Schwerpunkte Leadership

Führung ist eine absichtsgeleitete soziale Beeinflussung. Sie will den Wertschöpfungsbeitrag der Mitarbeiter für die zentralen Bezugsgruppen des Unternehmens erhöhen oder sichern. Sich verändernde Umweltfaktoren (Globalisierung, Diskontinuitäten wie neue Trends, neue Wettbewerber, neue Gesetze etc.) führen zu tiefgreifenden Unsicherheiten für Führungskräfte. Die Innovationszyklen bei Produkten und Dienstleistungen werden immer kürzer, immer mehr und globalere Einflüsse wirken als externe Faktoren auf die Entscheidungsmöglichkeiten der Führungskräfte ein. Sie müssen agieren und reagieren, indem sie die Umweltfaktoren beobachten sowie ihre eigene Flexibilität und Innovationskraft erhöhen und dabei gleichzeitig Ihre Mitarbeiter „mitnehmen“ bzw. dazu motivieren, Veränderungen mitzugehen. Hieraus ergeben sich erweiterte Ansprüche an Führungskräfte, die auch emotionale und soziale Kompetenzen verlangen.

Dies ist die Brücke zur ethischen Begründung der Führung: Verantwortlichkeit und Vertrauen müssen die Basis modernen Leaderships sein. Die kognitiven Entscheidungstheorien müssen hierbei pragmatische Handlungsroutinen vorgeben, die flexibel genug sind, um sich den jeweiligen Situationen anzupassen. Einen neuen Erkenntnisschub setzt die Neuroökonomie, deren Erkenntnisse sich auch auf das Neuroleadership übertragen lassen: der Mensch ist kein rational handelndes Wesen, kein »homo oeconomicus«, weil auch sein Gehirn viel stärker sozial und emotional strukturiert ist. In diesem Zusammenhang taucht der Begriff des Leadership auf, der den Begriff des Managements nicht ersetzt, sondern erweitern soll.

Nach dem Erfinder des Begriffes, dem Harvard Professor John P. Kotter, gibt es signifikante Unterschiede zwischen beiden Begriffen: Management fokussiert auf Begriffe wie Organisation, Controlling, Administration, Planung und Budgetierung, Strategien und Systeme und ist stabilitätsorientiert. In der Lehre dominieren strukturelle und institutionelle Aspekte. Leadership hingegen fokussiert auf Begriffe wie Vision, Zukunft, Orientierung, Motivation, Befähigung von Mitarbeitern, Gestalten des Wandels. In der Lehre dominieren personale und interaktionale Aspekte. Leadership verfolgt folgende Ziele:

  • Anerkennung von gleichem Wert und gleicher Würde
  • Aktives Handeln und Fürsorge
  • Persönliche Verantwortung und Rechenschaftspflicht
  • Shareholder-Engagement und Dialogführung
  • Bedächtigkeit bezüglich globaler Fairness und Gerechtigkeit
  • Einschließlichkeit und Eigenverantwortung (Subsidiaritätsprinzip)
  • Mitarbeit bei der Förderung von gesundem Leben und menschlichen Fähigkeiten
  • Nachhaltigkeit und Verantwortungsübernahme

Sind diese theoretischen Ansätze in der Praxis überhaupt umsetzbar? Kann sich ein integerer Leader in der heutigen Wirtschaftswelt überhaupt durchsetzen? Dies ist ein herausfordernder Diskurs für die Lehre.

Führungskräfte sehen sich immer öfter mit einem Anspruchsrahmen konfrontiert, der widersprüchliche Erwartungen formuliert: Erwartet wird nachhaltige, vertrauensfördernde Personalführung gepaart mit schneller und effizienter Zielerreichung in einem betrieblichen Umfeld, das sich als immer weniger vorhersehbar darstellt. Unternehmenssysteme und Individuum stehen somit vor einer gemeinsamen Herausforderung.

Eingebettet in eine komplexe Umwelt gilt es angesichts der Vielfalt  der Wirklichkeitsbezüge eine angemessene Antwort zu finden, flexibel zu reagieren und gleichzeitig einen stabilen inneren Referenzrahmen auszubilden. Souveränität in diesem anspruchsvollen Feld zu entwickeln erfordert zeitliche und finanzielle Ressourcen, die jedoch oft nicht zur Verfügung stehen.
In Folge dessen erfahren sich Mitarbeiter und Führungskräfte zunehmend als vom Geschehen Getriebene, die nur noch reagieren aber nicht mehr agieren können. Gestaltungshandeln degeneriert zu rein struktureller Verwaltung von Teilbereichen, das Gemeinsame gerät aus dem Focus.

