Schwerpunkte Gesundheits- und Sozialwirtschaft

Der Gesundheits- und Sozialsektor (GuS-Sektor) ist ein Sektor im laufenden Umbruch. Bis vor einigen Jahren noch von staatlicher Planung, Wettbewerbsarmut, Kostenerstattung und weitgehender staatlicher Investitionsfinanzierung geprägt, haben sich die Rahmenbedingungen und Merkmale in den letzten Jahren zum Teil in rasanter Weise geändert. Kostendruck, Wettbewerb und Fachkräftemangel sind jetzt bestimmende Einflussfaktoren für die GuS-Unternehmen. Änderungen im Sozialrecht, im Tarif- und Arbeitsrecht, in Vergütung und Finanzierung und nicht zuletzt in der europäischen Entwicklung des GuS-Bereichs kommen hinzu. Das verlangt von den GuS-Unternehmen beständige Anpassungen und Weiterentwicklungen in der Auf- und Ablauforganisation ihrer Betriebe.

Ziel dieser Vertiefungsrichtung ist es, spezifische Kenntnisse über den Gesundheits- und Sozialmarkt mit seinen Akteuren und Institutionen sowie seinen branchenbezogenen Gegebenheiten auf wissenschaftlichem Niveau und gleichzeitig praxisorientiert zu vermitteln. Der GuS-Sektor wird daher aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Überdies werden die grundlegenden Strukturen und Merkmale sowie das Zusammenwirken der Institutionen behandelt.  

Diese Kurseinheit beinhaltet eine praxisbezogene Übersichtsdarstellung struktureller und organisatorischer Charakteristika des bundesdeutschen Gesundheits- und Sozialwesens.

Bei dem Überblick zum Gesundheitswesen steht der Behandlungsprozess des Patienten im Zentrum. Kostenträger, Verbände, Zulieferer und Nachbarbranchen werden bedarfsweise einbezogen. Zur Veranschaulichung dient die Fallstudie „Paul Schmidt - acht Wochen in einem Diabetikerleben“. Die Fallstudie beschreibt neben den theoretischen Grundlagen der Volkskrankheit Diabetes mellitus den typischen Verlauf einer Diabeteserkrankung bei einem 57jährigen Patienten. Auf Basis der Fallstudie werden charakteristische Aspekte aus der Patientenperspektive beleuchtet und erörtert sowie Schwierigkeiten und Hindernisse der Gesundheitsversorgung, bezogen auf den patientenbezogenen Versorgungsprozess (v.a. Sektorentrennung und Schnittstellenproblematik), thematisiert.

Bei der Betrachtung des Sozialwesens geht es um  Besonderheiten hinsichtlich des sozialen Dienstleistungsgedankens, der Handlungsfelder, der Organisations- und Trägerstrukturen und der Finanzierung. Die im Sozialwesen tätigen Organisationen müssen sich nicht nur mit ihrem Auftrag der Hilfe zur Selbsthilfe auseinandersetzen, sondern müssen sich auch mit ihren träger- und organisationsspezifischen Grundsätzen identifizieren. Soziale Organisationen sind gefordert soziale Notlagen und relevante Veränderungen der Arbeitsfelder reflexiv zu beobachten und ggf. schnell auf diese zu reagieren. Sie benötigen aber auch ein breites und fundiertes Wissen hinsichtlich traditioneller und alternativer Finanzierungsformen.

Im Rahmen der Kurseinheit werden die Rahmenbedingungen der Produktion sozialer Dienstleistungen näher beleuchtet. Im Mittelpunkt stehen dabei die Verbände der freien Wohlfahrtspflege. Vor dem Hintergrund sich permanent verändernder Rahmenbedingungen müssen Entscheidungen über Investitionen, fachliche Konzepte, Unternehmensformen und auch strategische Allianzen in ihren Auswirkungen auf die sozialen Dienste beurteilt und bewertet werden. Grundkonstruktionen der Dienstleistungsproduktion, Konzepte der Sozialwirtschaft und der spezifische Charakter von Non-Profit-Organisationen innerhalb der Sozialwirtschaft werden neben den Grundlagen wohlfahrtsverbandlicher Strategieentwicklungen aufgezeigt. Dabei werden auch verschiedene europäische Konzepte nationalstaatlicher Organisationsformen des Sozialen und die zugrunde liegenden Wertvorstellungen berücksichtigt. 

Die Leistungen von Non-Profit-Organisationen (NPOs) gewinnen zunehmend an Bedeutung. Ihre gesellschaftliche Verantwortung wird größer, und ihre Sichtbarkeit als starke dritte Kraft zwischen Staat und Markt nimmt zu. Die Kernaufgaben von NPOs liegen in der Verfolgung von Zwecken, die der Allgemeinheit dienen, und sie sind primär nicht auf Gewinn ausgerichtet. Dennoch orientiert sich ihr Handeln an marktwirtschaftlicher Effizienz.

