Leichtbeton als Leidenschaft – Hochschulabsolventin Martina Henseler promovierte kooperativ

 

16.11.2023

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Seit dem Bolognaprozess sind die Abschlüsse von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) denen von Universitäten gleichgestellt, HAW-Absolvierende können damit auch einen Doktorgrad erwerben. Da die HAWs in Rheinland-Pfalz allerdings noch kein eigenes Promotionsrecht für forschungsstarke Bereiche haben, müssen die jungen Forschenden dies im Rahmen einer kooperativen Promotion in Zusammenarbeit mit einer Universität machen. Wie gut das trotz dieser Hürde gelingen kann, zeigt das Beispiel von Martina Henseler aus Mülheim-Kärlich: Die junge Bauingenieurin promovierte kooperativ an der Hochschule Koblenz und an der RPTU Kaiserslautern über das Querkrafttragverhalten vorgefertigter Wandelemente aus haufwerksporigem Leichtbeton.

  • Prof. Dr. Ralf Zeitler und Martina Henseler (Foto: Fabian Henseler)

  • von links: Prof. Dr. Ralf Zeitler, Prof. Dr. Dr. e.h. Jürgen Schnell, Martina Henseler, Prof. Dr. Matthias Pahn, apl. Prof. Dr. Catherina Thiele (Foto: Fabian Henseler)

  • Martina Henselers Doktorhut... (Foto: Ralf Zeitler)

  • ...ist auch von oben eine Augenweide. (Foto: Ralf Zeitler)

2014 schloss Martina Henseler an der Hochschule Koblenz ihr Masterstudium des Bauingenieurwesens ab. Obwohl sie bereits während ihres Studiums in einem Ingenieurbüro viele praktische Erfahrung gesammelt hatte, reizte es sie mehr, an der Hochschule Koblenz im Bereich Stahlbetonbau und Statik als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Option auf eine Promotion zu arbeiten: „Ich wollte weiter lernen, hatte großes Interesse an Forschung und empfand es als spannend, mich mit einem Thema über Jahre intensiv zu beschäftigen.“

Der inzwischen emeritierte Prof. Dr. Dr. e.h. Jürgen Schnell von der RPTU Kaiserslautern erklärte sich bereit, Martina Henselers Promotionsvorhaben von Seiten seiner Universität zu betreuen – zusammen mit seinem Kollegen Prof. Dr. Ralf Zeitler vom Fachbereich bauen-kunst-werkstoffe der Hochschule Koblenz. Gemeinsam legten sie sich auf das Thema Leichtbeton fest. „Das Thema hat sich angeboten, weil Leichtbeton ein regionales Produkt ist, die Produktionsstätte in Neuwied für meine Probekörper praktisch war und es noch nicht viele Arbeiten dazu gibt“, erklärt Henseler.

Der nächste Schritt in Richtung Promotion war der Antrag zum Einwerben von Forschungsgeldern. Nach etwa zwei Jahren kam der positive Bescheid vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über knapp 500.000€ – jeweils die Hälfte für Koblenz und Kaiserslautern. Das Geld war erforderlich für Personal – unter anderem für Martina Henselers Stelle – für Versuchskörper, Messtechnik, Ausstattung, Dienstreisen und Vorträge. Zwischenzeitlich war Prof. Schnell in Pension gegangen und hatte die weitere Betreuung des Promotionsvorhabens an seinen Nachfolger Prof. Dr. Matthias Pahn übergeben. Durch die kooperative Promotion konnte die Doktorandin bei Bedarf die sehr gut ausgestatteten Labore der RPTU Kaiserslautern für ihre Versuche nutzen und profitierte auch vom Austausch mit den dortigen Forschenden: „Prof. Zeitler und ich haben den Kontakt zu Kaiserslautern eng gestaltet und es gab regelmäßige Abstimmungen zum Fortschritt der Arbeit.“

In ihrer Dissertation untersuchte Martina Henseler das Verhalten von vorgefertigten Wandelementen aus haufwerksporigem Leichtbeton (LAC). Dieser Leichtbeton zeichnet sich durch gute Wärmedämmung und Ressourcenschonung aus, was ihn besonders geeignet für den Einsatz in Fassadenelementen macht. Allerdings gibt es noch nicht genug Wissen darüber, wie tragfähig Wandelemente aus LAC bei unterschiedlichen Bewehrungskonstruktionen sind. Diese mangelnden Erkenntnisse führen zu Einschränkungen in den Bauvorschriften und Standards für die Herstellung dieser vorgefertigten Bauteile. Es galt ein Modell zu entwickeln, das die korrekte Herstellung dieser Wandelemente im üblichen Fertigungsprozess ermöglicht und gleichzeitig sicherstellt, dass die Elemente ausreichend tragfähig sind. Die bei verschiedenen Tests gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Entwicklung eines Bemessungsvorschlags ein, der sich an bestimmten europäischen Baunormen orientiert. Dieser Vorschlag berücksichtigt Faktoren wie die Abmessungs- und Lastverhältnisse der Elemente sowie die Verankerung der Bewehrung.

Teile dieser Arbeit wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts mit dem Titel "Innovative Konstruktions- und Bemessungsregeln zur Optimierung der Querkraft- und Torsionstragfähigkeit von freitragenden Wandplatten aus haufwerksporigem Leichtbeton" erarbeitet. Dieses Projekt war eine Zusammenarbeit zwischen der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern, der Hochschule Koblenz und dem Bundesverband Leichtbeton e.V. und wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt. „Insgesamt bin ich sehr dankbar dafür, diese Chance erhalten zu haben“, freut sich die promovierte Bauingenieurin, „es hat mich fachlich und persönlich sehr bereichert.“

Während ihrer Promotion wurde Martina Henseler auch vom Graduiertenzentrum der Hochschule Koblenz unterstützt. Studierende und Absolvierende, die sich für eine Promotion an der Hochschule Koblenz interessieren, können sich vom Graduiertenzentrum der Hochschule Koblenz beraten lassen und auch im Verlauf der Promotion dessen umfangreiches Serviceangebot nutzen, beispielsweise die fachlichen und überfachlichen Qualifizierungsangebote sowie die Promotionsförderung, unter anderem für die Finanzierung von Tagungsteilnahmen und Publikationen. Weitere Infos dazu sind unter www.hs-koblenz.de/graduiertenzentrum abrufbar.