Konsensuales Handeln, das sich einem gemeinsamen Ziel unter Relativierung eigener Interessen verpflichtet, entsteht aber nur durch begründete Argumentation und sicheres Wissen um die Grundlagen der eigenen Entscheidung durch die Führungskraft.

Die Kurseinheit vermittelt Einblick in die Grundlagen des modernen Menschenbildes und der sich daraus ergebenden praxisrelevanten Parameter verantworteten Handelns. Den Referenzrahmen dieser Erwägungen bildet die Idee des „Lernunternehmens“, die unter Einbeziehung der Geistes- und Sozialwissenschaften maßgeblich zur Neudefinierung der betrieblichen Wirklichkeit beigetragen hat.

Die systemische Managementtheorie betont die Bedeutung qualitätvoller Kommunikation für ein lösungsorientiertes, gemeinsames Handeln, dem Führung die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen muss. Das Wissen um die theoretischen und historischen Voraussetzungen dieses Theoriegebäudes befähigt zu einem eigenen Urteil und angemessenem Handeln im Spannungsfeld persönlicher Integrität, Mitarbeiterführung und Unternehmensziel.

Entscheidungen im betrieblichen Umfeld sind immer stärker von hoher Dynamik, Vernetztheit  und Komplexität geprägt. Das bedeutet, dass der Anteil von Routineentscheidungen bei Führungskräften sinkt und die Anforderungen an die Entscheidungsqualität steigen.

Die Grundlage jeder Entscheidung stellt das Ziel, bzw. das Zielsystem dar, das mit der Entscheidung verfolgt werden soll. Die meisten Entscheidungen, die Führungskräfte zu treffen haben, sind aber Entscheidungen, die Zielsysteme mit konkurrierenden Zielen verfolgen, ohne dass dies den Entscheidenden, wie den von den Entscheidungen Betroffenen, unmittelbar klar sein muss. Insofern hängt die Entscheidungsqualität zu einem großen Teil von der Identifikation von Zielkonflikten und dem Umgang mit konkurrierenden Zielen ab.

Die Kurseinheit thematisiert diese Problematik als notwendigerweise zu klärenden Ausgangspunkt für zielführende Entscheidungen und stellt Instrumente zur Lösung dieses Problems vor.

Im Rahmen ihres Studiums lernen die Studierenden eine breite Palette von betriebswirtschaftlichen Instrumenten kennen, die auf die inhaltlichen Aspekte von Entscheidungsproblemen ausgerichtet sind. Diese Instrumente setzen allerdings im Regelfall eine Informationslage voraus, die in der Praxis in dieser Form nicht gegeben ist. Führungskräfte können Ihre Entscheidung typischerweise nicht bei vollständiger Information treffen, sondern müssen dies unter Unsicherheit tun, weil relevante Informationen nicht existieren oder nicht zeitnah bzw. zu vertretbaren Kosten verfügbar gemacht werden können.

Vor diesem Hintergrund gewinnen die Instrumente der Entscheidungstheorie an Bedeutung, die, in Kombination mit der klassischen betriebswirtschaftlichen Toolbox,  mit Hilfe stochastischer Methoden, die Qualität von Entscheidungen bei schlechter Informationslage verbessern helfen. Die Vorstellung und Anwendung solcher entscheidungstheoretischer Instrumente bildet einen Schwerpunkt der Kurseinheit. Hierbei sollen sowohl einstufige Verfahren als auch Entscheidungsbäume behandelt werden.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind hier die neueren Entwicklungen im Bereich der evolutionären Spieltheorie von besonderem Interesse, da dort die Frage, wie nachhaltige Strategien aussehen könnten, im Mittelpunkt steht und die Bedeutung von Vertrauen zur Senkung von Transaktionskosten beleuchtet wird. Dieser Bereich bildet den zweiten Schwerpunkt der Kurseinheit.

Um in einer komplexen und vernetzten Umwelt erfolgreich agieren und entscheiden zu können, ist es unabdingbar, die Struktur der relevanten Umwelt und die Vernetzung der Systemelemente zu verstehen, um die Reaktion der Umwelt auf die eigenen Entscheidungen antizipieren zu können. Ansätze des systemischen Managements, die solche Fragen thematisieren, bilden einen weiteren Schwerpunkt der Kurseinheit.

