, sondern nützlich und gesund für die Umwelt.” Ein anschließendes get together, welches auch Interessierten offen stand, rundete den Abend ab.

Der Darmstädter Beschluss ist der richtungsweisende Auftakt, nachdem die Fachschaften in Regensburg (12.- 13.10.2019) und Münster (14.-16.11.2019) den Stein der Vernetzung ins Rollen gebracht haben. Die nächste Veranstaltung soll die offizielle Gründungsveranstaltung sein.

Plenumsbeschluss

(alle Punkte wurden mehrheitliche durch das Plenum angenommen)

  1. Die Zielgruppe der zukünftigen Organisation sollen sein:
    • Studierende und Absolvent*innen der Studiengänge Architektur, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Innenarchitektur.
  1. Das Ziel der zukünftigen Organisation ist es:
    • ein unabhängiges Sprachrohr aller angehenden Architekt*innen, Stadtplaner*innen, Landschaftsarchitekt*innen und Innenarchitekt*innen zu sein.
    • ein anerkanntes Bindeglied zwischen den Landeskammern, sowie der Bundeskammer für Architektur, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Innenarchitektur, der Praxis und den Architekturschulen zu werden.
    • das Selbstbild der angehenden Architekt*innen, Stadtplaner*innen, Landschaftsarchitekt*innen und Innenarchitekt*innen zu stärken und Weichen für die Zukunft zu stellen.
  1. Die Werte der zukünftigen Organisation sollen folgende sein:
    • Gemeinschaft - Zusammenschluss aller angehenden Architekt*innen, Stadtplaner*innen, Landschaftsarchitekt*innen und Innenarchitekt*innen
    • Vernetzung - Die Organisation soll durch Austausch Subjektivität minimieren und die eigene Stimme stärken.
    • Interessenvertretung - Die Organisation soll die Interessen aller Studierenden und Absolvent*innen der Zielgruppe sammeln und vertreten. So können Probleme erkannt, diskutiert und bewältigt werden, sowie Ressourcen geschont werden.
    • Fortschritt - Die Organisation soll durch kritischen Umgang mit uns selbst, der Lehre, den Institutionen und gegebenen Strukturen zukunftsorientiert handeln.
    • Transparenz - Die Organisation soll ihre Ziele, Werte und Vorgänge allen zugänglich machen.
    • Demokratie - Die Organisation soll mit gleichberechtigten Stimmen Zielsetzungen finden und Entscheidungen in einer demokratischen Struktur finden.
    • Unabhängigkeit - Die Organisation soll selbstbestimmt handeln und eigene Meinungsfindung fördern.
    • Gemeinnützig - Die Organisation soll im Wohle der Zielgruppe und ohne finanziellen Antrieb handeln.
    • Chancengleichheit - Die Organisation setzt sich für eine Gleichstellung aller Geschlechter und Akzeptanz verschiedener Religionen ein.
  1. Die zukünftige Organisation soll als Verein gegründet werden und ist die selbstständige Vertretung angehender Architekt*innen, Stadtplaner*innen, Landschaftsarchitekt*innen und Innenarchitekt*innen.
  1. In der Organisation können natürliche Personen Mitglied werden. Innerhalb der Organisation bilden sich Arbeitsgruppen und Interessensgruppen. Diese können Abstimmungsvorschläge an das Plenum bei den Vernetzungstreffen stellen, welche dann im Plenum von allen Anwesenden abgestimmt werden. Diese werden von der Organisation nach außen kommuniziert.
  1. Es sollen mindestens zwei Treffen pro Jahr stattfinden: In einem Semester ein formelles Treffen mit einem Plenum für Beschlussfassungen und im darauffolgenden Semester ein informelles Treffen, welches auch kleiner ausfallen kann.
  1. Es wurden Arbeitsgruppen gegründet mit Ansprechpartner*innen, die die Gründung vorbereiten sollen (Die Themenkreise können sich auch außerhalb der Vernetzungstreffen treffen):

Arbeitsgruppe Kommunikation

Aufgaben:
vorläufige Repräsentation, Öffentlichkeitsarbeit, Homepage, Archivierung bisheriger Ergebnisse, Newsletter erstellen, interne Kommunikation, Austausch mit Kammern

Ansprechpersonen:
Katharina Körber (Hoschule Darmstadt)
Fabian P. Dahinten (Hochschule Darmstadt)
Yvonne Tischer (FH Münster)
Leonardo Freitag (TU Berlin)

Arbeitsgruppe Vereinsgründung/Satzung

Aufgaben:
Erarbeitung einer Vereins-, Gremienstruktur & Satzung, Vorschlag von Funktionen und Aufgabenfeldern
für Personen, Finanzkonzept für langfristige Finanzierung

Ansprechpersonen:
David Finger (Hochschule Darmstadt)
Claus Albers (OTH Regensburg)
Lorenz Hahnheiser (Universität Hannover)

Arbeitsgruppe Organisation nächstes Treffen

Aufgaben:
Vorbereiten des nächsten Treffens von zentraler Stelle und Unterstützung der ausführenden Fachschaften

Ansprechpersonen:
Gianni Mauta (RWTH Aachen)

Finja Heck (TU München)

Thesen zur Digitalisierung der Lehre:

  1. Die Vermittlung von CAD-Programmen und ihrer Schnittstellen zu Modellbau und Post-Productionsind ein essentieller Bestandteil des Architekturstudiums, der die bisherigen Formender Lehre ergänzt.
  2. Die Vermittlung von CAD-Programmen sollte schrittweise stattfinden und sich auf die durch dasHandzeichnen eingeübten Darstellungen beziehen. Dabei sollten die Studierenden spätestensab dem zweiten Semester lernen, digitale 2D Pläne zu erstellen. Spätestens ab demvierten Semester sollten die Studierenden befähigt werden, kollaborativ an digitalen 3D-Modellenzu arbeiten.Die Entwurfsaufgaben sollten sich an den Fähigkeiten der Studierenden orientieren und den Studierendendie Freiheit lassen, eigene Entwurfsmethoden zu nutzen.
  3. Eine Unterstützung durch Kursangebote trägt wesentlich zum Verständnis und zu effektivemArbeiten im digitalen Raum bei.
  4. BIM ist ein immer stärker werdendes Werkzeug zur effizienten Zusammenarbeit verschiedenerGewerke. Daher ist es sinnvoll, dass Studierende die Möglichkeit bekommen, dieses bereitsin der Universität, z.B. in interdisziplinären Projekten, kennen zu lernen. Dabei ist es wichtig,sich die architektonischen Freiheiten nicht durch die Programme beschränken zu lassen.

 

Teilnehmende Fachschaften und Initiativen

Fachhochschule Erfurt
Fachhochschule Aachen
RWTH Aachen
Technische Universität Berlin
Hochschule Biberach
Hochschule 21
Hochschule Darmstadt
Technische Universität Darmstadt
Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Fachhochschule Dortmund
Technische Universität Dresden
Hochschule Düsseldorf
Leibniz Universität Hannover
Universität Kaiserslautern
Universität Kassel
Hochschule Koblenz

American Institute of Architecture students (AIAS)
Bundesarchitektenkammer
Landesarchitektenkammer Hessen
Supertecture
Architects for future

HTWG Konstanz
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur
Hochschule Mainz
Technische Universität München
Fachhochschule Münster
Technische Hochschule Nürnberg
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
Universität Siegen
Universität Stuttgart
Bergische Universität Wuppertal
Universität Innsbruck
Hochschule München
Hochschule Rhein Main
Beuth Hochschule Berlin
Bauhaus-Universität Weimar