Schwerpunkte Financial Risk Management

Das Risikomanagement hat sich in den letzten Jahren zu einem integralen Bestandteil einer modernen Unternehmensführung entwickelt, und dies branchen- und länderübergreifend.

Es zeichnet sich deutlich ab, dass die staatliche Regulierung über die seit Beginn 2014 für europäische Banken verbindlich eingeführten „Basel III“ Regulierungsvorschriften sowie die „Solvency II“-Vorschriften für Versicherungen weit hinausgehen wird.

Auch in anderen Branchen hat das Risikomanagement enorm an Bedeutung zugenommen. So schreibt beispielsweise das Aktiengesetz der Geschäftsführung die Implementierung eines Früherkennungssystems sowie den regelmäßigen Bericht zu Risiken und Risikokultur des Unternehmens im Rahmen des Lageberichtes des Jahresabschlusses vor.

Diese gravierenden Anforderungen waren und sind Treiber einer Neuorientierung in der Unternehmensführung und stellen verstärkte Anforderungen an Führungskräfte und Spezialisten.

Im Schwerpunkt „Financial Risk Management“ sollen konzeptionelle, modelltheoretische und prozessuale Grundlagen des Risikomanagements erarbeitet und durch umfangreiche Fallstudien eingeübt werden. Praxisbeispiele werden neben dem Finanzdienstleistungssektor auch andere Branchen wie die Informationstechnologie, die Pharmazie und den Energiesektor umfassen. Ziel ist es,

  • die vielfältigen Ausprägungen unternehmerischer Risiken anhand von Fallstudien und theoretischen Grundlagen zu verstehen,
  • die Methoden eines modernen Risikomanagements, von der Identifizierung, Bewertung, Steuerung bis hin zur Überwachung von Risiken zu erarbeiten und im Rahmen von Praxisbeispielen einzuüben,
  • wesentliche Konzepte und Modelle, Risiken zu quantifizieren, zu erlernen,
  • allgemeine und branchenspezifische gesetzliche Anforderungen kennenzulernen,
  • die Funktionsweise der Kapitalmärkte und wesentliche Kapitalmarktprodukte zur aktiven Steuerung finanzieller Risiken zu verstehen,
  • die Grundsätze einer risikoadjustierten Unternehmenssteuerung, vorgestellt anhand umfangreicher Fallstudien, kennenzulernen.

Verfahren zur Erfassung, Messung und Quantifizierung unternehmerischer Risiken basieren in der Praxis auf grundlegenden Methoden der Statistik und Datenanalyse. Statistische Verfahren kommen auch bei der Bewertung von Kapitalmarktinstrumenten zum Einsatz; sie können überdies Entscheidungshilfen bei verschiedenen unternehmerischen Entscheidungen, z. B. bei Fragen der Kapitalallokation, liefern.
In der Kurseinheit werden die grundlegenden Techniken der Statistik und Datenanalyse vor dem Hintergrund folgender Fragestellungen diskutiert:

  • Wie kann man Risikodaten geeignet zusammenfassen und graphisch oder tabellarisch darstellen? Welche Erkenntnisse kann man diesen Darstellungen entnehmen; welche Rückschlüsse auf die Risikosituation des Unternehmens ergeben sich daraus?
  • Welche Kennzahlen sind geeignet, um die Risikoposition des Unternehmens zu quantifizieren? Welche Aussagekraft haben verschiedene Kennzahlen; welcher Informationsverlust ist mit der Reduktion der Daten auf diese Kennzahlen verbunden?
  • Was ist bei der Zusammenfassung verschiedener Risiken zu beachten? Wie lassen sich verschiedene Risikobereiche zu einer Risiko-Gesamtposition des Unternehmens aggregieren?

Fallbeispiele zur Datenanalyse sowie die Diskussion der in der Praxis verwendeten Risikomaße schließen die Kurseinheit ab.

In dieser Kurseinheit werden die unentziehbaren Obliegenheiten der Geschäftsführung identifiziert und deren sachgemäße Erfüllung auf aktuellem wissenschaftlichem Stand operationalisiert. Den Studierenden wird bewusst, welchen Zielen die Geschäftsführungspflichten dienen und wann von deren ordnungsmäßiger Erfüllung auszugehen ist.

Den Ausgangspunkt der Kurseinheit bildet der Pflichtenrahmen des aktienrechtlichen Vorstands, da das AktG den vorherrschenden gesellschaftsrechtlichen Rahmen darstellt. Objektive Beurteilungsgrundlagen der Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung lassen sich auch aus der Auslegung der § 53 GenG und § 53 HGrG ableiten. Zur Beurteilung der Geschäftsführungsorganisation kann der Deutsche Corporate Governance Kodex dienen, welcher über die Entsprechenserklärung (§ 161 AktG) eine gesetzliche Grundlage innehat. Daneben werden unterstützende Konzepte aufgegriffen, z.B. der German Code of Corporate Governance (GCCG).