Übungsaufgaben vermitteln den Studierenden zwar Grundfertigkeiten in der Anwendung einzelner Instrumente, sind aber notwendigerweise stark unterkomplex, da die Aufgabenstellung bereits stark auf ein Instrument fokussiert ist. Ein Excel-basiertes strategisches Planspiel soll den Studierenden eine praxisnähere Lernmöglichkeit geben. Die Studierenden sollen in der Präsenzphase in miteinander konkurrierenden Gruppen Zielsysteme und Handlungsalternativen entwerfen. Auf diese Weise kann ein realistisches Szenario kooperativ geführter Teams auf wettbewerbsintensiven Märkten entstehen.

In dieser Kurseinheit werden die wichtigsten Erkenntnisse der kognitiven Neurowissenschaft in Bezug auf Leadership/Führung und Human Resource Management/Personalmanagement dargestellt. Angesichts der grundlegenden Bedeutung der interdisziplinären Zusammenführung von Geistes- und Naturwissenschaften und den zu erwartenden Auswirkungen auf den gesamten HRM- und Führungsbereich ist diese Kurseinheit als Einstieg in ein neues zentrales Thema zu sehen.

Vorrangig im Bereich der Humanwissenschaft hat die Neurobiologie eine Fülle von Erkenntnissen über die fundamentalen Funktionsweisen des menschlichen Gehirns hervorgebracht. Die adaptiven Leistungen des Gehirns befähigen den Menschen in den unterschiedlichsten Umwelten, auf Grund hoher Verhaltensflexibilität und Innovationskraft, vorteilhaft zu agieren.

Gleichzeitig ist das Gehirn als autopoietisches, selbstreferentielles System hochgradig autonom und unterhält durch Komplexitätsreduktion eine qualifizierte, d.h. selektive Beziehung zu seiner Außenwelt. Es entwickelt sich durch und mit den Bedingungen unter denen es genutzt wird und stellt seine Fähigkeiten weitaus mehr in den Dienst von Gefühl, Emotion und sozial ausgerichtetem Handeln als bisher vermutet. Der Einfluss rationaler Entscheidungsfindung erscheint nach bisherigem Forschungsstand als überbewertet. Vor diesem Hintergrund kommt der bewussten Gestaltung sozialer Interaktionen im betrieblichen Umfeld eine besondere Bedeutung zu - sie können förderlich oder hinderlich für die Entfaltung von Kreativität, Motivation und Engagement der Mitarbeiter gestaltet werden.

Dieser, auch als Verpflichtung zu verantwortetem Handeln wahrgenommene Gestaltungsrahmen hat im Bereich der Selbst- und Mitarbeiterführung zu einer regen Diskussion über die möglichen Konsequenzen für das  moderne Menschenbild und Führungsverständnis geführt, das sich an neuen Parametern orientieren muss.

Da die Erkenntnisse der Forschung  oft nur als Stückwerk oder auf problematische Kernaussagen reduziert in die öffentliche Diskussion gelangen, wird sich die Kurseinheit inhaltlich mit praxisrelevanten Aussagen beschäftigen, die im Bereich Führung von Bedeutung sind und sie in Genese und Analyse behandeln.

Aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen gewinnt das Thema „Diversität“ immer stärker an Bedeutung. Effizientes Diversitätsmanagement beeinflusst zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit oder gar die Überlebensfähigkeit von Organisationen. Das in der Vergangenheit als ‚nice-to-have‘ angesehene Thema entwickelt sich allmählich zu einem strategisch relevanten Ansatz.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen wird in der Kurseinheit auf die ökonomische Relevanz von Diversität eingegangen. Durch die Einbettung des Themas in das Gesamtkonzept der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen, insbesondere Corporate Social Responsibility, soll die strategische Dimension der Problematik besonders betont werden.

Um die Herausforderungen von Diversität zu bewältigen und die Potenziale zu nutzen, ist es wichtig, die Komplexität des Themas zu verstehen. Einen wichtigen Bestandteil der Kurseinheit stellt folglich theoretische Analyse des Einflusses von Diversität auf das Verhalten und auf die Leistung von Individuen, Gruppen und Organisationen sowie Diskussion unterschiedlicher Diversitätsmanagement-Ansätze dar.

In dem praktischen Teil des Kurses wird auf die Besonderheiten ausgewählter Dimensionen (Geschlecht, Alter, Behinderung, kulturelle Herkunft) eingegangen. Durch Analyse von Praxisbeispielen und Fallstudien sowie Entwicklung eigener Konzepte wird der Transfer des erworbenen Wissens in die Praxis unterstützt.

