Schwerpunkte Unternehmensführung / Finanzmanagement

Im Rahmen der Kurseinheiten der Vertiefungsrichtung "Unternehmensführung/Finanzmanagement'" werden zunächst das Managementhandeln und seine konstitutiven Elemente theoretisch durchdrungen. Auf dieser Basis werden sowohl unentziehbare Geschäftsführungsaufgaben (im Sinne von "top management") als auch besondere Führungssituationen erschlossen. Dies sind insbesondere

  • die Ableitung, Strukturierung und Lösung von aus der zunehmenden Komplexität der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Grenzen der Planbarkeit des Wirtschaftens resultierenden Problemen,
  • die Quantifizierung und Optimierung der nachhaltigen Wertschaffung als übergeordnetem Leitmotiv des Führungshandelns,
  • die Schaffung eines Governance- und eines Risikomanagementsystems einschl. eines internen Überwachungssystems (insbesondere in Bezug auf das Organisationsmodell der AG),
  • bis zur Verantwortung für die Führung der Handelsbücher und Aufstellung des Jahresabschlusses.

Da sowohl die Ausübung der bilanzpolitischen Wahlrechte und Ermessensspielräume („Bilanzmarketing") als auch die Vornahme von (Groß-) Kreditverhandlungen „Chefsache" sind, werden diese Themengebiete eingehend behandelt. Aktuelle Entwicklungen wie die Erfüllung der Anforderungen aus „Basel II" als auch Konsequenzen des Übergangs zu den IAS/IFRS (International Acccounting Standards/International Financial Reporting Standards) werden einbezogen.

Externen Wachstumsstrategien kommt eine immer bedeutendere Rolle in der Praxis zu. Missmanagement in Zusammenhang mit der Akquisition von Unternehmen kann die Schieflage eines gesamten Konzerns verursachen. Diesbezüglich werden Grundsätze, Theorien, Konzepte und Anwendungsfragen der Unternehmensbewertung behandelt. Weiter werden strategische Fragen der Unternehmenskäufe wie -verkäufe (u.a. M&A-Strategien, Due Diligence) erörtert.

Die Beschäftigung mit Managementproblemen fördert eine Vielzahl von z.T. sehr unterschiedlichen Aspekten zutage. Es geht nicht nur um solche des zweckmäßigen Gestaltungs- und Lenkungshandelns im engeren Sinne. Es kommen Fragen auf wie die nach den Grundlagen des Handelns, nach den strukturellen und personellen Voraussetzungen, nach der Legitimation und der Art und Weise, wie Manager mit ihrem Gestaltungs- und Lenkungsauftrag umgehen.

Angesichts der Komplexität und Dynamik ihres Erfahrungsbereiches ist die anwendungsorientierte Managementlehre mit einem besonderen Widerspruch konfrontiert: Auf der einen Seite verspüren Führungskräfte immer stärker Unsicherheit sowie Grenzen der Planbarkeit und Durchsetzbarkeit als bestimmende Merkmale ihres Führungsauftrags. Relevante wirtschaftliche, technische und politisch-gesellschaftliche Umwelten sind in einem beschleunigten Wandel. Auf der anderen Seite stößt der Versuch der Führungswissenschaft, der Situationskomplexität und -variabilität in ihren Aussagen einigermaßen gerecht zu werden, rasch an Grenzen.

Bei dieser Sachlage wird die Reflexion über die Gestaltungs- und Lenkungsgrenzen praktischen Managements und den „Umgang" der Theorie mit diesen Grenzen zu einem wichtigen Bestandteil der Managementlehre selbst. Die Kurseinheit verfolgt das Ziel, Gestaltungs- und Lenkungshandeln und dessen Grenzen im Hinblick auf Komplexität und Dynamik zu reflektieren. Die Kunst zukunftsweisenden Managements besteht darin, situationsgerechtes Verhalten bei gegensätzlichen Anforderungen zu erreichen.