Der so genannte Dritte Sektor der NPOs verfügt über eine besondere Organisations- und Managementstruktur. Die zahlreichen Stiftungen, Vereine und freien Wohlfahrtsverbände gehören nicht dem Staat an, aber sie erfüllen zum Teil staatliche Aufgaben. Sie gehören nicht zum Markt, aber viele unter ihnen bieten soziale Leistungen an, die in Konkurrenz auch zu Angeboten der Privatwirtschaft stehen. Der Finanzierungsmix von NPOs bewegt sich zwischen öffentlicher Förderung, Einkünften aus sozialen Dienstleistungen, Eigenmitteln und Spenden. Die Wohlfahrtsverbände mit ihren Angeboten insbesondere im Gesundheitswesen zählen zu den größten nicht-staatlichen Arbeitgebern in Deutschland. Der Bedarf an ihren Leistungen wächst.

Aus diesem Spannungsfeld von Selbstverständnis, Gemeinnützigkeit und wirtschaftlichem Denken ergeben sich spezifische Anforderungen an das Marketing von NPOs. Man kann daher von einem Non-Profit-Marketing sprechen. Das Modul „Sozialmarketing“ bietet eine Einführung in dieses besondere Marketing des Dritten Sektors.

Das Sozialrecht ist ein sich schnell entwickelnder Rechtsbereich, der durch eine Vielzahl unterschiedlicher Regelungen geprägt ist. Jeder wird im Rahmen seines Lebens mit den Vorschriften des Sozialrechts konfrontiert werden, sei es als Leistungsempfänger oder aber auf der Seite der Leistungserbringer bzw. der Kostenträger. Dabei ist die Bandbreite der "Betroffenheit" groß. Es kann um die finanzielle Gewährleistung des Existenzminimums gehen, eine höhere Rente, aber auch um den Sachleistungsanspruch für lebensnotwendige Medikamente. Mag der Anspruch des Einzelnen für sich betrachtet finanziell gering sein, in der Gesamtheit geht es um Milliarden.

Im Rahmen dieser Kurseinheit sollen die Grundlagen des differenzierten Rechtsgebietes erfasst und der Umgang mit neuen gesetzlichen Regelungen kennengelernt werden. Im Mittelpunkt stehen hier verschiedene Bereiche des Sozialgesetzbuches (z.B. gesetzliche Krankenversicherung, gesetzliche Rentenversicherung, gesetzliche Pflegeversicherung). Durch einen praxis- und fallbezogenen Einstieg wird ein Überblick über eine Vielzahl von z.T. unübersichtlichen Regelungen im GuS-Bereich gegeben. Aktuelle Einzelfragen werden vertieft erarbeitet, um mit dem erlernten Methodenwissen zukünftig auch eigenständig Fragestellungen bearbeiten zu können.

In einem zunehmend von Wettbewerb gekennzeichneten Bereich wie dem Gesundheits- und Sozialwesen kommt der Leistungsqualität (Struktur, Prozesse, Ergebnisse) eine rasch wachsende Bedeutung zu. Dieser Aspekt wird verstärkt durch die Tatsache, dass große Leistungsbereiche keinem Preiswettbewerb unterliegen, sondern hinsichtlich der „Preise“ (Erlöse) staatlich oder anderweitig reguliert sind. Damit müssen sich die Anstrengungen auf den Qualitätswettbewerb fokussieren.

Qualitätsmanagement im GuS-Bereich zeichnet sich durch verschiedene Besonderheiten aus. So stehen nicht selten „Kunden“ mit besonderen Merkmalen (Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Behinderung, Verhaltensauffälligkeit u.a.) im Mittelpunkt der Dienstleistung. In besonderer Weise kommt es zu Spannungen zwischen dem ethischen und humanen Anspruch einerseits und der zunehmenden Ökonomisierung (Kostendruck, Rationalisierung, Rationierung) andererseits.

Innerhalb dieser Kurseinheit werden die Besonderheiten des Qualitätsmanagements im Gesundheits- und Sozialbereich aufgezeigt. Die relevanten Instrumente (z.B. Projektmanagement, Prozessmanagement) sollen in geeigneten Arbeitsfeldern und Aufgabenstellungen angewandt werden. Ein „umfassendes Qualitätsmanagement“ sowie einige typische Zertifizierungsverfahren werden dargestellt.

Neue Kurseinheit ab dem Wintersemester 2017/18! 

  1. Personalmanagement als Kern- oder Zusatzaufgabe der Personalabteilung?

    1. Allgemeines
    2. Inhalte des Personalmanagements
    3. Vorteile von Personalmanagement

  2. Ausgewählte Schwerpunkte des strategischen Personalmanagements

    1. Personalmarketing
    2. Fehlzeitenmanagement
    3. Performance Management – Erkennung von Schlechtleistung und Lösungsstrategien
    4. SONDERPROBLEM: Outsourcing

Die Inhalte werden in Kürze ausführlich dargestellt.