Die Studierenden erwerben Verständnis für die ökonomische Relevanz von Diversität und Diversitätsmanagement. Sie werden dazu befähigt, die Problematik von Diversität aus mehreren Perspektiven und auf mehreren Ebenen zu analysieren. Sie kennen verschiedene Ansätze von Diversitätsmanagement und sind imstande, diese kritisch zu würdigen.

Diese Kurseinheit bietet einen Methodenkoffer von Führungstechniken im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation, der Führungskräfte dabei unterstützen soll, ihr Wissen in der alltäglichen Unternehmenspraxis leicht umsetzen zu können. Die Studierenden lernen, vertiefen oder üben „kommunikative Vorfahrts- und Geschwindigkeitsregeln“, mit denen sie als Führungskraft erfolgreich und zielführend Gespräche führen können, um ins- besondere regelmäßig wiederkehrende ‚schwierige‘ Situationen zu meistern. 

Nach dem Studium dieser Kurseinheiten sollten Sie

  • eine kommunikative Methodenkompetenz und einen Überblick über Gesprächstechniken, die insbesondere im Führungsalltag regelmäßig Anwendung finden können, erlangt haben.
  • Verständnis für das kommunikative Verhalten der Mitarbeitenden bekommen, um diese in möglichst vielen Situationen zielorientiert führen zu können.
  • ein kommunikatives Handwerkszeug erlangen, was insbesondere dann notwendig ist, wenn die Kommunikation mal nicht so läuft, wie Sie als Führungskraft es geplant haben.
  • bei Konflikten oder in Krisensituationen der Mitarbeitenden oder des Unternehmens in der Lage sein, als Führungskraft der Belegschaft Orientierung und Verhaltenssicherheit über den Weg der Kommunikation zu vermitteln.

In der Kurseinheit werden die wichtigsten Rahmenbedingungen, die eine Karriere beeinflussen, dargestellt.
Hierzu werden entsprechende Theorien und Modelle beschrieben, die Ansätze der Assessment- Verfahren und Eignungsdiagnostik dargestellt und anhand von Kriterien beurteilt. Anhand individueller Strategien werden diese Ansätze zusammengeführt und gebündelt.

Eine wesentliche Determinante der Motivation und Gesundheit von Mitarbeitern ist das Führungsverhalten von Vorgesetzten. Gesundes Führungsverhalten beinhaltet sowohl kommunikative Aspekte im direkten Umgang mit den Mitarbeitern als auch eine Planung und Organisation der Arbeit, die die Erhaltung und Förderung von Gesundheit als eine Zielgröße im Auge behält.

Führungskräfte bekommen in dieser Kurseinheit Hintergrundwissen und Konzepte eines gesundheitsgerechten Führungsverhaltens vermittelt. Ebenso werden die wichtigsten Grundprinzipien eines umfassenden, nachhaltigen und effektiven betrieblichen Gesundheitsmanagements dargestellt, da gesundheitsgerechtes Führen zwar ein wichtiger, aber eben nur ein Aspekt des betrieblichen Gesundheitsmanagements ist.

In der Präsenzphase werden neben der Diskussion der theoretischen Ansätze praxisnahe Übungen zur Gesprächsführung trainiert.

In Zuge der fortlaufenden Professionalisierung von Führungskräften gewinnt die Führungs- und Gesprächskompetenz eine immer höhere Bedeutung. Hierbei ist der Ansatz des Coachings ein Weg dazu, sich diese Kompetenz zu erwerben. Dabei hat sich besonders im Coaching das sys-temisches Denken und Handeln in den letzten Jahren im Rahmen von Managementprozessen wie z.B. Führungs- oder Organisationsentwicklungsprozesse als besonders wirksam herausge-stellt. Der coaching bzw. systemische Ansatz bezieht seine Grundlagen aus verschiedenen Wissenschaften, u.a. Kommunikationstheorie und Konstruktivismus. Aus diesen Quellen hat sich eine Vielzahl praktischer Methoden entwickelt, die für Lösungen von Problemen in sozialen Systemen (Unternehmen oder Institutionen) ausgesprochen nützlich sind. Zudem nutzen Füh-rungskräfte nicht nur (externe) Coaches, sondern treten selbst auch als solche auf. Im Modul »Leadership« bildet Coaching daher den Abschluss. In unserem Seminar bietet sich die Gelegenheit für die Studierenden, einen Einblick in die Methoden und Instrumente des Coachings zu erhalten, um ihr Agieren selbstreflexiv zu beurteilen. Um das zu erreichen, wer-den praktische Selbsterfahrungsübungen sowie Gesprächsführungsübungen durchgeführt.