Presse Studierende der Hochschule Koblenz entwarfen Aussichtstürme für Nickenich – Siegerentwurf prämiert

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Nickenich liegt wunderschön am Rand des Naturschutzgebietes Laacher See und an einem der beliebten Traumpfade. Die 16 Kilometer lange Wanderstrecke könnte in absehbarer Zeit noch attraktiver werden: Studierende der Hochschule Koblenz haben im Auftrag der Ortsgemeinde drei Entwürfe eines über 20 Meter hohen Aussichtsturms entwickelt, der anstelle der in die Jahre gekommenen Herrmann-Hütte errichtet werden und dort ganz neue Perspektiven in die Pellenz und darüber hinaus bieten könnte. Die angehenden Bauingenieurinnen und Bauingenieure durften ihre Ideen im Nickenicher Baggerado vor einer fach- und ortskundigen Jury präsentieren, die im Anschluss den Siegerentwurf kürte und die Arbeiten mit Preisgeldern belohnte.

Die insgesamt zehn Studierenden des Fachbereichs bauen-kunst-werkstoffe hatten im vergangenen Semester in Prof. Dipl.-Ing. Tim Göckels Masterkurs "Stab- und rahmenförmige Tragwerke des Ingenieurholzbaus (HOLZ-2)" drei Varianten für einen Aussichtsturm für die Gemeinde Nickenich am Laacher See entworfen. Ortsgemeindebürgermeister Gottfried Busch war an den jungen Professor mit der Bitte herangetreten, seine Studierenden einen solchen Aussichtsturm gestalten zu lassen. Damit soll der bestehende Premiumwanderweg aufgewertet und noch attraktiver gemacht werden. „Nickenich wurde 1069 erstmalig urkundlich erwähnt und feiert daher im Jahr 2019 sein 950-jähriges Bestehen – das wäre ein schöner Anlass, um einen solchen Turm zu bauen und einzuweihen“, betont Busch.

Die drei Studierendengruppen präsentierten ihre Entwürfe dem 13-köpfigen Preisgericht, dem neben Prof. Tim Göckel und Prof. Dr. Ralf Zeitler von der Hochschule Koblenz und Ortsgemeindebürgermeister Gottfried Busch weitere Mitglieder des Ortsgemeinderates, Revierförster Karl-Hermann Gräf sowie die Koblenzer Forstamtsleiterin Carmen Barth angehörten. Zuvor hatten die Studierenden ihre Arbeiten bereits an der Hochschule Koblenz vorstellen müssen – handelte es sich doch um eine reguläre Prüfungsleistung im Rahmen ihres Masterstudiums des Bauingenieurwesens, benotet und bewertet mit fünf so genannten „Credit Points“.

Mit seiner Bitte hatte Ortsbürgermeister Busch bei Prof. Tim Göckel, der seit drei Jahren an der Hochschule Koblenz die Professur für Holzbau und Festigkeitslehre inne hat, offene Türen eingerannt: „Diese Anfrage war ein absoluter Glücksfall für die Studierenden, die so ihre Kenntnisse an einem konkreten Projekt anwenden und vertiefen konnten – von der Gestaltung und der Statik des Turms bis zur Auswahl der richtigen Materialien.“ Dabei gab es konkrete Vorgaben einzuhalten. So sollte der Aussichtsturm beispielsweise die in diesem Bereich stehenden Bäume überragen, ein Zwischenpodest und eine obere Plattform aufweisen sowie mindestens 30 Personen Platz bieten.

Die erste Gruppe, bestehend aus den drei Studierenden Lena-Marie Ballier, Fabian Bernreiter und Fabian Müller, nahm Bezug auf archäologische Funde, die die Besiedlung durch Kelten und Römer belegen. Sie schlugen daher unter dem Arbeitstitel „Römerblick“ einen Aussichtsturm in Form eines klassischen Römerturms vor. Bei der Gestaltung legten die Studierenden ein besonderes Augenmerk auf die bequeme und schwindelfreie Begehbarkeit des Bauwerks. Die zweite Gruppe, bestehend aus den Studierenden Jonas Klein, Hülya Yigit, Michael Schulz, hatte ihr Werk unter das Thema „Zeitblick“ gestellt, ebenfalls auf die Geschichte des Ortes sowie auf den Weitblick eines solchen Bauwerks eingehend. Ihr Turm, der sich wie eine Sanduhr in der Mitte verjüngte, begeisterte mit einer schlichten Gestaltung, die sich die hohe Stabilität von dreieckigen Konstruktionen zu Nutze machte. Die dritte Gruppe, bestehend aus den vier Studenten Alexander Balz, Artur Nuss, Tobias Müller und Sebastian Laux, rückten die geologische Besonderheit des Ortes in den Mittelpunkt. Mit ihrer „Vulkanwarte“ präsentierten sie einen Aussichtsturm in Form eines typischerweise asymmetrisch Basaltstabs, d.h. obwohl sich die Grundfläche mit nur drei Ecken darstellte, mündete der Turm schließlich in eine polygone Plattform ohne Überdachung. Trotz der großen Vielfalt der Entwürfe gab es auch Gemeinsamkeiten: So schlugen alle Studierenden als Bauholz die besonders langlebige Douglasie vor, die allerdings mit Bauteilen aus Metall zu ergänzen wäre.

Aufgrund der hohen Qualität aller drei Entwürfe tat sich das Preisgericht besonders schwer mit der Platzierung. Die Juroren bewerteten die Arbeiten nach verschiedenen Kriterien, etwa nach der Funktionalität, nach der Konstruktion, nach dem Design und nach dem zu erwarteten Pflegeaufwand. „Wir haben uns nach langem Ringen schließlich auf den ‚Römerblick‘ geeinigt, weil dieser durch seine gute Begehbarkeit für die meisten Gäste von Nutzen sein wird“, erklärte Busch. Die beiden anderen Aussichtstürme hatten vor allem durch ihre gut durchdachte Konstruktion und ihre ausgefallene Optik gepunktet. Da es diese beiden Arbeiten als gleichwertig betrachtete, entschied sich das Preisgericht spontan, nicht – wie geplant – einen zweiten und dritten, sondern zwei zweite Plätze zu vergeben. Entsprechend wurde das Preisgeld neu aufgeteilt.

„Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet, hier den ersten Platz zu machen“, freute sich Lena-Marie Ballier aus der Gewinnergruppe, „es war ein sehr umfangreiches und in den letzten Wochen auch besonders zeitintensives Projekt, aber wir drei haben uns gut im Team ergänzt.“

Ortsbürgermeister Busch will das Ergebnis des Preisgerichtes nun dem kompletten Ortsgemeinderat vorstellen und Finanzierungsmöglichkeiten ausloten. An der Hochschule Koblenz indes stehen die nächsten Studierenden für das Projekt „Ein Aussichtsturm für Nickenich“ in den Startlöchern: Sie werden nun unter Betreuung von Prof. Dr. Ralf Zeitler die passenden Fundamente für den Turm konstruieren. Zudem plant Prof. Tim Göckel, das Thema nochmals in seiner Lehrveranstaltung HOLZ-2 aufzugreifen und dann mit den Studierenden eine Detailplanung anzufertigen.