Das Management muss geeignete Maßnahmen zur Aufdeckung und Vermeidung fraudulenter Handlungen implementieren, da die weltweite rapide Zunahme der Wirtschaftskriminalität und der Schadensvolumina empirisch gesichert ist. Es bedarf insoweit eines umfassenden Compliance-Management-Systems, dessen Komponenten und Maßnahmen erörtert werden.

Geschäftsführer von AG sind zur Einrichtung eines Risikomanagementsystems einschl. einer internen Revision verpflichtet. Die zu treffenden Maßnahmen sollen den Fortbestand des Unternehmens gefährdende Entwicklungen frühzeitig erkennen lassen; daher ergibt sich die wesentliche Funktion des Risikomanagementsystems aus der Früherkennung. Es wird der Ausbau des Controllings zu einem Frühwarnsystem dargestellt. Weiter werden die konstitutiven Elemente des Risikomanagementsystems demonstriert. Neben dem Frühwarnsystem ist dies das interne Überwachungssystem mit der internen Revision als prozessunabhängiger Überwachungsinstanz. Zudem wird der Systemablauf des Risikomanagements nachvollzogen.

Inhalte der Kurseinheit sind:

  • Aktienrechtliches Organisationsmodell der Geschäftsführung, Aufgaben des Vorstands.
  • Grundsätze ordnungsmäßiger Geschäftsführung (§ 53 GenG, § 53 HGrG). Teilgebiete der Geschäftsführung (Geschäftsführungsorganisation, -instrumente, -tätigkeit). Deutscher Corporate Governance Kodex. Prüfungsnormen der Ordnungsmäßigkeit (IDW PS 720).
  • Compliance-Management-System: Ursachen und Indizien von Fraud, Definition der Compliance, Konzepte und Elemente des Compliance-Management-Systems.
  • Frühwarnsystem: Begriff und Ziele, Festlegung von Beobachtungsbereichen, Frühwarnindikatoren, Sollwerte, Toleranzgrenzen. Informationsverarbeitung und Kommunikation.
  • Internes Überwachungssystem: Begriff, Ziele, Kontrollumfeld und Kontrollbewusstsein, prozessintegriertes und prozessunabhängiges Überwachungssystem (IDW PS 210, 261).
  • Risikomanagementsystem: Begriff, Rechtsgrundlagen, Aufbau- und Ablauforganisation, Information und Kommunikation, Reporting. Prüfung der Ordnungsmäßigkeit (IDW PS 340).

In der Kurseinheit werden Finanzinstrumente hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihrer Bewertung beleuchtet. Neben verschiedenen Kapitalmarkt-Produkten und Derivaten wird auch die Struktur unseres Geldsystems sowie die Rolle der Deutschen Bundesbank und der EZB beleuchtet. Die Preisbildung verschiedener Klassen für die Praxis wichtiger Finanzprodukte mit Hilfe arbitragefreier Replikationsstrategien ist nicht nur für den Handel mit diesen Produkten grundlegend, sondern auch für das Risikomanagement von Bedeutung, denn aus den Bewertungsverfahren lassen sich Absicherungs-Strategien zur Kontrolle finanzieller Risiken ableiten. In der Praxis treten Finanzprodukte in der Regel gebündelt als Portfolios auf. Die Kurseinheit bietet daher eine Einführung in die klassische Portfoliotheorie und in das Capital Asset Pricing Model (CAPM). Es werden Aspekte des aktiven Portfoliomanagements unter Berücksichtigung der Risikopräferenzen der Investoren sowie Hedging-Strategien für Portfolios behandelt. Die Quantifizierung von Marktrisiken wird auf Basis des Value at Risk-Ansatzes (VaR) für ausgewählte Kapitalmarktprodukte erläutert, und es wird diskutiert, wie das Marktrisiko ei- nes Portfolios nach Risikofaktoren und Risikofaktortypen aufgeschlüsselt und hinsichtlich seiner Sensitivität gegenüber Risikofaktoränderungen analysiert werden kann. Darüber hinaus werden kohärente Risikomaße und der Expected Shortfall vorgestellt.

Das Risikomanagement in Unternehmen der Finanzdienstleistungs- und Versicherungsbranche unterliegt einem rasanten Wandel, der durch regulierende Vorschriften der Aufsichtsbehörden weiter getrieben wird.

Die Kurseinheit gibt einen Überblick über aktuelle aufsichtsrechtliche Vorgaben für Unternehmen der Finanzdienstleistungsbranche und Versicherungen und stellt die Struktur des europäischen Gesetzgebungsprozesses vor.

