Aktuelles Bildungsstudie zeigt Handlungsbedarf für die Region Koblenz Mittelrhein auf

„Ist das Bildungssystem in unserer Region zukunftsfähig?“ Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, hat die Initiative Region Koblenz-Mittelrhein e.V., gemeinsam mit der Sparkasse Koblenz und der Wirtschafts- und Wissenschaftsallianz Koblenz e.V., die Erstellung der Studie „Bildung in der Region Koblenz-Mittelrhein“ am Institut für Forschung und Weiterbildung, Fachbereich für Sozialwissenschaften der Hochschule Koblenz, gefördert.

  • Foto: Initiative Region Koblenz-Mittelrhein e. V.

    Foto: Initiative Region Koblenz-Mittelrhein e. V.

Aktuell hat die Initiative Region Koblenz-Mittelrhein e.V. zu einer gemeinsamen Veranstaltung in die Debeka Koblenz eingeladen, um die Ergebnisse der Studie an Staatsminister Prof. Dr. Konrad Wolf, Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur zu überreichen.

„Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg. Dies gilt für junge Menschen als auch für die Region Koblenz Mittelrhein. Ich freue mich daher, dass in Kooperation zwischen der Initiative Region Koblenz-Mittelrhein e.V., der Sparkasse und der Wirtschafts- und Wissenschaftsallianz eine gute Analyse der regionalen Bildungslandschaft aufgelegt wurde, die Stärken und Herausforderungen der Region aufzeigt. Ich bin mir sicher, dass man durch die Fortsetzung der Zusammenarbeit gemeinsam den Bildungsstandort Koblenz Mittelrhein stärken kann. Die Unterstützung der Landesregierung sage ich hierbei gerne zu“, versprach Minister Prof. Dr. Wolf, während der Übergabe durch den Vorsitzenden der Initiative Region Koblenz-Mittelrhein e.V., Hans-Jörg Assenmacher. Assenmacher betonte, dass Bildung ein wesentlicher Bestandteil sei, um sich im Wettbewerb mit den Regionen behaupten zu können. „Die Ergebnisse zeigen Handlungsbedarf in der Region auf. Umso wichtiger ist die kontinuierliche Impulsgebung der Initiative Region Koblenz-Mittelrhein e.V., zur Gründung einer Regiopolregion“, so Assenmacher.

In der anschließenden Vorstellung durch Prof. Dr. Steffen Kröhnert von der Hochschule Koblenz, wurde den etwa 100 Gästen der Veranstaltung ein Gesamteindruck zur Bildungssituation in der Region Koblenz Mittelrhein vermittelt. So ist zum Beispiel die Attraktivität der Stadt Koblenz als wichtigstem Bildungszentrum der Region ausbaufähig. Besonders die Hochschulen bzw. deren Mitarbeiter/-innen und Studierende sind derzeit im Stadtleben zu wenig präsent. Auch sollte auf eine Modernisierung des Images bzw. der öffentlichen Wirkung der Region Koblenz Mittelrhein hingearbeitet werden, vor allem im Hinblick auf die Zielgruppe junger Menschen. Nur so hat die Region die Chance, in Zukunft auch überregional Fachkräfte zu gewinnen.

Prof. Ingeborg Henzler, Initiative Region Koblenz-Mittelrhein e.V., begrüßte anschließend die Teilnehmer des hochkarätig besetzten Podiums. Sie betrachtete die unterschiedlichen Sichtweisen der Studienergebnisse im Hinblick auf Wirtschaft und Wissenschaft. Sie diskutierte zunächst mit den weiteren Förderern der Studie, Matthias Nester, Sparkasse Koblenz und Vorstandsmitglied der Wirtschafts- und Wissenschaftsallianz Koblenz e.V. und Prof. Dr. Kristian Bosselmann-Cyran, Vorsitzender der Wirtschafts- und Wissenschaftsallianz Koblenz e.V. und Präsident der Hochschule Koblenz.

„Die Studie bestätigt, mit welchen Herausforderungen die Personalbereiche der Unternehmen täglich kämpfen: im Kern geht es um die Frage, wie das Bildungssystem ausgerichtet werden muss, damit den heimischen Betrieben auch langfristig ausreichend qualifizierte Auszubildende und Fachkräfte zur Verfügung stehen. Denn eines ist klar: das Bildungssystem und die Qualifikation der Menschen vor Ort trägt maßgeblich zur langfristigen Stärkung und Sicherung des Wirtschaftsstandortes bei. Dabei steigt der Handlungsdruck durch den zunehmenden Wettbewerb der Regionen spürbar an“, betont Matthias Nester.

„Der Erfolg des Bildungs- und Hochschulstandortes Koblenz hängt davon ab, wie sehr es allen mit der Bildung befassten Kräfte in der Region gelingt, ihre Kräfte zu bündeln und Synergien zu nutzen. Die Studie zeigt, dass wir unsere gemeinsamen Bemühungen zeitnah intensivieren müssen“, so Prof. Dr. Kristian Bosselmann-Cyran, Präsident der Hochschule Koblenz und Vorstandsvorsitzender der Wirtschafts- und Wissenschaftsallianz Koblenz e.V..

Auch die weiteren Teilnehmer der Diskussionsrunde wurden intensiv durch Prof. Henzler mit Blick auf zukunftsweisende Änderungsmöglichkeiten befragt.