In dieser Kurseinheit werden die unentziehbaren Obliegenheiten der Geschäftsführung auf Basis des aktienrechtlichen Pflichtenrahmens identifiziert und operationalisiert. Hierbei steht die Ordnungsmäßigkeit und Zweckmäßigkeit der Geschäftsführungsorganisation und Geschäftsführungsinstrumente im Fokus. Zur Beurteilung der Geschäftsführung dienen der Deutsche Corporate Governance Kodex, weitere wissenschaftliche Konzepte wie der German Code of Corporate Governance und die Rechtsnormen der § 53 GenG und § 53 HGrG.

Zu den Geschäftsführungspflichten zählt auch die Implementierung wirksamer Maßnahmen zur Aufdeckung und Vermeidung fraudulenter Handlungen, da die rapide Zunahme der Wirtschaftskriminalität und der damit induzierten Schadensvolumina als empirisch gesichert gelten kann. Es bedarf insoweit eines umfassenden „Compliance-Management-Systems“, dessen zeitgemäße Komponenten und Maßnahmen erörtert werden.

Geschäftsführer von AG sind nach § 91 AktG zur Einrichtung eines Risikomanagementsystems einschließlich einer internen Revision verpflichtet, um den Fortbestand des Unternehmens gefährdende Entwicklungen frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen treffen zu können. Es werden Möglichkeiten des Ausbaus des Controllings zu einem frühwarnfähigen Kennzahlsystem erörtert. Weiter werden die konstitutiven Elemente eines Risikomanagementsystems dargestellt. Hier steht das interne Überwachungssystem im Mittelpunkt.

Die Darlegungen werden mittels der Diskussion von Unternehmensbeispielen und der eigenständigen Entwicklung eines Risikomanagementsystems am Fallbeispiel vertieft.

Die Jahresabschlussanalyse ist ein systematisches Verfahren zur Ausschöpfung und Verarbeitung des Informationspotenzials von Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und Lagebericht mit dem Ziel, Erkenntnisse über die wirtschaftliche Lage und Zukunftsaussichten eines Unternehmens zu erlangen.

So unterschiedlich die Informationsbedürfnisse der verschiedenen Interessengruppen auch sein mögen, ihre Fragen konzentrieren sich auf die folgenden Problemstellungen der Analyse:

  • die Untersuchung der gegenwärtigen Ertragslage mit dem Ziel der Prognose der zukünftigen Ertragskraft der Unternehmen, also ihrer Fähigkeit, Gewinne zu erzielen,
  • die Beurteilung der Liquidität und Finanzkraft zwecks Einschätzung der Möglichkeiten der Unternehmen, ihren gegenwärtigen und zukünftigen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen und Wachstum finanzieren zu können,
  • die Einschätzung der Erfolgspotenziale im Sinne von Stärken und Schwächen der Unternehmen, die u. a. in Investitionsaktivitäten, Wachstum und Risikostreuung zum Ausdruck kommen.

Es wird theoretisch und anhand von Unternehmensbeispielen aufgezeigt, wie Bilanzierende und Analysten im Rahmen der Buchführungs- und Abschlusstechniken, Bewertungsregeln und Bilanzierungsvorschriften ihre Ziele verwirklichen bzw. ihre Fragestellungen beantworten können. Dargelegt werden die Möglichkeiten der Aufdeckung der Bilanzpolitik (qualitative Bilanzanalyse), der Aufbereitung der Abschlusspositionen durch Verdichtung, Umgliederung, Aufspaltung, Saldierung und Umbewertung, der Bildung von Kennzahlen und deren Interpretation sowie der Prognose der künftigen Entwicklung.

Die hohe praktische Bedeutung der Unternehmensbewertung resultiert aus dem erheblichen Vermögen, welches beim Kauf eines Unternehmens transferiert wird. Die Kernfrage lautet: Wie hoch ist der faire Wert eines Unternehmens? Die Antwort hierauf ist vielschichtig und immer auch abhängig vom Bewertungsanlass. Beispielsweise können Bewertungen fusions- oder kaufbedingt, aber auch durch Rechnungslegungsrecht erforderlich sein. In zunehmendem Maße dienen Bewertungsmethoden auch einer wertorientierten Unternehmenssteuerung.