Das 3-Säulen-Prinzip der Banken- und Versicherungsregulierung („Basel III“ bzw. „Solvency II“), welches auf Mindest-Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften, einer adäquaten internen Risikosteuerung seitens der Institute sowie einer öffentlichen Berichterstattung basiert, wird den Studierenden anhand von Praxisbeispielen nahegebracht. Ebenso werden die wesentlichen Ziele und Inhalte der europäischen „Bankenunion“, der einheitliche Aufsichtsmechanismus und die Beaufsichtigung systemrelevanter Banken durch die EZB (Single Supervisory Mechanism, „SSM“), sowie der einheitliche Abwicklungsmechanismus („Single Resolution Mechanism, „SRM“) vorgestellt.

Prozessuale und aufbauorganisatorische Anforderungen an Banken und Versicherungen werden im Kontext der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), dem Konzept der Risikotragfähigkeit sowie dem „ORSA“-Prozess bei Versicherungen (Own Risk and Solvency Assessment) erarbeitet und es werden ausgewählte Organisationseinheiten (u.a. Risiko Controlling, Marktfolge, Aktuariat, versicherungstechnische Funktion) und ihre Verantwortlichkeiten vorgestellt.

Die Regularien zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Kapitalmärkte, insbesondere das Insiderhandelsverbot und das Geldwäsche-Gesetz werden ebenfalls in ihren Inhalten vorgestellt und anhand von Fallbeispielen beleuchtet.

Die quantitative Bewertung von Risiken basiert in der Regel auf Modellen, die sich wiederum auf vereinfachende Annahmen stützen und oft unbekannte – zu schätzende – Parameter enthalten. In der Kurseinheit werden zunächst Beispiele solcher Modelle besprochen und nach verschiedenen Kriterien klassifiziert, um etwa zwischen deterministischen und stochastischen, oder zeitkontinuierlichen und zeitdiskreten Modellen unterscheiden zu können. Bei der Konstruktion der Modelle spielen neben quantitativen auch qualitative Aspekte eine Rolle. So wird am Beispiel von Marktrisiken erläutert, wie sich Modelle konstruieren lassen, die die Beobachtung beschreiben können, dass an Finanzmärkten großen Änderungen an einem Tag sehr oft große Änderungen am nächsten Tag folgen.

Ist ein Modell gefunden, bleiben meist einige Parameter zu schätzen. Die Methoden werden am Beispiel der linearen Regression besprochen und zu komplexeren Methoden wie etwa der Diskriminanzanalyse zur Unterscheidung von guten und schlechten Krediten verallgemeinert. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Modellen setzt voraus, dass man sich der Grenzen der Modelle ebenso bewusst ist wie der Tatsache, dass die Modellparameter nur geschätzt, nicht aber exakt bestimmt sind. Mit Hilfe statistischer Verfahren wie dem Bootstrapping wird gezeigt, wie man sich einen Überblick über die Schätzrisiken verschafft.

Die fertigen Modelle werden oft eingesetzt, um die mögliche Bandbreite zukünftiger Entwicklungen zu prognostizieren. Zu diesem Zweck sind computergestützte Simulationsverfahren, insbesondere Monte-Carlo-Methoden unverzichtbar geworden, wie an Beispielen für die Anwendung dieser Verfahren im Risikomanagement, z. B. zur Bestimmung von Risikomaßen wie dem Value at Risk, erläutert wird.

Die Kurseinheit fokussiert sich auf die Modellierung und das Management finanzieller und ausgewählter nicht-finanzieller Risiken, namentlich auf Markt-, Kredit-, Geschäfts- und Liquiditätsrisiken sowie auf versicherungstechnische und operationelle Risiken, welche anhand von praxisnahen Fallbeispielen diskutiert werden.   Finanz- und Kapitalmärkte spielen eine wichtige Rolle im Kontext des unternehmerischen Risikomanagements. Sie bieten Unternehmen vielfältige Produkte zur aktiven Steuerung finanzieller Risiken. So können beispielsweise Währungskurs-, oder Zinsänderungsrisiken über entsprechende Derivate abgesichert werden. Dies soll anhand von konkreten Beispielen erörtert und analysiert werden.   Darüber hinaus werden die Grundlagen einer Kreditportfoliomodellierung auf Basis von Ausfallwahrscheinlichkeiten, –höhen und -korrelationen dargestellt.   Liquiditätsablaufbilanzen spielen bei der Steuerung der dispositiven und strukturellen Liquidität eine wesentliche Rolle. Ihr Einsatz in der unternehmerischen Steuerung, insbesondere in Kombination mit Stresstests, wird anhand von Fallbeispielen beleuchtet. Ebenso werden die Grundsätze eines Asset Liability Managements einer Bank bzw. Versicherung dargestellt und die Unterschiede zwischen beiden diskutiert. Ansätze zur Messung operationeller und versicherungstechnischer Risiken werden ebenso erläutert.   Schließlich werden Möglichkeiten der Aggregation unterschiedlicher Risikoarten zu einer Gesamtbetrachtung dargestellt.