Bernhard Meiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Koblenz, betonte, dass die Region Koblenz Mittelrhein als Aus- und Weiterbildungsstandort für junge Menschen und Nachwuchskräfte durchaus attraktiv sei. „Um sie zu binden, müssten deren Vorzüge aber von allen Beteiligten besser vermarktet werden: Lebensqualität, Kulturvielfalt, gesunde Natur und insbesondere eine gesunde Wirtschaft mit einem vielfältigem dualem Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Beschäftigungsangebot“, so Meiser.

Für die Berufsbildenden Schulen ist Oberstudiendirektorin Beate Kraemer, Leiterin der Berufsbildenden Schule Wirtschaft in Koblenz, der Meinung, dass die Gründung einer Regiopolregion dazu beitragen könne, die Kooperation der Akteure zu fördern und dadurch die Bedürfnisse der Gesamtregion in den Fokus zu stellen: „Der beruflichen Bildung kommt dabei in mehrfacher Hinsicht eine Schlüsselrolle zu. Es muss um eine noch stärkere Entwicklung der Passung zwischen Erwartungen der Wirtschaft und den vorhandenen Bildungsangeboten gehen, gleichzeitig aber auch um eine den Möglichkeiten der Jugendlichen entsprechende Förderung und Unterstützung.“

Um die Attraktivität der Region Koblenz Mittelrhein zu steigern, schlägt Prof. Dr. Harald F.O. von Korflesch, Vizepräsident für Forschung, Transfer, Internationalisierung und Digitalisierung der Universität Koblenz-Landau vor, eine Dachmarke für die Region zu etablieren, unter der sich das Thema Bildung, aber auch andere Themen, im einheitlichen "Look and Feel" positionieren und vermarkten können."

Prof. Dr. Ralf Haderlein, Leiter der Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen, Koblenz, ist der Auffassung, dass durch ein vernetztes und integriertes Bildungssystem zwischen Hochschulen, IHK- und HWK, Fachschulen und Unternehmen mit flexiblen Lernformaten eine regionale Personalentwicklung und damit -bindung umgesetzt werden kann.

„Insbesondere die Diskussion zur Gründung einer Regiopolregion Koblenz Mittelrhein spricht dafür, solche zukunftsweisende Aufgaben gemeinsam zu schultern. Die Herausforderungen der Bildungspolitik und ihre Weiterentwicklung kann nur gemeistert werden, wenn alle Städte und Landkreise an einem Strang ziehen“, so Dr. Ulrich Kleemann, stellv. Vorsitzender der Initiative Region Koblenz-Mittelrhein e.V. und Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord abschließend.

Die wesentlichen Schlussfolgerungen aus der Bildungsstudie im Überblick: Die Region Koblenz-Mittelrhein ist kein Ziel innerdeutscher Zuzüge, der Wanderungssaldo deutscher Staatsangehöriger ist negativ. Dennoch ist die Zahl der Einwohner aufgrund von internationaler Migration in den vergangenen Jahren leicht angestiegen. Das Bevölkerungswachstum fand vor allem in der Altersgruppe der 20- bis 35-Jährigen statt und es war deutlich auf die Stadt Koblenz und wenige großstadtnahe Landkreise konzentriert. Die erwartete demografische Alterung der Bevölkerung erfolgt trotz Zuwanderung. Vor allem periphere Landkreise können demografisch nur wenig profitieren.
Das Bildungssystem in Rheinland-Pfalz hat sich in den vergangenen Jahren rasch und tiefgreifend gewandelt. Auf der einen Seite sinkt seit Jahren aus demografischen Gründen die Zahl der Schülerinnen und Schüler, gleichzeitig verbringen die Menschen immer mehr Zeit im Bildungssystem und erreichen höhere Abschlüsse.
Die Region Koblenz Mittelrhein erweist sich innerhalb des Bundeslandes als ländlich-konservative Region, die bezüglich einer Reihe von Bildungsindikatoren wie Betreuungsquoten der Elementarbildung, Abschlüsse mit Hochschulreife oder Nutzung ganztagsschulischer Angebote trotz erheblicher Dynamik hinter anderen Regionen zurück-bleibt. Stark ist Koblenz Mittelrhein hingegen bei der beruflichen Ausbildung. Die Zahl angebotener Ausbildungsplätze ist überproportional und der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen geringer als in den anderen Regionen. Obwohl die Zahl der Bewerber/-innen für berufliche Ausbildungen zurückgeht, ist der Anteil unversorgter Ausbildungsinteressierter nicht gesunken, was auf wachsende Passungsprobleme zwischen angebotenen Ausbildungsplätzen und den Interessen und Qualifikationen von Bewerber/-innen hindeutet. Unter den befragten Expertinnen und Experten ist die Sorge um den künftigen Fachkräftenachwuchs verbreitet, wenngleich keine aktuellen Engpässe berichtet wurden. Die Qualifikationen und damit die Ausbildungsfähigkeit von Schulabgänger/-innen werden prinzipiell eingeräumt, kritisiert wurde hingegen ein Verlust der Aussagekraft von schulischen Bildungsabschlüssen über individuelle Fähigkeiten. Mitunter werden deshalb eigene Kompetenztests in Betracht gezogen. Die Attraktivität der Region für Fachkräfte mit Hochschulabschluss, die überregional anzuwerben sind, wird als gering eingeschätzt. Der Fachkräftebedarf muss daher zukünftig vorwiegend in der Region selbst sichergestellt werden.
Die Studie nebst Zusammenfassung finden Sie unter www.region-koblenz-mittelrhein.de.

Die nächste Veranstaltung der Initiative Region Koblenz-Mittelrhein e.V. findet am 13. März 2018, zum Thema „Mobilität“ in Bad Ems statt. Bitte notieren Sie sich den Termin bereits jetzt.