Durch die Verknüpfung einer Vergangenheitsanalyse, einer Überprüfung der zukünftigen Möglichkeiten und Maßnahmen sowie einem darauf aufbauenden Finanzmodell stellt ein Business Plan eine komprimierte Basis für die Beurteilung des zukünftigen Geschäftserfolges und somit einer zukunftsorientierten Beurteilung eines Unternehmens dar.

Der vorherrschenden Discounted Cashflow-Methode wird in Wissenschaft und Praxis eine wichtige Rolle beigemessen. Daneben werden weitere Bewertungsmethoden, wie z.B. die Ertragswertmethode, dargestellt. Besonderheiten bei KMU-Unternehmen, Wachstums- oder verlustreichen Unternehmen werden diskutiert.

Es wird erörtert, inwieweit wertorientierte Kennzahlen als Entscheidungsgrundlage und Steuerungsgröße für das Management dienen können. So lässt sich der Beitrag von Unternehmensteilen oder einzelnen Projekten für den Wert eines Unternehmens etwa anhand des Economic Value Added oder des Cash Value Added messen.

In dieser Kurseinheit steht das Management von Finanzierungsproblemen und -optimierungen einer Unternehmung im Mittelpunkt. Kenntnisse über Finanzinstrumente des Eigen-, Fremd- und insbesondere Mezzaninekapitals sowie Kreditsurrogaten werden erweitert und vertieft, da sie grundlegend für einen Finanzmanager sind. Insbesondere ihre Ausgestaltung in Abhängigkeit von der Größe oder Rechtsform einer Unternehmung und die Kosten der einzelnen Instrumente bilden die Grundlage für Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen, Kapitalstrukturoptimierungen und Ausschüttungsüberlegungen.

Die Möglichkeit, sich Eigen- und Fremdkapital über den Kapitalmarkt zu beschaffen, ist zumindest für größere Unternehmen eine zu diskutierende Finanzierungsalternative, die neben der Kreditaufnahme bei Banken steht. Das Risikomanagement von z.B. Zins-, Währungs- sowie Rohstoff- und Energiekontrakten kann mittels derivativer Finanzinstrumente erfolgen, die hierfür einen Strauß an Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Daneben sind Kenntnisse über die Liquiditätsplanung und -optimierung sowie Teile des Sanierungsmanagements grundlegender Bestandteils des Finanzmanagements.

Den Ausgangspunkt der Lehrveranstaltung bilden die unterschiedlichen Steuerungsphilosophien einer strategischen Finanz-Holding bzw. einer operativen Management-Holding. Basierend auf typisierenden Informationsbedarfen, sind die unterschiedlichen IST- und PLAN-Berichtsanlässe (monatlich, quartärlich und jährlich) hinsichtlich ihrer Rechnungswesen- und Controlling-relevanten Inhalte, Prozesse und deren Systeminanspruchnahme aufzuzeigen.

Im Zuge der Konzernrechnungslegung ist die Kapital-, Schulden- und Aufwands- und Ertragskonsolidierung sowie die Zwischengewinn-Eliminierung darzustellen. Ferner sind die Planberichtsanlässe des Controlling inhaltlich, wie auch prozessual, zu erläutern und anhand von Projektbeispielen darzustellen, welche Harmonisierungserfordernisse zur IST-Berichtserstattung des Rechnungswesen vorliegen. Die PLAN-Berichtsanlässe der Mittelfristplanung, Budgetierung und des Forecasting werden explizit besprochen.

Ferner sind unterschiedliche Steuerungskonzepte des „Value Based Management“ und Ansätze des „Balanced Scorecard Management“ theoretisch und aus praxisbewährter Sicht darzustellen. Grenzen und Möglichkeiten von Realisierungsoptionen in SAP, wie auch in anderen Softwareprodukten, sind ebenso zu präsentieren. Es sind die unterschiedlichen Ausgestaltungsformen eines „klassischen“ Standard-Reporting (bspw. Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und Kapitalflussrechnung), einschließlich der Kommentierungsmöglichkeiten zu diskutieren und anhand von Praxisbeispielen darzustellen. Neben den zuvor genannten inhaltlichen Reportingaspekten eines Rechnungswesen und des Controlling, sind weitergehende Sachverhalte der Berichterstattung und der prozessualen Bearbeitung der Berichtsanlässe in den Unternehmen aufzuzeigen.