Teil I: Finanzierung und Vergütung stationärer Einrichtungen nach dem SGB XI sowie Hospize

Kaum ein anderer Sektor wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ähnlich im Fokus der finanz- und sozialwirtschaftlichen Betrachtung stehen wie der stationäre Pflegesektor. Führte dieser Bereich bislang eher ein von der Öffentlichkeit mehr oder weniger ausgeblendetes Schattendasein, dessen Problemstellungen nur selten den Weg in die Schlagzeilen fanden, so wird sich dies zukünftig grundlegend ändern. Ein Hauptgrund hierfür ist die für die kommenden Jahre prognostizierte Entwicklung des Altersaufbaus unserer Gesellschaft, welche in dieser Kurseinheit dargestellt wird.

Ziel dieser Kurseinheit ist es aufzuzeigen, wie die Preisfindung auf dem Sektor der stationären Altenhilfe und stationären Hospize funktioniert, welche Bestandteile die Modalitäten zur Preisfindung beinhalten und worin sich die Preisfindung zwischen den beiden stationären Teilsektoren unterscheidet.

Die Studierenden sollen im Anschluss in der Lage sein, die Voraussetzungen und Bestandteile der Entgeltverhandlungen im SGB XI Bereich nachvollziehen zu können. Ebenso werden die Bedarfssatzverhandlungen von stationären Hospizen nach dem SGB V und SGB XI beschrieben und dargestellt. Die Studierenden erhalten exemplarische Argumentationshilfen bei Verhandlungen aus Benchmarking-Projekten im Pflege- und Hospizsektor.

 

Teil II: Finanzierung und Vergütung im Krankenhaus

Die Finanzierungsproblematik im Gesundheitswesen nimmt deutlich zu. Die finanziellen Ressourcen sind knapp sowie weitgehend budgetiert und stehen zunehmenden Kosten gegenüber. Dies betrifft auch den Krankenhaussektor, welcher in den letzten Jahren im Fokus unterschiedlichster Reformbemühungen stand, die allesamt das Ziel der Kosteneinsparung verfolgten. Entsprechend unterliegen die Finanzierung und Vergütung von Leistungen zunehmend komplexen und sich rasch wandelnden Regelungen im Sozialrecht.

Grundlage für das Verständnis der Krankenhausfinanzierung sind die sozialrechtlichen Regelungen und deren Gültigkeit für die einzelnen Sektoren. Besonders die Erbringung ambulanter Leistungen ermöglicht dem Krankenhaus zusätzliche Erlösquellen. Dabei hat sich der Gestaltungs- bzw. Kooperationsrahmen, vor allem der sektorenübergreifenden Leistungs- erbringung, deutlich erweitert. Neben den finanz- und sozialrechtlichen Regelungen, die für alle Krankenhäuser, egal welcher Trägerart, gelten, wird ebenso auf die steuerrechtliche Relevanz gemeinnütziger und kommunaler Träger eingegangen.

Die Kurseinheit erläutert die unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten und Erlösquellen für Krankenhäuser unter Berücksichtigung des ambulanten Sektors.

Die Präsenzveranstaltung setzt voraus, dass der Lehrbrief im Vorfeld durchgearbeitet wurde. Anhand einer beispielhaften Wirtschaftsplanung für ein Krankenaus bearbeiten die Teilnehmer gemeinsam, welche Möglichkeiten der Erlösoptimierung es geben kann. Darüber hinaus werden Fallbeispiele bearbeitet, die zur Kostensteigerung führen und gemeinsam Refinanzierungsmöglichen gesucht.

Diese Kurseinheit behandelt die praxisorientierte Anwendung von Methoden des strategischen und operativen Controllings in Betrieben der Gesundheits- und Sozialwirtschaft. Ausgehend von den Besonderheiten der Marktstruktur, der Geschäftsmodelle und Leistungserstellungsprozesse sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen im Gesundheits- und Sozialsektor wird die Relevanz von Controlling-Instrumenten für eine nachhaltige Betriebsführung aufgezeigt.

Auf dieser Basis wird abstrakt und anhand von Fallbeispielen dargestellt, wie das strategische wie operative Controllinginstrumentarium zu einer Optimierung der betrieblichen Prozesse, zu einer Ergebnistransparenz und Ergebnisverbesserung und damit zu einer Existenzsicherung der Unternehmen und Organisationen in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft beitragen kann.

Der Lehrstoff wird im Rahmen eines fragend-entwickelnden Unterrichts anhand zahlreicher praxisgestützter Fall- und Übungsbeispiele verdeutlicht.