Jenseits der Finanzbranche stellt das Risikomanagement aber auch in anderen Branchen einen zentralen Bestandteil der Unternehmensführung dar. Die Kurseinheit fokussiert sich auf branchenspezifische Risikomanagement-Themen der Informationstechnologie, der Pharmazie und Energiedienstleistung, welche anhand von praxisnahen Fallstudien erarbeitet werden. Im Einzelnen:

  • Informationstechnologie: Die allgemeinen IT-Prozesse zum Risikomanagement werden definiert und im Kontext der regulatorisch-normativen Anforderungen speziell für Medizinprodukte detailliert. Dabei bildet der typische Regelkreislauf aus Identifikation, Analyse mit Bewertung, Behandlung und Überwachung von Risiken die Basis, die sich in der ISO-Norm 14971 zur „Anwendung des Risikomanagements auf Medizinprodukte“ für diese Branche unmittelbar wiederfindet. Hierin eingeführte und verwendete Begriffe wie Gefährdung, Risiko, Schäden (Schadensklassen und -kategorien) und Wahrscheinlichkeiten werden anhand von Fallstudien und Beispielen erarbeitet, sowie typische Verfahren zur Risikoanalyse (z. B. PHA, FMEA, FTA) motiviert und angewendet.
  • Pharmazie: Ein professionelles Risikomanagement ist auch bei der Entwicklung sowie der Einführung neuer Medikamente sehr wichtig. Für Pharmaunternehmen bestehen zahlreiche unternehmerische Risiken, angefangen von den Kosten, die die Entwicklung eines neuen Medikamentes mit sich bringt, und dem Risiko, dass die Entwicklungsarbeit ergebnislos verläuft oder sich zeitlich derart in die Länge zieht, dass Konkurrenten nachziehen können; dem Auftreten von schwerwiegenden Nebenwirkungen nach Markteinführung eines Medikamentes oder auch dem Verstoß gegen bestehende Regularien (ggfs. auch durch externe Partner wie CROs oder Kliniken). Ziel dieser Kurseinheit ist es, die genannten Risiken an Hand von Beispielen und Fallstudien vorzustellen, sie zu quantifizieren und darzustellen, welche dieser Risiken sich mit welchen Maßnahmen minimieren lassen. Dabei werden Anforderungen von Zulassungsbehörden berücksichtigt und Richtlinien wie die ICH (International Conference on Harmonization) sowie die Prinzipien der GCP (good clinical practice) herangezogen.
  • Energiesektor: Als Beispiel eines aktiven Risikomanagements wird dargestellt, wie Preisänderungsrisiken (Einkauf-/Absatz) mit Hilfe von Kapitalmarktprodukten, bspw. Strom-/ Ölderivaten oder anderen Rohstoffderivaten eine Reduktion des unternehmerischen Risikos erreicht werden kann.



Risikomanagement als Teil der Risikokultur eines Unternehmens beschränkt sich nicht auf Definition und Überwachung einer akzeptablen Risikoexposition. Vielmehr gibt es Impulse für die Unternehmenssteuerung mit dem Ziel, den Wert des Unternehmens zu steigern.  Dabei beurteilt eine risikoadjustierte Performance-Messung den Ertrag, der durch das Eingehen von Risiken erzielt wird, zusammen mit dem Aufwand für das dafür benötigte ökonomische Risikokapital.

Ausgehend von einer gegebenen Geschäftsstrategie wird der Entwurf einer geeigneten Risikostrategie diskutiert, die auf das gewünschte Chancen-Risiko-Profil abzielt und die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Eigenmittelausstattung und Risikotragfähigkeit sicherstellt. Möglichkeiten zur Umsetzung der Risikostrategie mit Hilfe eines Limitsystems und deren Anforderungen an die Corporate Governance und die Prozesse werden konzeptionell vorgestellt und in praxisrelevanten Situationen vertieft.

Fallstudien illustrieren konkrete Fragestellungen aus der Praxis, wie durch Risikomanagement Wert geschaffen werden kann. Beispiele sind die Identifikation von Wachstumsmöglichkeiten bzw. –begrenzungen bei gegebener Eigenmittelausstattung, die Optimierung der Asset Allocation, der Rückversicherungsstruktur oder des Produktdesigns.