Im Zuge der Digitalisierung von Unternehmensprozessen, bspw. durch Robotics, verändern sich Reporting- und Planungsinhalte sowie deren Prozesse.  Der letzte Abschnitt im Skript bietet hierzu erste Konzeptionen an, erweitert das Datawarehouse-Konzept zu einem Data-Lake-Konzept und stellt die Frage nach den Fähigkeiten der Mitarbeiter im zukünftigen Rechnungswesen- und Controlling-Umfeld  zur Sicherstellung einer effektiven und effizienten Unternehmenssteuerung. 

Im Rahmen der Kurseinheit werden zunächst die damit assoziierten Fachbegriffe erklärt und der strategische Hintergrund erläutert. Grundsätzlich geht es um Übernahmen bzw. Unternehmensverkäufe (Acquisition) und Fusionen (Merger).

Die Gründe für den Kauf eines Unternehmens oder die Fusion mit einem anderen Unternehmen sind mannigfaltig. In erster Linie spielen dabei renditeorientierte, betriebswirtschaftliche und strategische Gründe eine Rolle, wobei dem Begriff der „Synergieeffekte" eine große Bedeutung zukommt. Im Rahmen der Kurseinheit werden die einzelnen Synergien - seien es Kostensynergien, Marktsynergien oder beides - erörtert. Ferner wird diskutiert, ob auch der Wunsch eines Unternehmens nach sogenannter Diversifikation eine M&A-Transaktion rechtfertigt.

Um diese Synergieeffekte realisieren zu können, ist jedoch eine Zusammenführung erforderlich, die sogenannte Post-Merger-Integration (PMI). Die Umsetzung der PMI bildet ebenfalls einen Gegenstand dieser Kurseinheit.

Auch wird die optimale Integrationstiefe erörtert, wobei Fragen nach der Kernkompetenz des Unternehmens und Möglichkeiten des Outsourcing bzw. Insourcing (vertikale Integration) eine Rolle spielen. Die Bandbreite der Beteiligungen wird thematisiert - von der reinen Finanzbeteiligung bis zur totalen Verschmelzung. Weiter werden die typischen Schritte einer M&A-Transaktion dargestellt. Anhand von praktischen Beispielen werden die Bewertung des Zielunternehmens und die Preisverhandlungen erörtert.

Jedes Unternehmen, das sich über den Kapitalmarkt finanzieren will, unterliegt einem Bewertungsverfahren. Die Notwendigkeit dazu ist nicht erst seit den neuen Eigenkapitalvereinbarungen der Kreditinstitute im Rahmen von Basel II gegebenen. Jedoch haben sich Bewertungsverfahren (das sogenannte Rating), mitsamt ihrer grundsätzlichen Bedeutung, verändert. Außer den Bedürfnissen nach einer Risikoeinschätzung seitens des Kreditgebers dient das Bewertungsverfahren nun auch der Kalkulation des von der Bank als Sicherheit zu hinterlegenden Eigenkapitals gemäß aufsichtsrechtlicher Vorgaben.

Das Rating dient der Beurteilung der Bonität eines Unternehmens, wodurch die zugestandenen Kreditkonditionen maßgeblich vom Rating abhängen. Anzeichen einer Unternehmenskrise oder einer veränderten Zahlungsfähigkeit beeinflussen damit in wesentlichem Maße die Rahmenbedingungen der externen Finanzierungsmöglichkeiten.

Die Kurseinheit problematisiert die Verhandlungen in Zusammenhang mit der Aufnahme von Bankkrediten. Hierzu werden auf Grundlage einer Einführung in bankaufsichtsrechtliche Vorschriften insbesondere die grundsätzliche Vorgehensweisen der Kreditvergabe und die Methodenlehre des qualitativen und quantitativen Ratings vermittelt. Zum besseren Verständnis der Bankensicht kommen auch Grundzüge der Kapitalmarkttheorie zur Sprache.